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"Verbotshedonistin Lunacek": Kritik an Plänen im Kulturbereich

Kogler und Lunacek präsentierten am Freitag die Pläne im Kulturbereich.
Kogler und Lunacek präsentierten am Freitag die Pläne im Kulturbereich.APA/HELMUT FOHRINGER
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Das Kulturministerium sei mit der momentanen Situation überfordert, sagen die Neos. Die SPÖ fordert bessere Regeln für Theaterproben. Und die FPÖ ortet „schwarz-grüne Verbotskultur gegen Konsumenten“.

Keinen Befall lösten die am gestrigen Freitag von Vizekanzler Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (beide Grüne) präsentierten Pläne im Kulturbereich bei der Opposition und der IG Autorinnen Autoren aus. Für die SPÖ sind "viele Fragen offengeblieben", die FPÖ sieht Lunacek als "Verbotshedonistin" und die Neos orten "Überforderung" bei den Kultur-Verantwortlichen.

SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda forderte in einer Aussendung unter anderem realistische Perspektiven für Musik- und Theater-Proben. "Die von Kogler und Lunacek angekündigte Regelung für Proben ab Mitte Mai kann ja nicht ernst gemeint sein; sie stellt allenfalls sicher, dass ab Herbst nur mehr Ein-Personen-Stücke in Oper und Theater aufgeführt werden können", so Drozda, der auch "wesentliche Antworten zu sozialen Fragen" unter den Ankündigungen vermisste.

Neos fordern Aufstockung des Fonds für Kulturschaffende

Für NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn hat sich "erneut bestätigt, dass das Kulturministerium mit der momentanen Situation überfordert ist. Trotz vieler Worte der Regierung sind Künstlerinnen und Künstler nicht unbedingt schlauer geworden, wie es in Zukunft weitergehen soll." Schellhorn forderte eine Aufstockung des Fonds für Kulturschaffende, denn diese sowie zuarbeitende Dienstleister "bräuchten dringend Antworten vor Mitte Mai".

Für den Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, ist es nach den gestrigen Ausführungen "so gut wie aussichtslos, dass es in der ersten Jahreshälfte irgendein über exklusive Zutritte hinausgehendes Kunst- und Kulturleben in Österreich geben wird". Die Entwicklungen rund um die Unterstützungsleistungen für Künstler gingen "leider nur sehr schleppend vorangehen. Auf einen besseren Zugang für Kunst- und Kulturschaffende zu den Unterstützungsfonds warten wir vergebens", bemängelte Ruiss.

"Solange diese Regeln aufrecht sind, solange kann kein Theater probieren."

Herbert Föttinger

Skeptisch zeigte sich Freitagabend in der "ZIB 2" auch der Direktor des Theaters in der Josefstadt, Herbert Föttinger: "Wenn man ganz realitätsnahe ist, bedeutet das, wir können nicht Theater spielen." Die Abstands- und Mundschutzgebote seien in dieser Form in einem Theaterbetrieb nicht einzuhalten: "Solange diese Regeln aufrecht sind, solange kann kein Theater probieren." Zuversichtlicher zeigte sich da der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Roscic, gehe es im Juni doch erst einmal um Vorproben: "Ja, die romantischste Kussszene der Welt wird schwer zu proben sein. Aber unter Erwachsenen, unter Profis wird es möglich sein, dass man miteinander arbeitet."

Dass die Bundesmuseen an ihrer Entscheidung festhalten werden, gemeinsam erst mit Anfang Juli aufzusperren, betonte die Generaldirektorin des KHM-Museumsverbands, Sabine Haag, im "ZIB 2"-Interview. Dass bisher noch keine definitive Entscheidungen zu den Salzburger Festspielen gefallen ist, bewegt Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler noch nicht dazu, die Flinte ins Korn zu werfen. Man werde über die Durchführung im Mai entscheiden, es sei aber noch "alles möglich", betonte sie am Freitag gegenüber dem ORF.

„Missverständis“ mit Kinobetreibern

Rund um die Öffnung der Kinos kam es zu einem "Missverständnis" zwischen Lunacek und dem Österreichischen Kinoverband, wie die Staatssekretärin am Freitag nach der Pressekonferenz mitteilte. Hatte Lunacek zunächst von einem Wunsch der Kinobetreiber gesprochen, erst Ende August aufzusperren, stellten diese das bei entsprechender wirtschaftlich vertretbaren Regeln in Abrede. Unter den gegebenen Umständen wolle man am liebsten morgen loslegen.

Das rief am Samstag FPÖ-Konsumentenschutzsprecher Peter Wurm auf den Plan, der die Kulturstaatssekretärin in einer Aussendung als "Verbotshedonistin" bezeichnete, die sich "die Kompetenzverteilung im österreichischen Bundesministeriengesetz endlich im Detail durchlesen" solle: "Sie und ihr Vizekanzler sind nämlich für die Filmförderung zuständig, aber nicht für den Betrieb von Kinos.“ Er spricht von einer  „schwarz-grüne Verbotskultur gegen Konsumenten“.

Einheitliche Gutscheinlösung?

Da seit Freitag auch klar ist, dass die Durchführung aller Großveranstaltungen im Kulturbereich bis Ende August vom Tisch ist, fordert oeticket-Geschäftsführer Christoph Klingler bei der Rückabwicklung eine einheitliche Gutscheinlösung für bereits gekaufte Veranstaltungskarten ein. Diese Gutschriften sollten demnach eine zwei Jahre lang gültig sein. "Finden Konsumenten keine Alternativveranstaltung binnen zwei Jahren, erhalten sie das Geld zurück", heißt es am Samstag in einer Aussendung. Dadurch hätten die Veranstalter weiter die nötige Liquidität, "um künftige Veranstaltungen überhaupt erst zu ermöglichen".

(APA)