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Konjunktur

Covid-19 bringt Defizit-Negativrekord

Die Coronakrise sorgt laut Wifo nicht nur für die schärfste Rezession „seit Beginn der ökonomischen Aufzeichnungen“, sondern auch das höchste Budgetdefizit der Zweiten Republik.

Wien. Als Wifo und IHS Ende März ihre Frühjahrsprognose vorlegten, steuerte die Coronakrise gerade erst auf ihren Höhepunkt zu und es gab viele Fragezeichen. Die Ökonomen erstellten daher ein Szenario, das dezidiert kein „Horrorszenario“ sein sollte, und kamen auf ein BIP-Minus von zwei bis 2,5 Prozent. Seither zeigte sich jedoch, dass sich die Realität deutlich düsterer entwickelte und verschiedenste internationale Organisationen das Minus für Österreich auf Werte von minus fünf bis minus sieben Prozent taxierten.

Nun ziehen auch die heimischen Ökonomen nach. Laut Wifo-Mittelfristprognose wird Österreichs Wirtschaft heuer zumindest um 5,25 Prozent schrumpfen. Verschlechtert sich die internationale Entwicklung jedoch, sei auch ein Minus von 7,5 Prozent möglich. In beiden Szenarien wird allerdings davon ausgegangen, dass es keine zweite globale Infektionswelle gibt. In diesem Fall wären die Zahlen neuerlich dramatischer.

(C) Die Presse

Damit ist die durch das Coronavirus ausgelöste Rezession in jedem Fall schlimmer als jene infolge der Finanzkrise im Jahr 2009. Damals ging das BIP um 3,8 Prozent zurück. „Global gesehen ist es die größte Rezession, seit es makroökonomische Aufzeichnungen gibt“, sagt Josef Baumgartner vom Wifo anlässlich der Präsentation der Prognose.

 

Normalisierung ab 2021

Das bis dato nicht gekannte Ausmaß des Wirtschaftseinbruchs ergibt sich, weil es sowohl auf der Angebots- und der Nachfrageseite als auch im In- und Ausland gleichzeitig Rückgänge gibt. Es sei aber keine Rezession, die sich langsam aufbaut und die Schwächen der Wirtschaft aufzeigt, sondern quasi eine „Rezession per Dekret“, wie Wifo-Chef Christoph Badelt sagt. Daher spreche nach wie vor vieles dafür, dass es ab Herbst einzelne Nachholeffekte gibt. „2021 könnten wir dann in vielen Bereichen auch zu einer gewissen Normalität zurückkehren“, so Badelt. Im kommenden Jahr soll das BIP dadurch auch wieder um 3,5 Prozent wachsen. Bis das Niveau von Anfang 2020 erreicht wird, werde es aber wohl noch zumindest zwei Jahre dauern.

Deutliche Spuren hinterlässt der Wirtschaftseinbruch naturgemäß auf dem Arbeitsmarkt, wo die Arbeitslosenquote im März bereits um mehr als 50 Prozent nach oben geschnellt ist. Hier waren zwar auch Zeiteffekte durch das vorzeitige Ende der Wintersaison enthalten, für das Gesamtjahr rechnet das Wifo jedoch mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit von 7,4 auf 8,7 Prozent. Dass dieser Wert nicht noch viel höher ist, hänge mit den Maßnahmen der Regierung – allen voran der Kurzarbeit – zusammen.

Doch das hat natürlich einen Preis, und zwar einen Negativrekord beim Budgetdefizit. Konnte sich die Regierung für 2019 noch freuen, dass der Bund den ersten Budgetüberschuss seit 1954 geschafft hatte, setzt es heuer nun das höchste Defizit seit Beginn der Zweiten Republik. Auf zumindest 7,4 Prozent werde das Defizit ansteigen. Im pessimistischeren Szenario wird sogar ein Loch von zehn Prozent im Budget erwartet.

Doch auch dieser Wert sei aufgrund der niedrigen Zinsen für den Staat verkraftbar. Er sei daher gegen eine vorschnelle Diskussion, durch welche neuen Steuern – Stichwort Vermögenssteuer – die Krisenkosten gegenfinanziert werden sollen, so Badelt. Es brauche ein „gesamtheitliches Konzept“ nach einem Kassasturz im September oder Oktober. Das gilt auch für Steuererleichterungen, wie sie in Deutschland nun gerade für die Gastronomie eingeführt werden.

 

Regierung muss nachschärfen

Grundsätzlich sei die Regierungslinie, vorerst vor allem die Liquidität der Firmen zu stärken, richtig. Allerdings brauche es „Nachschärfungen“. So sei es vor allem für junge Unternehmen oft unmöglich, das mitunter geforderte Eigenkapital von acht Prozent vorzuweisen. Sobald die Akutphase vorbei sei, werde es aber wohl auch die Konjunktur belebende Maßnahmen brauchen. Laut Badelt etwa die Entlastung niedriger Einkommen im Rahmen eines Gesamtkonzepts sowie Anreize für private Investitionen. Staatliche Baumaßnahmen hätten indes derzeit kaum Sinn.

Anders sei das bei staatlichen Beteiligungen an Firmen, die Eigenkapital benötigen. „Hier muss man pragmatisch sein. Wenn es notwendig ist, um eine Firma durch die Krise zu führen, und eine klare Perspektive für den Ausstieg des Staates da ist, spricht nichts dagegen.“ Wichtig sei aber, es von der Thematik zu trennen, welche wirtschaftlichen Aufgaben vom Staat erbracht werden sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2020)