Sonderpreise

„Innovation kann lang dauern“

Michael Kübeck (v. l.), Michael Plankensteiner (Logi.cals), Ulrike Rabmer-Koller, Karlheinz Kopf (WKÖ), Felix Tiefenbacher, Wolfram Krendlesberger (Heliovis).
Michael Kübeck (v. l.), Michael Plankensteiner (Logi.cals), Ulrike Rabmer-Koller, Karlheinz Kopf (WKÖ), Felix Tiefenbacher, Wolfram Krendlesberger (Heliovis).Die Presse

Die Software von Logi.cals findet sich in jedem dritten Wasserkraftwerk der Welt. Und Heliovis fängt Sonne im Plastikschlauch ein. Die beiden Unternehmen wurden in den Subkategorien Digitalisierung und Innovation prämiert.

Das ist für uns natürlich eine wahnsinnige Sache“, sagt Felix Tiefenbacher über den Sonderpreis für Innovation, den er für sein Unternehmen Heliovis bekommen hat. Immerhin arbeitet der Experimentalphysiker mit seinem Team seit inzwischen zehn Jahren an der Idee, Sonne in Schläuchen einzufangen.

Ein Konzept, das eben auch Zeit gebraucht hat. „Wir sind alle mit dem Internet verwöhnt: Dass man ein Produkt nach einem halben Jahr auf den Markt bringt und nach zwei Jahren weiß, ob es klappt oder nicht“, sagt Heliovis-Finanzchef Wolfram Krendlesberger. „Aber wenn man Hardware, Ingenieurleistung entwickelt, dann dauert das viele, viele Jahre.“ In der Energietechnik gehe Innovation „bei Weitem nicht so schnell“, sagt auch Tiefenbacher.

In Spanien steht seit einiger Zeit die erste Anlage von Heliovis, mit der die Sonne in großen, weißen Schläuchen eingefangen wird, um die Energie für eine Champignonzucht zu nutzen. „Wir haben Lösungen dafür gesucht, wie man größere Teile der Welt mit Solarenergie versorgen kann“, sagt Tiefenbacher über die Motivation, sich mit dem Thema zu befassen. „Und dazu braucht man sehr, sehr große Flächen, die Sonne ist ja nicht sehr intensiv.“

Das pneumatische Prinzip

Als Alternative hat er nun eben das pneumatische Prinzip erfunden: einen riesigen Schlauch mit neun Metern Durchmesser, der zwei Kammern hat und in dem sich die Sonnenenergie auf eine Linie konzentriert. „Dort wird es richtig heiß – wie wenn ein Kind mit einer Lupe etwas anzündet“, sagt Krendlesberger.

Neben Zeit braucht ein solcher Innovationsprozess übrigens Geld. Eine Herausforderung, sagt der Finanzchef. „Die Energiewirtschaft ist risikoavers und innovationsscheu. Während Google sofort zuschlägt, wenn es eine Innovation erahnt, will man solche Anlagen in unserem Bereich am liebsten viele Jahre laufen sehen.“ Heliovis ist im Übrigen aktuell auf der Suche nach Industriepartnern.

Die Firma Logi.cals, die mit dem Sonderpreis für Digitalisierung ausgezeichnet wurde, ist da schon an einem anderen Punkt: Mittlerweile wird ihre Software in jedem dritten Wasserkraftwerk der Welt eingesetzt und in 80 Prozent der Busse in Europa, wie Co-Geschäftsführer Michael Plankensteiner erklärt.

Der Preis ist für ihn aus einem besonderen Grund spannend: „Als kleines Unternehmen aus St. Pölten, das es seit 32 Jahren gibt, für Digitalisierung ausgezeichnet zu werden, ist schon ziemlich cool.“ Das würde man in dieser Kategorie nicht unbedingt vermuten. „Aber mein Mitgeschäftsführer und Unternehmensgründer Heinrich Steininger war in puncto Digitalisierung vom ersten Moment an dabei.“

Effizienter programmieren

Was die Firma macht? Eine Art Editor, mit dem man Automatisierungsprozesse einfacher programmieren kann. „Das muss programmiert werden, so wie ein Buch geschrieben werden muss“, sagt Plankensteiner. „Ich kann entweder Zeilen runterschreiben, oder ich habe dafür eine Art Word, das mir zum Beispiel hilft, Textbausteine wiederzuverwenden, um einfach effizienter zu arbeiten.“
Tools dafür seien in Zeiten knapper Programmierressourcen ein Vorteil. Siemens programmiert die Steuerung von Wasserkraftwerken mit der Software, dasselbe gilt für die Steuerungen von Continental, mit denen viele Busse ausgestattet sind. „Jede dieser Steuerungen wird mit unserem Editor programmiert.“

Innovation ist natürlich auch bei Logi.cals ein Thema: „Die Kerninnovation war immer da“, sagt Michael Kübeck, der vor elf Jahren als Miteigentümer in die Firma eingestiegen ist. Einen großen Innovationsschub habe es aber vor gut zehn Jahren gegeben. „Da war das Unternehmen in einer massiven Krise. Dabei, es dann neu zu fokussieren, ist die größte Innovation entstanden.“