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Jodie Foster, Daniel Craig und eine Trickfigur: Neue Filme auf Netflix, Amazon & Co.

RELEASE DATE: November 27, 2019 TITLE: Knives Out STUDIO: DIRECTOR: Rian Johnson PLOT: A detective investigates the deat
Ana de Armas und Daniel Craig spielen Schüsselrollen in "Knives Out".(c) imago images/ZUMA Press (Lionsgate via www.imago-images.d)
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Vor Kurzem im Kino, jetzt neu den Streaming-Plattformen: In Los Angeles herrscht Bürgerkrieg, ein toter Patriarch ruft einen Detektiv auf den Plan, eine Rechte steigt aus. Dazu ein Mystery-Thriller aus Südkorea.

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Knives Out

Von Rian Johnson, 2019
Zu sehen auf Amazon

So modernisiert man ein Genre: Rian Johnson wandelt in „Knives Out“ auf den Spuren von Agatha Christie und Arthur Conan Doyle. Nach einem Fest zu seinem 85. Geburtstag findet die Haushälterin den Hausherrn, einen schwerreichen Krimiautor, mit durchgeschnittener Kehle. Dezent verwebt Johnson den klassischen Who-Done-It-Stoff mit einer Botschaft zu Klassismus und Rassismus in den USA. Alles ist hier Understatement, von der unaufgeregten Visualisierung über das Spiel der namhaften, exzellenten Akteure (etwa Jamie Lee Curtis und Michael Shannon) bis zur unaufdringlichen Eleganz des Drehbuchs. Als Zuschauer darf man in diesem neu bezogenen Ohrensessel versinken und gespannt abwarten. (mak)

Hotel Artemis

Von Drew Pearce, 2018
Zu sehen auf Netflix

2028 in New York. Nach der Privatisierung des Trinkwassers sind in Los Angeles bürgerkriegsähnliche Zustände ausgebrochen – und das organisierte Verbrechen weiß davon zu profitieren. In einem streng abgeriegelten Geheimspital verarzten futuristische Hightechmaschinen die Schusswunden der Kundschaft aus der Unterwelt, die horrende Summen zahlt. Mittendrin: eine neurotische Krankenschwester, von Jodie Foster als tapsige Greisin gespielt, und ein muskelbepackter Haudrauf (Dave Bautista). Die beiden schmeißen den finsteren Laden, bis ein mörderisches Trio eincheckt, angeführt von einem diabolischen Obergangster, der von Jeff Goldblum gewohnt lakonisch gespielt wird.

Der Brite Drew Pearce, unter anderem bekannt als Drehbuchschreiber der Superhelden-Sitcom „No Heroics“, gab mit „Hotel Artemis“ sein Regiedebüt – und fand seinen eigenen Ton: Er konzentriert sich auf seine schrulligen Figuren und trockenen Humor. Die Geschichte lässt er ästhetisch reizvoll in einer Art Fin-de-Siècle-Kulisse spielen.

Kein gigantomanisches Weltuntergangs-Epos, wie man annehmen könnte, wenn man den Trailer sieht, sondern vielmehr ein Kammerspiel mit wohl dosierten Kampf- und Actioneinlagen. (mt)

Transit

Von Christian Petzold, 2018
Zu sehen auf Sky

In „Transit“ verlegt der Deutsche Christian Petzold die Handlung von Anna Seghers gleichnamigem Roman – ein Deutscher flieht im Krieg vor den Nazis nach Frankreich – in eine Art dystopische Paralleldimension unserer Gegenwart. Das geht erstaunlich gut auf. Der in Marseille gedrehte Film hat die klassische Aura von „Casablanca“, die Vielschichtigkeit eines Romans, die Brisanz eines zeitgenössischen Politthrillers. Christian Petzold zeigt Menschen, die erfahren, dass sie in dieser Welt im Grunde nicht gebraucht werden. Und was passiert, wenn sie trotzdem versuchen, sich eine Existenz aufzubauen. (and)

 

Burning

Von Lee Chang-dong, 2018
Zu sehen auf Amazon

Eine Kurzgeschichte Haruki Murakamis weitet der südkoreanische Regisseur Lee Chang-dong hier zum sozialdiagnostischen Mystery-Thriller aus. Jongsu, ein junger Tagelöhner, trifft zufällig auf Haemi, eine alte Mitschülerin. Leidenschaft keimt. Nur: Von einer Afrika-Reise kehrt Haemi mit dem mysteriösen Bonvivant Ben zurück. Der fasziniert Jongsu, weil er alles hat, was ihm fehlt. Doch Haemi verschwindet – hat Ben etwas damit zu tun? Oder spinnt Jongsu, der schriftstellerische Ambitionen hegt, bloß einen Kopfkrimi? Virtuos hält Lee die Antwort in der Schwebe. Der 65-Jährige ist in Südkorea als Dramatiker und Romanautor bekannt, war kurz sogar Kulturminister. Hier skizziert er beiläufig und unaufdringlich das Porträt einer in ihren Grundfesten gespaltenen Gesellschaft. Ein großer Film. (and)

 

Kleine Germanen

Farkokhmanesh und Geiger, 2019
Zu sehen auf Amazon

Der Opa ist lieb. Der Opa erzählt Geschichten. Er spielt lustige Spiele. Da geht es darum, Bolschewiken zu erschießen. Weniger lieb ist der Opa, wenn er Elsa dabei ertappt, wie sie im Fernsehen eine US-amerikanische Zeichentrickserie schaut: verderbt. „Kleine Germanen“ erzählt die wahre Geschichte von Elsa, die von ihrem Großvater zur strammen Rechten erzogen wird, später einen Nazi heiratet – und nur mit Müh' und Not und unter großer Bedrohung den Ausstieg schafft. Dafür wählten Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger das Mittel der Animation. So ganz geglückt will dieser Teil nicht erscheinen. Umso aufschlussreicher dafür die Interviews mit Politologen, Pädagogen, Identitären und Vordenkern der Neuen Rechten, mit denen der Film Elsas Geschichte begleitet. Auf die Frage, was denn wäre, wenn eines der Kinder sich der Antifa anschlösse, erklären Götz Kubitschek und Ellen Kositza, das sei gar nicht vorstellbar. Ganz unmöglich. Das lasse ihre Erziehung einfach nicht zu: „Da gibt es wenige Lücken für unsere Kinder.“ Der Ausstieg, so ein befragter Experte, gelinge Kindern aus rechtsextremen Familien fast nie. Elsa lebt heute unter falschem Namen in Deutschland. (best)

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