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Wiens Welterbe gerettet? Heumarkt-Turm kommt nicht

RENDERING: WIENER HEUMARKT-AREAL
So sollte das ursprüngliche Heumarkt-Projekt aussehen. Der Turm wird nun niedriger.APA/ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MURR
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Das geplante Hochhaus, wegen dem Wiens Zentrum als gefährdete Welterbestätte gelistet wurde, wird doch nicht so hoch wie gedacht. Immobilieninvestor Michael Tojner sei bereit „für einen alternativen Lösungsansatz“, hält sich aber einen Plan B offen.

Jahrelang wurde über die Höhe des umstrittenen Hochhauses gestritten, nun dürfte eine Lösung gefunden worden sein: Wie Landtagspräsident Ernst Woller - er wurde von Rot-Grün zuletzt zum Heumarkt-Beauftragten ernannt - am Freitagvormittag bekanntgab, wird das Hochhaus-Projekt nun doch nicht so hoch wie gedacht. Die ursprünglich geplante Höhe von 66,3 Metern werde demnach „im Sinne der Empfehlungen von Unesco und Icomos“ nicht umgesetzt. Dies sei ein Kompromiss, der in den Gesprächen mit Investor Michael Tojner erzielt worden sei, hieß es.

Woller betonte am Freitag im Gemeinderat, dass Tojner der Stadt „sehr entgegengekommen" sei. „Er hätte das nicht müssen“. Tojners Firma Wertinvest werde auf den Turm verzichten, dafür jedoch das entfallende Volumen möglicherweise in anderen Bereichen realisieren. Im Raum steht nun etwa eine Erhöhung des Hotels. Der Turm war bekanntlich der primäre Grund, weshalb das historische Zentrum Wien als gefährdete Welterbestätte gelistet wurde. Mit der neuen Lösung soll das Prädikat Weltkulturerbe für das historische Zentrum Wiens erhalten bleiben. Unesco hatte eine Höhe von 43 Metern als Maximum genannt.

Tojner stellt Ultimatum

Wertinvest bestätigte am Freitag in einer Aussendung, dass für eine Alternativvariante zur Verfügung stehe. Gleichzeitig betonte der Projektbetreiber allerdings, dass man - falls bis Herbst 2020 keine Lösung zwischen Stadt und UNESCO zustande kommt - auf Basis der bestehenden Planungen den Turm sehr wohl realisieren könne. Denn für das Heumarkt-Vorhaben liege "eine Flächenwidmung, ein rechtsgültiger Bebauungsplan, sowie ein städtebaulicher Vertrag mit der Stadt Wien" vor.

Ganz unter Dach und Fach ist die neue Lösung also nicht nicht. Sollte sie realisiert werden, sind gegenüber dem ursprünglichen Projekt aber folgende Änderungen geplant:

  • So ist für das neue Hotel- und Kongressgebäude zwar eine Erhöhung gegenüber dem derzeitigen Gebäude nicht ausgeschlossen, es soll aber eben nicht die geplanten 66,3 Meter erreichen.
  • Sämtliche technische Aufbauten (Aufzugsschächte, Stiegenhäuser, Be- und Entlüftungsanlagen, etc.) sollen in die Gebäudestruktur integriert werden. Damit soll eine „einheitliche, harmonische Silhouette der Dachlandschaft" und eine „wesentliche Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustand" erreicht werden. Es werde also ein „niedrigeres Gebäude, aber jedoch mit zahlreichen Aufbauten“.
  • Der Eislaufplatz des Eislaufvereins soll in seinem vollen Umfang erhalten bleiben. Zudem soll im Sinne des Klimaschutzes in der Detailplanung der Fokus auf die Ausführung eines “Green Buildings” gelegt werden.

Dieser alternative Lösungsansatz soll nun vom Bundeskanzleramt an das Unesco-Welterbezentrum übermittelt werden. Dort sowie bei Icomos International habe man bei ersten Gesprächen mit Woller positiv auf den Lösungsansatz reagiert. Sollte sich Unesco und Icomos für diese Kompromisslösung entscheiden, werde ein Alternativprojekt ausgearbeitet, heißt es von der Stadt Wien.

Bürgermeister Ludwig: Richtungsweisend

Für Bürgermeister Michael Ludwig habe der Erhalt des Welterbestatus „oberste Priorität“. Gleichzeitig sei es notwendig, den Bereich um den Heumarkt saniert und entwickelt werde, „um insbesondere die Existenz des Eislaufvereins, aber auch das Konzerthaus, nachhaltig abzusichern." Die neue Lösung soll das Grätzle einerseits attraktiver machen und aufwerten und es zudem möglich machen, das Areal zu durchqueren. Im Spannungsverhältnis „von Bewahrung und Entwicklung" sei sie also „richtungsweisend“.

Auch für Vizebürgermeisterin Birgit Hebein sei es „oberste Prämisse“ gewesen, eine Lösung im Einklang mit dem Weltkulturerbe zu finden. „Mit dem Verzicht auf die Realisierung des Turmes ist uns ein wichtiger Schritt gelungen.“

Die Bauverhandlung für das Projekt fand bereits am 18. Dezember statt. Demnach sei das eingereichte Projekt auf Basis der vorgelegten Unterlagen bewilligungsfähig. Dennoch wurde noch keine Baubewilligung ausgestellt. Es sei zudem noch vom Verwaltungsgerichtshof zu klären, ob eine  Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei, heißt es in der Aussendung.