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Bei diesen Therapeuten setzen wir uns (un)gern auf die Couch

Eine neue Serie erzählt die wahre Geschichte eines Psychotherapeuten, der sich über Jahrzehnte an seinem Patienten bereicherte. Andere Therapieserien und -filme schauen in die Seele einer ganzen Gesellschaft.

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Der Therapeut von nebenan

Serie mit Paul Rudd und Will Ferrell, eine Staffel/acht Folgen, 2021
Zu sehen auf Apple TV+

„Ich kümmere mich um dich“, sagt Isaac zum weinenden Marty und nimmt ihn in den Arm. „Das ist nur der Anfang.“ Sollte das einem Angst machen? Durchaus, denn soviel darf gespoilert werden über die neue Serie „The Shrink Next Door“: Sie handelt von einem Psychotherapeuten, der seinen Patienten ausnimmt. Eine wahre Geschichte: Die ungesunde Beziehung zwischen dem beliebten Dr. Isaac Herschkopf und dem Textilhändler Martin Markowitz begann 1981 und währte Jahrzehnte. Ein Podcast deckte 2019 die Sache auf, erst heuer wurde Herschkopf seine Lizenz entzogen.

Die Anfangsszene zeigt bereits, wie sich Isaac (großartig: Paul Rudd) bei einer Poolparty in Martys (Will Ferrell) Sommerhaus als Gastgeber geriert. Gehört die Villa jetzt ihm? Acht Folgen rollen die Geschichte auf, die im bürgerlich-jüdischen New Yorker Milieu spielt. Der fast vierzigjährige Marty lässt sich von seiner Schwester (Kathryn Hahn) zu einer Therapie überreden. Er ist überfordert mit dem Leben, der Firma, dem Erbe seines toten Vaters. Isaac nutzt seine Unsicherheit geschickt aus und übernimmt langsam die Kontrolle über sein Leben. Das Interessante daran: Er scheint gar keine böse Absicht zu verfolgen, sondern selbst an seine grenzüberschreitende „Therapie“ zu glauben. Eine stimmungsvolle, bisweilen auch komische Abhängigkeitsstudie. (kanu)

 

BeTipul – In Behandlung

Serie, zwei Staffeln, 2005 und 2008
Zu sehen in der Arte-Mediathek (auf Hebräisch mit deutschen Untertiteln)

Als „Mutter aller israelischen Serien“ gilt „BeTipul“, das bereits mehrfach adaptiert wurde: Vom amerikanischen „In Treatment“ über eine rumänische und serbische Version bis zum französischen „En Thérapie“, das die Anschläge auf das Bataclan aufarbeitet. Das Original ist ungeschönt (grieselige Kamera) und direkt: In dreißigminüten Folgen sieht man bei den Sitzungen des Therapeuten Re'uven Dagan (Assi Dayan) zu. Der Plot ist strikt auf das Behandlungszimmer reduziert. Dröge ist die Serie aber nie. Wer wollte nicht schon einmal Mäuschen spielen bei einer Therapiesitzung? Exzellent gespielt (Lior Ashkenazi gibt etwa einen gleichgültig wirkenden Kampfpiloten) entspinnt sich eine fesselnde Dynamik zwischen Behandelndem und Behandelten. (her)

 

Bir Başkadır – Acht Menschen in Istanbul

Serie, eine Staffel, 2020
Zu sehen auf Netflix

Worüber kann, worüber muss man reden? Diese Frage ist zentral in dieser großartigen türkischen Serie. Da sitzt Meryem, eine stille, junge Putzfrau mit Kopftuch, die immer wieder in Ohnmacht fällt, vor einer Psychiaterin. Und ist widerwillig beeindruckt von deren Sprache und Souveränität. Diese allerdings eilt nach der Sitzung selbst zu einer Therapeutin. Wo sie ihre Probleme mit dem Mädchen, dessen Kopftuch und der damit verbundenen Lebensweise schildert. Acht miteinander verwobene Schicksale geben Einblicke in türkische Wohnzimmer, Küchen, Gärten, Höfe, zeigen eine gespaltene Gesellschaft aus der Innensicht. Das Unvermögen, die Dinge erklären zu können, ist dabei ein bestimmendes Element. (rovi)

Eine dunkle Begierde

Film von David Cronenberg, 2011
Zum Leihen/Kaufen bei diversen Plattformen

Wer (Psycho-)Therapie sagt, muss auch Freud sagen. Obwohl es der Wiener Legende zunächst vor allem um die Analyse und Ergründung unseres Innersten ging, gilt er doch als der Übervater aller Seelenklempner. Und schleppt daher einen Rattenschwanz an Klischees mit sich herum. Die umschifft David Cronenberg in seinem zum Teil in Wien gedrehten Porträt Freuds (Viggo Mortensen) und seines abtrünnigen Schülers C. G. Jung (Michael Fassbender) mit aufrichtigem Interesse am Kontext der Zeit, in der die beiden wirkten. Mit dabei: Keira Knightley als Sabina Spielrein. (and)

Auf der Couch in Tunis

Film von Manele Labidi, 2019
Zu sehen auf Amazon

Das Leben ist nicht schlagartig einfach geworden im postrevolutionären Tunesien, das zeigt diese wunderbare, warme Komödie, in der eine Psychoanalytikerin (Golshifteh Farahani als grazile Drifterin) nach vielen Jahren in Paris in ihre alte Heimat Tunis zurückkehrt und am Dach eines Wohnhauses eine Praxis eröffnet. Dort oben hört sie den (oft durchaus schrulligen) Sorgen eines Landes im Wandel zu – und sucht nebenbei ihren Platz in dieser neuen alten Gesellschaft. (kanu)

Gypsy

Serie mit Naomi Watts, 1 Staffel, 2017
Zu sehen auf Netflix

Auch hier nutzt eine Therapeutin die Bekenntnisse ihrer Patienten für eigene Bedürfnisse – aber ganz anders als der manipulative Erbschleicher in „The Shrink Next Door“: Um sich eigene (sexuelle) Fantasien zu erfüllen, baut sich die vom eigenen perfekten Leben gelangweilte Jean (Naomi Watts) eine zweite Identität und bandelt mit den Nächsten ihrer Patienten an. Eine langsam erzählte, in mancher Hinsicht leidig stereotyp gestaltete Geschichte über Täuschung und Verlangen. (kanu)

 

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