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Corona-Briefing

Die Wahrheit über den VdB-Italiener, mein Auftritt bei dem Botschafter und ein Erratum

APA/HANS PUNZ
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Von offenen Mucki-Buden und geschlossenen Mucke-Buden. Und warum der City-Italiener alles richtig gemacht hat.

Guten Morgen! Sie haben mir gefehlt. Unsere Welt wird diese Woche wieder ein bisschen lockerer, die Hotels eröffnen in wenigen Tagen, danach folgen kleinere Kulturbetriebe und die Mucki-Buden. Die Mucke-Buden dürfen leider noch nicht öffnen.

Es gilt als heimliche Regel, dass in jedem Morgen-Newsletter mindestens ein blödes Wortspiel und eine echte Indiskretion vorkommen müssen, was meine CR-Kollegen und ich durchaus beherzigen. Zur meiner Indiskretion komme ich später. Zu einer anderen gleich: Die Wiener Polizei übermittelte wie gewohnt jeden Sonntag ihre wichtigen Nachrichten direkt an die Krone, Chronik-Journalisten kennen diese Prozedur seit Jahrzehnten. Innenpolitik-Kollegen auch, nur agiert da der jeweilige Bundeskanzler wie die Wiener Polizei mit vermeintlichen Exklusivmeldungen für das kleine Format. Diesmal war es jedenfalls wirklich eine.

Und da diese Prosa nicht zu übertreffen ist, hier im Original. Unter dem betont neutralen Titel „Sperrstunden-Wirbel“ heißt es da: „Riesenaufregung um einen „Sperrstunden-Einsatz“ der Polizei mit höchster Polit-Beteiligung in der Wiener Innenstadt: Eine Streife stieß in der Nacht auf Sonntag im Schanigarten eines schicken Italieners, weit nach der im Covid-19-Gesetz verordneten Schließung um 23 Uhr, auf zwei späte prominente Gäste. Mit Getränken auf dem Tisch. Zur Überraschung der uniformierten Beamten handelte es sich um Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ein bekennender Raucher, und seine Ehefrau!“ Das Ausrufezeichen nach dem Wort Ehefrau ist typisch für Wien, das ist offenbar doch überraschend für die Kollegen gewesen.

Und weiter: „Nach von der Polizeipressestelle bestätigten „Krone“-Recherchen kontrollierten die Uniformierten gegen 0.20 Uhr, also fast eineinhalb Stunden nach der Corona-Sperrstunde, ein scheinbar verliebtes Pärchen in der Annagasse 8. Trotz Regen und Sturm saßen beide angeregt plaudernd im Schanigarten vor dem beliebten City-Italiener Sole, der offiziell natürlich schon geschlossen hatte. Vor ihnen auf dem Tisch aber Getränke, die eigentlich - so wie Speisen - nicht mehr verabreicht werden dürfen.

Bei der routinemäßigen Überprüfung dann der Paukenschlag - wobei die Beamten den höchsten Repräsentanten des Staates natürlich sofort erkannten. Der Bundespräsident und seine Ehefrau Doris Schmidauer kamen der Identitätsfeststellung äußerst freundlich nach.

Auf Nachfrage der „Krone“ gesteht Van der Bellen „einen Fehler“ ein: „Ich bin erstmals seit dem Lockdown mit zwei Freunden und meiner Frau essen gegangen. Wir haben uns dann verplaudert und leider die Zeit übersehen. Das tut mir aufrichtig leid. Es war ein Fehler“, bedauert der Bundespräsident. „Sollte dem Wirt daraus ein Schaden erwachsen, werde ich dafür geradestehen.“

Am Telefon bestätigte auch Aki Nuredini, der den Nobelitaliener im Herzen Wiens seit 37 Jahren führt, gegenüber der „Krone“ den Polizeieinsatz. „Der Bundespräsident ist Stammgast bei mir, so wie viele Künstler. Er hatte Fisch zum Abendessen. Ich habe alles richtig gemacht und wir haben pünktlich um 23 Uhr, wie es das Gesetz vorschreibt, mit einer letzten Getränkerunde zugesperrt. Der Bundespräsident hat nachher einfach noch, anfänglich war auch ich dabei, mit seiner Frau draußen im überdachten Schanigarten nett geplaudert.“

„Ich habe alles richtig gemacht?“ Der Wirt muss in Tirol gewesen sein.

Österreich, das Land, dessen Politiker nicht nur die Hammer-Phase schnell durchzogen, sondern nun vor allem als erste ihre liebsten Tänze üben.

In den sozialen Medien war die Aufregung enorm. Nach dem Wett-Mini-Elefanten-Überbordwerfen von Sebastian Kurz im Kleinwalsertal schaffte es nun auch die Sperrstunden-Übertretung Van der Bellens in internationale Medien. Österreich, das Land, dessen Politiker nicht nur die Hammer-Phase schnell durchzogen, sondern nun vor allem als erste ihre liebsten Tänze üben. Um an dieser Stelle den Alt-Restaurantkritiker hervorzukehren: Das Il Sole ist einer dieser unverwüstlichen formschönlosen Italiener, in denen der Padron mit Panna Cotta in der Stimme jedem ein Pasta-Tris und riesige gegrillte Fische verkaufen kann. In der Annagasse, in der Generationen im Take Five, dem Monte und – andere – in der Tenne tanzten, überlebt nur das Sole Moden und Krisen. Das Publikum setzt sich aus lokalen Anwälten, Opern-Liebhabern und echten Sängern zusammen. Sagen wir es höflich: Frau Van der Bellen senkte den Altersschnitt im Lokal enorm. Es kommt aus der Zeit vor den Seitenblicken. Man isst Seezunge. Ich werde es diese Woche noch besuchen und kulinarisch berichten.

Doch nun zur echten Indiskretion: Ich war vergangene Woche bei meinem Lieblingsbotschafter zum Frühstück zu Gast, zufällig am Morgen nach der Veröffentlichung des M&M-Papiers zur EU-Corona-Hilfe. Am Vorabend hatte mich leider mehr die Nachfolge von Ulrike Lunacek beschäftigt. (Welchen Job muss Lunacek eigentlich als nächstes übernehmen?) Jedenfalls war die 500-Milliarden-Zuwendungsidee von Macron und Merkel zentrales Thema des einstündigen Gesprächs. Was mir an Detailkenntnis des Papiers zu dem Zeitpunkt noch fehlte, versuchte ich mit meinen theoretischen Standpunkten wett zu machen. Meine Kritik am Fehlen von strukturellen Reformen etwa in einem Land wie Italien (nach der Euro-Krise und vor Corona) kam bei meinem Vis-a-Vis nicht besonders gut an, irgendwann fiel sogar das Sch-Wort, excuse my French. Ein Punkt hatte der Verteidiger aber: Militärisch, weltpolitisch und auch exportwirtschaftlich hat es Österreich sehr gut in der EU. Mehr haben wenige Länder in den vergangenen Jahrzehnten von der EU profitiert. Ich glaube dennoch nicht an Corona-Schulden, für die alle haften, aber der Mann hatte einen Punkt. Und ich hoffe, er lädt mich wieder zum Streiten ein.

Das stelle ich mir übrigens mit dem Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, recht schwierig vor. Gestern war er zu Gast in der Zeit im Bild 2 und erklärte, warum er für rasche Lockerungen und für den Merkel-Macron-Plan eintrete. Die Deutschen schätzen gepflegte Langweile, daher ist er der ideale Nachfolger Angela Merkels. Nur in der Corona-Krise preschte er in Deutschland vor und ließ etwa im stark betroffenen Heinsberg Krankheitszahlen und Daten untersuchen, um mit entsprechendem Material seine Linie untermauern zu können. Darüber habe ich in einem Newsletter geschrieben und einen Fehler übernommen.

In meinem Newsletter hieß es fälschlicherweise, die PR-Agentur Storymachine, die vom ehemaligen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann mitgegründet wurde und die Heinsberg-Studie begleitet, sei Anfang 2019 auch an der PR-Aktion für einen angeblichen Brustkrebstest der Universität Heidelberg beteiligt gewesen. Richtig ist: In die Heidelberger PR-Aktion, die den Ruf der Universität schwer beschädigt hat, waren Kai Diekmann und eine andere PR-Agentur involviert.

Bitte um Nachsicht.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, die Lokale sperren um elf. Spazieren wir doch die ganze Nacht.  

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