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Auszeichnung

Was Handke in Stockholm erwartet: PK, Proteste und ein Frack

Peter Handke
Peter HandkeAPA/AFP/ALAIN JOCARD
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Wie werden Peter Handke und seine Kritiker einander begegnen? Das ist die große Frage, die über der Verleihung des Literaturnobelpreises hängt.

Anders als Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die sich 2004 dem  Prozedere verweigert, fliegt Peter Handke nach Stockholm, um den Literaturnobelpreis entgegen zu nehmen. Dazu gehört eine ganze Reihe von Terminen, Handke hat jedenfalls angekündigt: "Was sich gehört, werde ich mitmachen.“ Die große Fage dahinter: Wie werden Peter Handke und seine Kritiker einander begegnen?

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Der erste Termin könnte der heikelste werden: Am Freitag ist nicht nur Handkes 77. Geburtstag, um 13 Uhr findet in der Schwedischen Akademie auch die internationale Pressekonferenz mit der Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2018, Olga Tokarczuk, und dem Preisträger des Jahres 2019, Peter Handke, statt. Bei beiden sind Fragen, die politische Themen betreffen, wahrscheinlich. Handkes Haltung zu Serbien und Jugoslawien sorgte für ein heftiges Wiederaufflammen jener Debatte, die etwa 2006 bei der Zuerkennung des Heine-Preises (den Handke schließlich nicht annahm) losgebrochen war. Und Handke hat Journalisten mehr als einmal beschimpft.

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Protest gegen Handke angekündigt

Es sind jedenfalls Protestaktionen von bosnischen Kriegsopferverbänden wie den "Müttern von Srebrenica" angekündigt. Wie sich die verbreitet, bleibt abzuwarten. Für ihre Kundgebung auf Stockholms zentralem Platz Sergels Torg, rund 300 Meter vom Konzerthaus entfernt, hoffen die Veranstalter jedenfalls auf mehrere Tausend Teilnehmer.

Die Akademie selbst hat auf Aufforderungen, die Auszeichnung wegen verschiedener Kommentare Handkes, die Kritiker als Verharmlosung von Kriegsverbrechen bzw. Herabwürdigung der Opfer werten, zurückzunehmen, kühl reagiert. "Die Akademie (...) hat nichts in seinem schriftstellerischen Werk gefunden, das eine Attacke auf die Zivilgesellschaft darstellt oder den Respekt für die Gleichheit aller Menschen infrage stellt", antwortete Mats Malm, der Ständige Sekretär der Akademie. Und der Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Anders Olsson, schrieb, es sei "deutlich, dass wir das literarische Werk von Peter Handke auf ziemlich unterschiedliche Weise betrachten". Diese unterschiedlichen Perspektiven gab es offenbar auch innerhalb des Komitees.

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Auch in der Kollegenschaft bezog man die Fronten: So nutzte der in Visegrad geborene Autor Sasa Stanisic seine Dankesrede bei der Zuerkennung des Deutschen Buchpreises für eine volle Breitseite gegen Handke, während zahlreiche Autoren, Literaturwissenschafter und Übersetzer von Klaus Amann bis O.P. Zier eine Erklärung gegen die "Anti-Handke-Propaganda, der jedes Mittel Recht ist" unterzeichneten.

Nobelvorlesungen

Am Samstag halten beide Preisträger nacheinander in der Schwedischen Akademie ihre Nobelvorlesungen. Für 16.45 Uhr ist jene von Olga Tokarczuk angesetzt, um 17.30 Uhr soll die Rede von Peter Handke folgen. "Der Hauptteil besteht aus dem Anfang und dem Ende des Stückes 'Über die Dörfer'. Das ist ja schon bald 40 Jahre her, aber es kam mir vor, dass es das Richtige ist für den Moment", verriet der Dichter im Vorfeld. Bisher waren diese Vorlesungen meist medienöffentlich, diesmal habe man sich aufgrund der zwei Preisträger entschlossen, aus Platzgründen nur geladene Gäste zuzulassen, gab die Schwedische Akademie bekannt. Die Weltöffentlichkeit kann via Livestream mit dabei sein.

Verleihung am Dienstag

Am Sonntag steht das Nobelpreiskonzert an, am Montag die Dialog-Veranstaltung "Into the Unknown" - höchst unspektakuläre Ereignisse im Vergleich zum Höhepunkt des Veranstaltungsreigens am Dienstag, 10. Dezember, um 16.30 Uhr: Am Todestag des Preisstifters Alfred Nobel werden im Konzerthaus von Stockholm vom schwedischen König die Nobelpreise in Physik, Chemie, Medizin und Literatur an insgesamt elf Personen (darunter mit Tokarczuk eine einzige Frau) überreicht. Für die Zeremonie gilt ebenso wie für das daran anschließende Bankett um 19 Uhr im Stockholmer Rathaus ein strikter Dresscode: Abendkleid für die Damen, Frack für die Herren.

"Da habe ich ein bissel Sorgen, welche Figur ich darin machen werde", meinte Handke: "Aber es gibt schlimmere Sorgen." Zumal die Nobelpreisträger ein besonderes Service in Anspruch nehmen können: Zu ihnen kommt der Schneider ins Hotel.

Nur zwölf internationale Print-Journalisten zugelassen

Der Medienzugang zur Zeremonie und dem Nobelpreis-Bankett, an dem immerhin bis zu 1.300 Gäste teilnehmen können, ist mehr als exklusiv: Nur zwölf internationale und sieben nationale Print-Journalisten werden von der Nobelpreis-Stiftung zugelassen. Das Menü wird noch geheim gehalten. Eine Aufgabe hat Peter Handke dann noch zu erfüllen: Von den Preisträgern wird ein auf Englisch ausgebrachter Toast erwartet.

 

(APA/red.)

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