Schnellauswahl
Kommentar

Bad Ischl ist eine schräge Wahl – und eine mutige

Zu klein, zu wenig Mittel, zu brav? Die Kulturhauptstadt 2024 kann nun zeigen, was sie jenseits von Kitsch und Kommerz draufhat.

Bad Ischl also. Das behäbige Kurstädtchen, wo rekonvaleszente Gäste ihre Ruhe suchen und Busladungen nostalgischer Touristen sie ihnen rauben, wird Europäische Kulturhauptstadt 2024. Erster Reflex: eine schräge Entscheidung. Auch wenn die Tendenz der Jury schon länger von den Kapitalen weggeht: Ein solches Kleinformat hat es noch nie gegeben, selbst wenn man das Salzkammergut einbezieht. Die Gegend ist als stockkonservativ verschrien. Kultur scheint sich hier fast nur rückwärts zu wenden: Reminiszenzen an Sisi und Franzl, Operettenfestival und Kurkonzert. Das ist hart, das ist zu süß, wie ein Zaunerstollen. Da wirken Country und Boogie, die hier zuweilen auch ertönen, schon als kecke Avantgarde.