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OeNB-Prognose 2020

Österreich verliert eine Milliarde BIP pro Woche

Vor allem der Privatkonsum, der in Krisen sonst die Wirtschaft stabilisiert, leidet der OeNB zufolge stark.Die Presse/Clemens Fabry
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Mit 7,2 Prozent Minus falle die Rezession heuer doppelt so stark aus wie jene im Jahr 2009, so die OeNB-Prognose. Seit dem Tiefstand Ende März gab es aber bereits eine deutliche Verbesserung.

Österreich habe sich in der Coronakrise durchaus gut geschlagen, resümiert Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann am Freitag anlässlich der Präsentation der aktuellen BIP-Prognose. So stehe das Land bereits auf der medizinischen Ebene – etwa der Zahl der Todesfälle in Folge von Covid-19 – im internationalen Vergleich gut dar. Und das treffe auch auf die Wirtschaft zu: „Im ersten Quartal hat Österreich mit einem Minus von 2,5 Prozent deutlich weniger verloren als Frankreich, Spanien oder Belgien.“

Allerdings gebe es heuer anders als etwa im Jahr 2009 eine weltweite Rezession. Das BIP der Welt ohne den Euroraum wird laut Prognosen um vier Prozent sinken. Und das habe gerade für eine exportorientierte Wirtschaft wie jene Österreichs starke Auswirkungen. „Wir sind sehr gut, aber wir können nicht besser sein als die Nachbarn, wenn es allen schlecht geht“, sagt Holzmann. Für heuer erwartet die OeNB daher einen Rückgang der heimischen Wirtschaftsleistung um 7,2 Prozent. Damit sei die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Rezession doppelt so stark wie jene in Folge der Finanzkrise im Jahr 2009. Damals betrug das Minus „nur“ 3,6 Prozent.

„Ökonomischer Blindflug“

Wie stark der Einbruch ist, zeigt vor allem der während der Krise neu entwickelte wöchentliche BIP-Indikator der Nationalbank. Dieser wurde erstellt, weil viele volkswirtschaftliche Daten nur sehr langsam – monatlich oder per Quartal – erhoben werden und es während der Krise sozusagen einen „ökonomischen Blindflug“ gab, wie Doris Ritzberger-Grünwald, Chefin der volkswirtschaftlichen Abteilung in der OeNB sagt. Mit Hilfe von aktuellen Daten wie dem Stromverbrauch oder dem Lkw-Verkehr auf den Autobahnen wurde so ein möglichst zeitnaher Indikator erstellt.

Die BIP-Lücke ist Mitte Mai auf zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.Grafik: Österreichische Nationalbank (OeNB)

Dieser Indikator zeigt, dass vor allem in den ersten Wochen des Lockdowns der Einbruch der Wirtschaft rasant erfolgte. So lag das wöchentliche Minus Ende März mit 27 Prozent unter dem Wert der Vorjahreswoche auf seinem Tiefstand. „Seither geht es wieder schrittweise aufwärts“, so Ritzberger-Grünwald. Vor allem seit der Öffnung der Geschäfte Anfang Mai habe sich das Minus deutlich verringert und liege nun um zehn Prozent unter dem Wert des Vorjahres. In absoluten Zahlen hat die heimische Volkswirtschaft zwischen Mitte März und Ende Mai somit eine Wertschöpfung von 14,5 Milliarden Euro verloren. Anfangs betrug der Verlust zwei Milliarden Euro pro Woche, inzwischen sei es „nur“ mehr eine Milliarde alle sieben Tage.

Privatkonsum fällt aus

Der Grund dafür, dass die Rezession heuer wesentlich schärfer als nach der Finanzkrise ausfällt, ist, dass diesmal mit Investitionen, Exporten und dem privaten Konsum alle drei Komponenten der Volkswirtschaft negativ betroffen sind. Vor allem der Privatkonsum, der „normalerweise vor allem in Krisen ein stabilisierender Faktor ist“, leide nun stark. Das ist wiederum auf die temporäre Schließung von Geschäften und Gaststätten als auch auf ein gewisses „Vorsichtssparen“ zurückzuführen. Die Sparquote erhöhte sich trotz aufgrund von Arbeitslosigkeit sinkender Einkommen von 8,3 auf 13,3 Prozent.

Wie die weitere Entwicklung aussieht, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Komme es im Herbst zu einer zweiten Infektionswelle, könne es auch einen neuerlichen Einbruch der Wirtschaft geben – aus der V-förmigen Erholung würde eine W-förmige werden. Andererseits könnte ein staatliches Konjunkturpaket dazu beitragen, dass die Erholung schneller vorankommt. Wie ein solches aussehen soll, wollte Holzmann nicht skizzieren. Mehrwertsteuersenkungen wie in Deutschland stehe er jedoch skeptisch gegenüber. „Diese allein sind nicht sinnvoll, da sie den Konsum nicht erhöhen, die Steuereinnahmen aber reduzieren.“