Archivbild
Mitreden

Rauchverbot: Dringend notwendig oder ein Schritt in die "Fürsorgediktatur"?

15 Jahre nachdem Irland als erstes EU-Mitgliedsland Rauchen in Lokalen verbot, ist es nun auch in Österreich soweit. Während viele aufatmen sprechen andere vom „Ende der Selbstbestimmung“. Diskutieren Sie mit!

Gustav Mahler soll einmal gesagt haben: „Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles fünfzig Jahre später“. Beim Rauchverbot sind nicht 50, aber immerhin 15 Jahre ins Land gezogen, seitdem Irland 2004 als erstes EU-Mitglied vorpreschte. Nach langem Hin und Her, komplizierten Regelungen, Übergangssfristen, Volksbegehren, politischen Richtungswechseln und Klagen ist es nun auch in Österreich soweit: Am 1. November tritt das Rauchverbot in Kraft. Vorerst ohne Ausnahmen. Eine Klage der Nachtlokal-Betreiber wurde bereits abgeschmettert. Nun ist noch eine Beschwerde von Shisha-Bars anhängig, die um ihre Existenz fürchten.

Erich Kocina meint jedenfalls: „Bald werden wir über Bilder von verrauchten Lokalen nur mehr den Kopf schütteln.“ Das Rauchverbot sei  „der längst fällige Sprung in die Gegenwart“, schreibt er im Leitartikel. 

Während viele aufatmen (zur Erinnerung: 900.000 haben das Don't-Smoke-Volksbegehren im Vorjahr unterzeichnet), gibt es nach wie vor Kritik am Rauchverbot - politisch vor allem von der FPÖ, die von einem „Entmüdigungsgesetz“ spricht und vom „Ende der Selbstbestimmung“.

Aber auch andere üben Kritik an der „Verbotsgesellschaft“. „Ein komplettes Rauchverbot in Lokalen wollen wir sowieso, auch wenn wir in die Lokale, wo wir das Verbot wollen, gar nicht wollen“, schreibt etwa der Autor Thomas Sautner, der sich in einem Text über die „Caring-Mom-Gesellschaft“ beklagte. Was er damit meint? „Mami" könne zwar nichts gegen die Globalisierung tun, aber dafür sorgen, „dass sie unser kleines Wohnzimmer, unsere Stadt, unseren Staat, so einrichtet und dekoriert und darin mit zarter Hand die Vorhänge zuzieht, dass wir uns trotzdem wohl fühlen.“

Der Schriftsteller Karl Weidinger nannte diese Tendenzen im Vorjahr in einem Gastkommentar gar „Fürsorgediktatur“ und zählte unter anderem Rauch- und Trinkverbote als Beispiele auf.

Außer Frage steht, dass (unfreiwilliges) Passivrauchen gesundheitsschädigend ist. Das schreibt auch Peter Tappler, gerichtlich beeideter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen, in einem „Presse"-Gastkommentar zur „Retro-Rauchpolitik“. Er zählt zu den Befürwortern eines strikten Verbots.

Was meinen Sie? Geht das Rauchverbot zu weit? Oder noch nicht weit genug? (In anderen Ländern ist auch vor Lokalen oder auf öffentlichen Plätzen das Rauchen verboten.) War der Schritt längs überfällig oder sollte man sich Gedanken über die Freiheit machen? Diskutieren Sie mit!