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Ischgl: Reagierten Behörden zu spät?

Die betroffene Bar, Kitzloch.
Die betroffene Bar, Kitzloch.APA/JAKOB GRUBER
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Das Lokal „Kitzloch“ in Ischgl gilt als Hotspot für die Verbreitung des Coronavirus in Tirol bis Skandinavien. Nun stellt sich heraus, von einer Übertragung auf viele Gäste ging man nicht aus. Warum?

Es ist dramatisch, was sich derzeit im Tourismusort Ischgl abspielt. Der Ort, der für seine Après-Ski-Szene bekannt ist, musste seine Wintersaison vorzeitig beenden – und steht nun (wie das gesamte Tal und weitere Gebiete) wegen des Coronavirus unter Quarantäne. Ischgl gilt als Hotspot für die Übertragung des Virus an Hunderte Menschen. Nicht nur im stark betroffenen Tirol, sondern auch in Island, Dänemark, Norwegen und Schweden. Das wirft Fragen auf. Haben die Behörden zu spät reagiert?

Als Hotspot für die Verbreitung gilt nämlich die Bar „Kitzloch“. in der man beim Après-Ski schon einmal sehr eng steht. Hier wurde ein 36-jähriger deutscher Barkeeper am Abend des 7. März positiv auf den Coronavirus Covid-19 getestet. Daraufhin wurden unmittelbar 22 Personen, die zu den engen Kontaktpersonen des Mannes zählten, isoliert und unter Quarantäne gestellt.

Übertragung „unwahrscheinlich“. Für andere Barbesucher sah man keine Gefahr. Die Bar wurde nicht geschlossen. „Eine Übertragung des Coronavirus auf Gäste der Bar ist aus medizinischer Sicht eher unwahrscheinlich“, informiert Anita Luckner-Hornischer von der Landessanitätsdirektion in einer Aussendung des Landes Tirol am 8. März. Und weiter: „Für alle BesucherInnen, die im besagten Zeitraum in der Bar waren und keine Symptome aufweisen, ist keine weitere medizinische Abklärung nötig.“ Barbesucher mit Symptomen sollten sich melden. „Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung“, heißt es weiter. Offenbar eine Fehleinschätzung. Denn mehrere Besucher der Bar zeigten in den Tagen danach Symptome. Danach ging es Schlag auf Schlag. Am 10. März, zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Falls, wurden die Bar sowie alle Après-Ski-Bars geschlossen. Am 12. März wurde das Skigebiet vorzeitig geschlossen, nun stehen alle Hotels und Liftbetriebe still, der Ort ist unter Quarantäne. „Das hat es in der Geschichte des Landes Tirol noch nicht gegeben“, sagt Florian Kurzthaler, Leiter der Kommunikationsabteilung des Landes Tirol.