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Fünf Gründe, warum der Oscar heuer so fad ist

January 25, 2020, Malaga, Spain: Spanish actor Antonio Banderas attends the 34th edition of Spanish Film Academy s Goya
Auch wenn US-Medien anderer Meinung sind: Antonio Banderas ist nicht "farbig". Das bedeutet, es ist heuer nur eine einzige nicht-weiße Person in den Schauspieler-Kategorien nominiert, die Britin Cynthia Erivo(c) imago images/ZUMA Press (Jesus Merida via www.imago-image)
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Wer in der Nacht auf Montag die Oscars gewinnt, ist uns heuer so egal wie noch nie. Warum der „Oscar-Buzz“ heuer ausbleibt.

1. Die Oscars sind hoffnungslos altmodisch

Vor fünf Jahren gab es den großen Aufschrei, als in den Hauptkategorien kein einziger Afroamerikaner genannt wurde. Die „Oscars so white“-Debatte um fehlende Diversität war angestoßen. Die Academy hat sich seither bemüht, den Filmpreis moderner zu gestalten. Sie hat die Jury um Frauen und Minderheiten ergänzt, versuchte so, die Dominanz von weißen Männern über 60 zu brechen. Das Ergebnis: Auch heuer wurde mit Cynthia Erivo nur eine einzige dunkelhäutige Person in den Schauspieler-Kategorien nominiert (Nein, liebe Amerikaner, Antonio Banderas zählt nicht). Auch heuer hat wieder keine einzige Frau Chancen auf den Regie-Preis (Greta Gerwig wurde übergangen). Auch heuer wirken die Oscars damit wieder hoffnungslos altmodisch. Nicht einmal die „Skandale“ sind neu: Siehe „Oscars so white“.

2. Es gibt keine Überraschungen

Die Favoriten mit je zehn Nominierungen heißen „Joker“, „1917“, „The Irishman“ und „Once Upon a Time … In Hollywood“: ein intensives Porträt, das an den Kinokassen abräumte; eine Leistungsschau in der Kategorie „Wer hat die längste Einstellung“ mit Kriegsgeschehen im Hintergrund; ein Mafia-Film von Martin Scorsese und eine Melange aus Dialogen und Gewaltexzessen von Quentin Tarantino. Überraschungen fehlen im Nominiertenfeld heuer völlig. Es gibt keine Underdogs, denen man die Daumen drückt („Parasite“ ist mehr Feigenblatt für die Internationalität als Underdog). Keinen Schauspieler, der den Oscar längst verdient hätte und bisher immer leer ausging. Chancen auf den Filmpreis haben vor allem Männerfilme und etablierte Stars. Selbst wenn Joaquin Phoenix in seiner Dankesrede politisch wird: auch damit rechnen wir.

3. Wir sehen mehr Serien, weniger Filme

Netflix bemüht sich sehr, bei den großen Preisverleihungen mitzuspielen, und investiert Millionen von Dollar in Regisseure und ihre Herzensprojekte. Warum eigentlich? Sorgt ein möglicher Oscar-Erfolg von „The Irishman“ oder „Marriage Story“ tatsächlich dafür, dass der Streamingdienst mehr Abos verkauft? Kaum. Dienste für Netflix leben von ihren Serien, die der Qualität von Filmen inzwischen ebenbürtig sind. Die Trennung zwischen der „hohen Kunst des Films“ und der „niedrigen Unterhaltung der Fernsehserien“ ist längst aufgehoben. Und wie „Game of Thrones“ ausging, hat zu mehr Debatten geführt, als die letzten fünf Oscar-Sieger zusammen.

4. Wir bilden uns unsere Meinung nicht mehr über Preisvergaben

Um herauszufinden, ob ein Film sehenswert ist, braucht man keine Preise. Man verlässt sich eher auf das Urteil von Filmfans und Kritikern, die man auf Bewertungsplattformen wie „Rotten Tomatoes“, „IMDb“ oder „Metacritic“ leicht vergleichen kann.

5. Wir nehmen den Oscar nicht mehr ernst

Fehlentscheidungen begleiten die Academy Awards, seit es sie gibt. Aber noch nie wurden sie so breit diskutiert. Das tut dem Image freilich nicht gut. Als ernst zu nehmender Filmpreis waren die Oscars ohnehin immer umstritten: Zu sehr auf die USA konzentriert, zu viel Massenware, zu wenig Kunst und zu viel Glamour. Aber auch als Preis für das Mainstream-Kino erlebt der Academy Award einen Bedeutungsverlust. Von diesem profitieren die moderneren, bissigeren Golden Globes. Deren Moderatoren halten Hollywood gern den Spiegel vor, wie heuer Ricky Gervais, der den Stars erklärte: „Ihr wisst nichts über die wirkliche Welt! Die meisten von euch haben weniger Zeit in der Schule verbracht als Greta Thunberg.“ Wer beim Golden Globe sein Fett abkriegt, der oder die ist in Hollywood wirklich relevant. Die Oscars hingegen verzichten heuer zum zweiten Mal völlig auf einen Moderator.