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Ausgehen verlernt? Diese 5 Filme auf Netflix & Co. helfen weiter

BAD MOMS
Na dann, Prost! Die „Bad Moms“ stürzen sich in die Nacht.STX Entertainment
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Ob Gasthaus oder Café: Die Möglichkeiten geselliger Unterhaltung mehren sich wieder. Wer noch unsicher ist, kann sich mithilfe diverser Streamingdienste an den Gedanken gewöhnen – oder sich abschrecken lassen.

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Exit . . . nur keine Panik

Von Franz Novotny, 1980
Zu sehen auf Flimmit

In Wien, da kann man was erleben – vor allem, wenn man jung ist und nichts zu verlieren hat. Die zwei ausgewachsenen Gfraster Plachinger (Paulus Manker) und Kirchhoff (Hanno Pöschl) ziehen ohne Maulkorb und in seliger Scheinsolidarität um die Häuser der Hauptstadt, verlustieren und randalieren sich durch dröge Alltagslandschaften, die erst ihre rabiate Rotzpippnrebellion mit wirklichem Leben füllt.

Für alle, die sich im Unklaren sind, welche Verhaltensregeln in unseren frisch eröffneten Lokalitäten walten, bietet Franz Novotnys 1980er-Skandalerfolg „Exit . . . nur keine Panik“ handfeste Orientierungshilfe ex negativo. Da werden Spielautomaten mit der Bowlingkugel zertrümmert, Gastgartengesellschaften in zeternden Aufruhr versetzt, Würstelbuden auf Himmelfahrt geschickt. Eine Odyssee mit großer Sachschadenfreude zwischen übermütiger Balgerei, wütender Macho-Revolte und verbitterter Selbstzerstörung. Slapstick und Schwermut, Tamtam und Trübsal liegen hier nah beieinander.

Eines machen die Eskapaden des mit derber Eloquenz wienernden Duos klar: Daheim bleiben ist keine Option. Bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Energiestau sich weniger wüste Bahnen bricht. Prost Mahlzeit, Hals- und Beinbruch!

 

Bad Moms

Von Jon Lucas, 2016
Zu sehen auf Netflix

Wer Kinder zu Hause hat, steht dieser Tage noch mehr unter Druck als sonst. Allen voran Mütter, deren Ruheradius drastisch reduziert wurde. Da kann es ganz schön entspannend sein, sich einen Abend lang rückhaltlos in die Nacht zu stürzen – oder zumindest ein paar Drinks hinter die Binde zu kippen. Genau das macht die am Ende ihrer Kräfte angelangte Turbomama Amy (Mila Kunis) in der selbsterklärend betitelten US-Comedy „Bad Moms“. Was zur Erkenntnis führt, dass es auch andere Menschen gibt, die bisweilen Verantwortung übernehmen und als Stütze dienen könnten: Ehemänner, Freundinnen – und ja, sogar die Kinder selbst! Schamloser Wunscherfüllungsspaß mit löblicher Moral und gut gelauntem Ensemble.

 

A Clockwork Orange

Von Stanley Kubrick, 1971
Zu sehen auf Sky

Delinquenten im Delirium, die Zweite: Stanley Kubricks Klassiker „Uhrwerk Orange“ gilt ja nicht wirklich als Fortgehfilm, zu arg sind die Vergehen der Hauptfiguren, zu heftig das Nachspiel. Dennoch beginnt er mit dem Satz: „Wir hockten in der Korova-Milchbar und überlegten uns, was wir mit diesem Abend anfangen sollten.“ Und schildert in Folge die brutal eskalierenden Unternehmungen jugendlicher Nachteulen: Keilerei mit Rivalen, Sandler-Misshandlung, Einbruch, Vergewaltigung. Empathie à la „Exit“ gibt es hier verständlicherweise nicht, dafür mehr Sozialkritik: Der Staat schlägt zurück – und macht alles nur noch schlimmer. Also bitte nicht zu viel Milch plus bestellen beim nächsten Lokalbesuch.

 

The Big Lebowski

Ethan und Joel Coen, 1998
Zu sehen auf Amazon

Zwar wird der Milchkonsum im Coen-Brüder-Streifen „The Big Lebowski“ gleichfalls mit gewissem Extra aufgepeppt, doch die Stimmung ist weitaus gechillter: Wenn der Dude (Jeff Bridges) am Tresen seines Bowling-Stammschuppens sitzt und an eisgekühlten White Russians nippt, kann ihn (fast) nichts aus der Fassung bringen. Wesentlich zum andauernden Kultstatus dieses absurd-komischen Antikrimis über einen Althippie als Amateurdetektiv hat fraglos sein Hang zum Abhängen beigetragen, das genießerische Auskosten gepflegter Langeweile im Schoß eines verschrobenen Bubenclubs: John Goodman und Steve Buscemi charmieren nach wie vor als cholerische und verdruckste Widerparts zu Bridges' verpeilter Hauptfigur.

 

Chicken and Duck Talk

Von Clifton Ko, 1988
Zu sehen auf Amazon

Als man anfangs mit einem Passantenpaar in den örtlichen Entenimbiss stolpert, ist man ebenso frappiert wie dieses: Essensreste überall, Schmutz auf den Stäbchen. Der Koch ascht in die Suppe, Hunde huschen zwischen den Tischen herum. Aber der Schmäh rennt, die Stimmung schwingt, und das Hausgericht schmeckt vorzüglich – wenn man es vor dem Verzehr ein wenig streichelt, wie der Lokalbesitzer erklärt. Blöd nur, dass gegenüber eine Fast-Food-Kette eröffnet hat, die droht, mit frittierten Brathähnchen und teurer Werbeoffensive zahlungskräftige Laufkundschaft abzuschöpfen. Jetzt heißt es: Auf in den Kampf!

Mit „Chicken and Duck Talk“ gelang Hongkong-Comedygott Michael Hui, dem Hauptdarsteller hier, ein seltenes Kunststück: die erfolgreiche Verquickung von turbulentem Klamauk und gefühlsechtem Milieurealismus. Zwar wird hier nonstop geblödelt, doch die Probleme der bunten Gastrogemeinschaft spiegeln jene der Kronkolonie-Mittelschicht ihrer Zeit: Tradition trifft auf Moderne, familiäres Kleinunternehmertum stemmt sich gegen turbokapitalistisches Effizienzdenken. Zuletzt siegt freilich Ersteres – denn Charakter und Geselligkeit florieren hier nur im Ententeich, Hygienemaßstäbe hin oder her.

 

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