Neue Mittelschule kommt bei Schmied gut an

Neue Mittelschule kommt gut an
Neue Mittelschule kommt gut anSP-Unterrichtsministerin Claudia Schmied (c) APA (Helmut Fohringer)

SP-Ministerin Claudia Schmied sieht sich bezüglich Neuer Mittelschule bestätigt. In einer Elternbefragung benoten achtzig Prozent diese Schulform mit sehr gut oder gut, knapp die Hälfte sieht jedoch Handlungsbedarf.

46 Prozent der Eltern, deren Kinder derzeit eine ersten oder zweiten Klasse der Neuen Mittelschule (NMS) besuchen, sehen Bedarf für Verbesserungen dieser neuen Schulform. Das zeigt eine Befragung von des SPÖ-nachen Meinungsforschungs-Institutes IFES (500 Befragte im Juni 2010), die SP-Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Ende des Schuljahrs vorgestellt hat. Die Wünsche der Eltern sind dabei laut Studie breit gestreut, am häufigsten wird mehr Förderung für schwache sowie Förderprogramme für gute Schüler gefordert.

Nachhilfe ist in der NMS nicht obsolet geworden: Mit zwölf Prozent der Kinder, die zumindest einmal punktuell Nachhilfe benötigt haben, ist der Anteil allerdings laut Studie deutlich geringer als in den anderen Schulformen mit 21 Prozent. Schmied sieht diese Ergebnisse als Bestätigung, "dass wir weiterarbeiten müssen an der Individualisierung des Unterrichts". Die NMS sei allerdings auf einem guten Weg, immerhin hätten achtzig Prozent der Eltern einen "sehr guten Eindruck" von dieser Schulform, 91 Prozent der Schüler besuchen sie gerne. Über achtzig Prozent der Eltern loben zudem das gute Schulklima, das Gesprächsklima mit den Lehrern und das Engagement der Lehrer.

"Pionierland Vorarlberg"

Schmied will daher schon in den nächsten Wochen Gespräche mit dem Koalitionspartner darüber führen, das "Pionierland Vorarlberg" - hier nehmen bereits neunzig Prozent der Schulen für die Zehn- bis Vierzehn-Jährigen am Schulversuch NMS teil, allerdings keine der zwölf AHS - komplett auf die neue Schulform umzustellen. Erste positive Signale "habe ich bereits", zeigte sich Schmied optimistisch. Österreichweit werde bereits jede sechste Schule für die Zehn- bis Vierzehn-Jährigen als NMS geführt, es handle sich also schon lange nicht mehr um punktuelle Schulversuche, sondern "das hat schon Bildungsbewegungsausmaß". Mit dem Schuljahr 2010/11 wird es 320 NMS mit rund 35.000 Schülern geben, im zu Ende gehenden Schuljahr waren es noch 244 Standorte mit rund 20.000 Schülern.

Die Schulversuche zur NMS haben im Schuljahr 2008/09 begonnen. Derzeit sind daher nur Schüler der ersten und zweiten Klasse von den Versuchen umfasst.

"Operative Maßnahmen" ab Herbst

Für den kommenden Herbst hat die Ministerin sich nach den "vielen operativen Maßnahmen" des Schuljahrs 2009/10 (Gesetzesnovellen zum Ausbau der Sprachförderung und Verbesserung der Nachmittagsbetreuung, Modularisierung der Abendschule und so weiter) "die großen Strukturmaßnahmen" vorgenommen: Sie will die neue Lehrerbildung, das neue Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrer und die Reform der Schulverwaltung vorantreiben. Jene Punkte, in denen es "breiteste Zustimmung aller Parteien" gebe, sollen schon im Herbst umgesetzt werden, nämlich: mehr Autonomie an den einzelnen Schulstandorten, Abschaffung der Bezirksschulinspektoren und Umwandlung der Schulaufsicht in Richtung Qualitätsmanagement.

Beim neuen Lehrerdienstrecht hat Schmied unterdessen das Tempo gedrosselt. Sie lobte die guten Vorgespräche mit der Lehrergewerkschaft, konkrete Verhandlungen werde es aber wohl erst 2011 geben. Als Ziel nannte sie, dass das neue Dienstrecht "noch in dieser Legislaturperiode" in Kraft treten soll.

Lehrer gegen "Jubelpropaganda"

"Endlich einstellen" soll Schmied ihre "Jubelpropaganda für die Gesamtschule" nach Ansicht der Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik. Stattdessen solle sich die Ministerin mit "wissenschaftlichen Fakten" wie dem deutschen Bildungsstandards-Leistungsvergleich auseinandersetzen, der mit der herausragenden Position Bayerns "die klare Überlegenheit des differenzierten Schulwesens in der Förderung Leistungsschwächerer als auch Leistungsstarker belegt", sagte Scholik.

 FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz hält die Umfrageergebnisse zur neuen Mittelschule (NMS) in einer Aussendung für "nicht aussagekräftig". "Erwartungsgemäß sind alle Eltern über die NMS erfreut. Immerhin hält sie Versprechen, die vom Unterrichtsministerium längst für das Regelschulwesen gegeben worden sind, beispielsweise die Senkung von Klassenschüler-Höchstzahlen." Auch er würde "das Geld, das derzeit für die NMS vergeudet wird, lieber in unser Regelschulwesen stecken".

(APA)