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"Ich will lernen": Anschober holt sich Rat für Pflegereform

Claudia Sengeis, Pflegende Angehörige, Andrea Kapounek - Geschäftsführerin Haus der Barmherzigkeit, Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne), Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich
Claudia Sengeis, Pflegende Angehörige, Andrea Kapounek - Geschäftsführerin Haus der Barmherzigkeit, Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne), Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie ÖsterreichAPA/HANS PUNZ
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Diakonie-Direktorin Moser rät dem Sozialminister zum Ausbau der häuslichen Versorgung, der mobilen Dienste und der Tageszentren.

Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) hat sich am Freitag erste Ratschläge für die bevorstehende Pflegereform geholt. Er begann seine Dialog-Tour im "Haus der Barmherzigkeit" in der Wiener Seeböckgasse mit Betroffenen, Fachexperten und NGOs. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser empfahl als erstes einen Ausbau der häuslichen Versorgung, der mobilen Dienste und der Tageszentren. Weiters wünschte sie sich ein flächendeckendes Informationsnetz und verwies auf den Fachkräftemangel: "Wir brauchen gute Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter."

Auf das burgenländische Anstellungsmodell für pflegende Angehörige angesprochen, zeigte sich Anschober für alle Idee offen. "Ich gehe total offen in diesen Dialog rein. Ich will lernen dabei." Aber er stehe erst am Beginn des Dialogs, am Ende werde er ein Ergebnis präsentieren. "Wir werden uns das burgenländische Modell - auch direkt vor Ort - anschauen, aber ich kann am Anfang des Dialogs noch keine Ergebnis nennen“, meinte der Minister, der die "Pflege viel mehr zum Thema machen“ möchte, "als es derzeit der Fall ist".

Er werde seine zweimonatigen Dialogtour dazu nutzen, sich "in allen Kernbereichen ein wirkliches Bild zu machen". "Ich will dabei lernen", so der Minister, der sein Ressort zum "Ministerium für Zusammenhalt machen" und die Sozialpartnerschaft wiederbeleben und weiterentwickeln möchte. Zum Zeitplan sagte Anschober: Nach Abschluss der Dialogtour sollte nach Ostern die Taskforce ihre Arbeit aufnahmen, bis November soll ein Paket zur Pflegereform stehen.

Zur umstrittenen Indexierung der Familienbeihilfe, die ein Prestigeprojekt von Türkis-Blau war und vor allem viele ausländische Pflegekräfte trifft, äußerte sich Anschober ablehnend. "Ich habe das von Beginn an kritisch gesehen, weil es Auswirkungen hat auf unser System." Er warte jetzt aber das Ergebnis der diesbezüglichen anhängigen Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) ab.

Auf einen Blick

Derzeit gibt es in Österreich 460.000 Pflegegeldbezieher, der finanzielle Aufwand beträgt 2,6 Mrd. Euro im Jahr. Ein Drittel der Pflegegeldbezieher (153.500) bezieht mobile Dienste. 95.000 Menschen bzw. 20 Prozent der Pflegegeldbezieher sind in Pflegeheimen. Mehr als 175.000 Menschen werden ausschließlich von Angehörigen gepflegt. Weniger als sechs Prozent der Pflegegeldbezieher nutzen Angebote wie Tageszentren, Kurzzeitpflege, betreutes Wohnen oder mehrstündige Alltagsbegleitung.

Es gibt mehr als 950.000 pflegende Angehörige und mehr als 42.000 pflegende Kinder. 73 Prozent der pflegenden Angehörigen sind Frauen. Gleichzeitig sind 127.000 Pflege- und Betreuungspersonen in Krankenhäusern und im Bereich der Langzeitpflege tätig. Mehr als 85 Prozent davon sind weiblich und rund ein Drittel ist über 50 Jahre alt. Das bedeutet, dass in den kommenden zehn Jahren über 41.000 Pflegepersonen aufgrund von bevorstehenden Pensionierungen ersetzt werden müssen und aufgrund der demografischen Entwicklung zusätzlich 34.000 Pflegekräfte benötigt werden, in Summe also mindestens 75.000.

(APA/Red.)