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Corona-Pandemie

Corona-Ampel blinkt orange - aber nur symbolisch

Die Presse/Clemens Fabry
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Die Corona-Ampel hat offenkundig nur noch die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in den aktuell stärker betroffenen Regionen zu erhöhen.

Die Corona-Ampel ist, wie bereits am Montag bekannt wurde, Dienstagmittag erstmals auf Orange gestellt worden. Allerdings hat das mittlerweile mehr oder weniger nur noch symbolischen Charakter, denn Verschärfungen gehen damit für die betroffenen sieben Bezirke wie Wien und Innsbruck-Stadt nicht einher.

Orange sind nunmehr sieben Bezirke: Wien, Innsbruck-Stadt, Kufstein, Dornbirn, Bludenz, Mödling und Neunkirchen. Darüber hinaus wurden 35 Bezirke gelb - das ein mittleres Risiko bedeutet - eingefärbt.

Neue Maßnahmen sind nach Ansicht des Gremiums „nicht erforderlich“., weil ohnehin „Maßnahmen der Lockerungsverordnung implementiert werden müssen und die verpflichtend vorgesehenen Präventionskonzepte zur Anwendung gebracht werden sollen„, heißt es in den Erläuterungen der Ampel-Kommission.

Vielmehr geht es um Empfehlungen, die von der zuständigen Kommission ausgesprochen wurden - etwa die Intensivierung des Schutzes von Pflegeeinrichtungen und Krankenanstalten, die Erhöhung der Screeninguntersuchungen in einschlägigen Bereichen wie Pflege, Gesundheit und Bildung sowie die Etablierung von präventiven Maßnahmen z.B. an Märkten sowie eine Einschränkung von Veranstaltungen in geschlossenen Gesellschaften ohne Sicherheitskonzept.

>>> Ampel auf Orange: Der komplizierte Umgang mit den Ballungsräumen [premium]

Gerade letzterer Punkt könnte durchaus noch von Interesse sein, wenn man an größere Feierlichkeiten etwa zu Jubiläen, Taufen oder Hochzeiten denkt. Ob es hier zusätzliche Verordnungen zur Umsetzung der Empfehlungen braucht, wird laut Regierungskreisen in den kommenden Tagen beraten.

Freilich hätte gemäß den ursprünglichen Ampel-Plänen Orange noch viel größere Einschnitte gebracht. Da wären z.B. bei Events mit zugewiesenen Sitzplätzen in geschlossenen Räumen nur noch maximal 250 Personen erlaubt gewesen, hätte es in den Oberstufen die Möglichkeit zur Rückkehr von Home-Schooling gegeben und wäre die Sperrstunde auf Mitternacht vorverlegt worden.

Nunmehr hat die Ampel offenkundig nur noch die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung in den aktuell stärker betroffenen Regionen zu erhöhen. Immerhin ist die Kommission damit auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gefolgt, der schon vergangene Woche darauf gedrängt hatte, weniger auf Grün als auf Gelb und Orange zu setzen, nachdem zumindest das Parameter der Fallzahlen diese Färbung bereits hergegeben hätte.

Kein Homeschooling trotz orange

Auch in den Schulen werden die ursprünglich für orange angekündigten Maßnahmen derzeit nicht umgesetzt. Das Bildungsministerium plane in keinem der sieben Bezirke Homeschooling, bestätigte eine Sprecherin am Dienstag. Am frühen Nachmittag will Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einer Pressekonferenz über die Situation an den Schulen informieren. Ursprünglich hatte es geheißen, dass Oberstufen in "orangen" Bezirken auf Heimunterricht wechseln können.

Drei Bundesländer noch grün

Verhältnismäßig unbeschwert lässt es sich noch in Salzburg, Kärnten und Burgenland leben, sind doch dort alle Bezirke Grün. Davon kann Oberösterreich nur träumen, denn außer dem Innviertel ist das gesamte Land nun Gelb-gefärbt. In Tirol wurden Innsbruck-Stadt und Kufstein eine Stufe auf Orange gehoben, neu auf Gelb kommen zu Schwaz die Bezirke Landeck und Innsbruck-Land. Das bisher komplett grüne Vorarlberg ist nun in einen orangen (Dornbirn, Bludenz) und einen gelben Bereich (Bregenz, Feldkirch) geteilt. In Niederösterreich sprangen Mödling und Neunkirchen von Grün gleich auf Orange, zahlreiche weitere Bezirke sind nunmehr Gelb. Der Steiermark bleibt Orange erspart, dafür sind einige Bezirke wie Graz Stadt und Umgebung Gelb.

Zumindest fürs erste zeigten sich die Landespolitiker mit den Entscheidungen der Kommission ganz zufrieden. Auch Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) war "einverstanden" damit, dass die Bundeshauptstadt hoch gestuft wurde. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) will die Höherstufung der Bezirke sogar eingefordert haben, lehnt er es nach eigenem Bekunden doch ab, der Bevölkerung mit einer harmlosen Ampelfarbe zu suggerieren, dass alles in Ordnung sei.

Die Zahl der Corona-Infizierten ging indes nach dem üblichen Abschwung an den Wochenenden wieder deutlich in Richtung 800 nach oben. Am Dienstag wurden 764 neue Fälle verzeichnet. Montagfrüh hatte das Innenministerium 382 Neuinfektionen berichtet, das waren zwar deutlich weniger als die 869 vom Samstag, aber wiederum deutlich mehr als genau eine Woche davor, als am Montag 290 Neuinfektionen berichtet wurden.

(APA)