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Causa Rauch: "Können nicht zur Tagesordnung übergehen"

„Happy Day“ für Umweltschützer.
„Happy Day“ für Umweltschützer.(c) Rauch FruchtsŠfte GmbH & Co OG (Rauch Fruchtsäfte GmbH & Co OG)

Die Vorarlberger in Ludesch haben sich für die Umwelt und gegen die Expansion des Fruchtsaftherstellers und Red-Bull-Abfüllers Rauch entschieden. Der Wirtschaftslandesrat warnt: „Das darf nicht Schule machen.“

Wien. Es war ein guter Tag für die Umwelt, ein bitterer für die Vorarlberger Wirtschaft. Am Sonntag stimmten 56 Prozent der Einwohner der Gemeinde Ludesch gegen die Umwidmung von 6,5 Hektar landwirtschaftlicher Fläche in Betriebsgebiet. Damit muss der Vorarlberger Fruchtsafthersteller und für Red Bull tätige Abfüller Rauch seine Expansionspläne anpassen.

„Ich glaube nicht, dass wir jetzt einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir müssen uns nun ernsthaft überlegen, was das für den Ort bedeutet“, sagt der Vorarlberger Wirtschaftslandesrat Marco Tittler zur „Presse“. Den Gesprächen mit Rauch und mit der Gemeinde möchte Tittler zwar nicht vorgreifen, aber ausschließen kann er nicht, dass sich doch noch eine Alternative für die Produktionserweiterung im selben Ort finden lässt. „Wir brauchen die Familienbetriebe am Standort. Wir wollen ein positives Investitionsklima aufrechterhalten“, bemüht sich der Wirtschaftslandesrat um Schadensbegrenzung.

 

Dialog muss verbessert werden

Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Vorarlberger Industriellenvereinigung (IV), wird deutlicher: „Wir sehen das sehr negativ. Nicht nur für das einzelne Projekt, sondern für den gesamten Standort Vorarlberg ist das kein gutes Signal.“ Die Landespolitik sollte solche sich häufenden „Einzelentscheidungen“ nicht den Gemeinden überlassen, sondern ein koordiniertes und zukunftsorientiertes Vorgehen sicherstellen, so Burtscher. Doch in Ludesch sei etwas ruppiger vorgegangen worden als normalerweise: „Einige Initiatoren der Bürgerbewegung haben Falschinformationen verbreitet. Da ging es außerordentlich hitzig zu.“ Künftig müsse der Dialog mit der Bevölkerung auch vonseiten der Industrie verbessert werden. Neue Medien hätten eine Dynamik gebracht, auf die es sich einzustellen gilt. Darüber hinaus sollten die rund 40 Jahre alten Bestimmungen zur Vorarlberger Landesgrünzone angepasst werden, sagt Burtscher: „Wir wollen nicht alles zupflastern, aber man sollte sich strategisch überlegen, wo Produktionserweiterungen notwendig sind.“

In puncto Kommunikation sieht auch der Wirtschaftslandesrat Nachholbedarf: „Es ist die große Aufgabe der Politik, Ökologie und Ökonomie miteinander in Einklang zu bringen. Sobald eines davon in Schieflage gerät, werden wir unsere Lebensqualität nicht mehr bewahren können.“ Im Fall von Ludesch glaubt Tittler, dass die nächsten Schritte gut angekommen wären: „Rauch hätte eine Produktionsstätte nach höchsten ökologischen Standards gebaut, samt Grünfassade, Dachbegründung und Renaturierung rund um das Gebäude.“

Auch wenn die Entscheidung der Bewohner von Ludesch zu akzeptieren sei, müsse nun versucht werden, die Investitionen in Vorarlberg zu halten, sagt Burtscher: „Ich hoffe nicht, dass das jetzt Schule macht. Die Vorarlberger sind sich bewusst, welch wichtige Bedeutung die Produktionswirtschaft für das Land hat.“ (koka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2019)