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Amtsmalus

Der steirische Fluch steht vorm Ende

STEIERMARK-WAHL: VORGEZOGENE STIMMABGABE
STEIERMARK-WAHL: VORGEZOGENE STIMMABGABEAPA/ERWIN SCHERIAU

Die Landeshauptleute verloren seit 19 Jahren bei jeder Wahl Stimmen.

Wien. Was Franz Voves im Jahr 2015 geritten hat, als er den Landeshauptmannsessel der zweitplatzierten ÖVP überantwortet hat, haben manche Genossen bis heute nicht verstanden. Die plausibelste Erklärung ist, dass er eine schwarz-blaue Koalition verhindern wollte. Vielleicht hatte er aber auch im Hinterkopf, dass eine Art Fluch auf dem steirischen Landeshauptmann zu lasten scheint. Und dass ein Amtsinhaber in der grünen Mark ohnedies nichts gewinnt.

Der letzte Wahlerfolg eines Landeschefs ist 19 Jahre her und gelang ÖVP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic. Danach setzte der Amtsmalus ein. 8,6 Prozentpunkte verlor Klasnic bei der Wahl 2005. Voves eroberte dadurch den Landeshauptmannsessel für die Sozialdemokratie. Einmal im Amt, zeigten sich die steirischen Wähler aber auch mit Voves nicht zufrieden. 2010 verlor er mehr als drei Prozentpunkte, im Jahr 2015 fast neun.

Doch allen Umfragen zufolge wird der nunmehrige ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer am Sonntag einen klaren Wahlsieg einfahren. Das führen Beobachter neben der bundesweit positiven Stimmung für die ÖVP auch darauf zurück, dass Schützenhöfer den Landeshauptmannsessel zu nutzen wusste, um seine Beliebtheitswerte zu steigern. Überdies verspürt der Landeshauptmann diesmal keinen Gegenwind durch Skandale wie Klasnic 2005 (Estag, Herberstein) oder wie Voves 2015 durch Reformprojekte (Gemeindefusionen).

Dass ausgerechnet Schützenhöfer den Fluch des Amtsmalus durchbrechen dürfte, ist bemerkenswert. Denn für ihn wäre es der erste Wahlsieg überhaupt. 2010 und 2015 hatte er als Landeshauptmannstellvertreter noch Verluste für die ÖVP eingefahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2019)