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Sondersegen "Urbi et orbi": Der Papst alleine auf dem Petersplatz

"Urbi et orbi"-Segen? Das gibt es normalerweise immer erst am Ostersonntag. Papst Franziskus spendet den Segen wegen der Coronavirus am Freitag.
"Urbi et orbi"-Segen? Das gibt es normalerweise immer erst am Ostersonntag. Papst Franziskus spendet den Segen wegen der Coronavirus am Freitag.APA/AFP/VATICAN MEDIA/HANDOUT
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Papst Franziskus wird am Freitag alleine vor der Basilika beten und den Sondersegen „Urbi et orbi“ spenden. Eine kirchengeschichtlich einzigartige Aktion. Und ein Zeichen der Kirche an die Gläubigen.

Papst Franziskus will am Freitagabend eine ganz besondere Antwort auf die Corona-Pandemie geben: Vor dem Petersdom wird er eine Andacht halten und von den Stufen der vatikanischen Basilika herab den Sondersegen "Urbi et orbi" spenden.

Es ist eine in der Kirchengeschichte einzigartige Handlung. Die ungewöhnliche Zeremonie auf dem leeren Petersplatz wird in Österreich auf ORF III ab 18 Uhr live übertragen. Der Segen Urbi et orbi, "der Stadt und dem Erdkreis", wird sonst nur zu Ostern und Weihnachten gespendet, außerdem unmittelbar nach einer Papstwahl. Auf feierliche Weise ruft er Petrus und Paulus als Fürsprecher an - und mit ihnen eine zweitausendjährige Tradition von Glauben und Hoffen. "Urbi et orbi" ist damit quasi "der Segen aller katholischen Segen".

Ablass möglich

Der Segen des Papstes wird diesmal mit der Monstranz erfolgen, die das Altarsakrament enthält. Ob als Kommunion gereicht oder in der Monstranz gezeigt: Sie stellt das Kostbarste dar, was die Kirche besitzt. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Segens ist der Ablass, den die Gläubigen dabei erhalten. Er bedeutet die Tilgung aller irdischen und jenseitigen Konsequenzen, die man durch seine Sünden verursacht hat.

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Bedingungen für den Empfang des Bußsakraments in der katholischen Kirche. Die Versöhnung eines Gläubigen mit Gott soll im Corona-Notstand auch ohne Einzelbeichte möglich sein. Nach einem Vatikan-Dekret vom 19. März genügt im Extremfall schon der aufrichtige Wunsch des reuigen Sünders nach Aussöhnung mit Gott. Alternativ können Priester, etwa in Krankenhäusern, den vom Tode Bedrohten kollektiv die Generalabsolution erteilen.

Papst macht Versöhnung zur Chefsache

Als Jesuit mit Sinn für das Bildliche versucht Franziskus nun den Menschen mittels fassbarer Zeichen, Monstranz und Segen, nahe zu sein. Der Papst macht die Versöhnung zur sozusagen zur Chefsache. Für alle, die die Kirche als Mittlerin zwischen Gott und Mensch begreifen, eine großartige Geste.

Am Freitagabend, bei Sonnenuntergang, wird der Papst also im Schatten des Petersdoms vor dem Allerheiligsten beten. Der Petersplatz wird menschenleer sein. Die weltlich-nüchterne Begründung wird lauten, dass Versammlungen derzeit untersagt sind. In den Augen des Papstes, der einsam segnend auf den Stufen steht, sind die Plätze nur freigehalten für die Kranken und Sterbenden.

(APA/Burkhard Jürgens/kathpress)