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Gedenken

Republik kauft Gründe von ehemaligem KZ Gusen

Memorial KZ Gusen
Das bestehende Memorial des KZ Gusen soll schon bald um die neu aufgekauften Gründe erweitert werden.(c) APA (HARALD SCHNEIDER)
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Mit dem Appellplatz, dem Schotterbrecher sowie dem Eingang zum Stollensystem Bergkristall wurden zentrale Orte des größten Konzentrationslagers Österreichs aufgekauft. Der ehemalige Lagereingang bleibt in Privatbesitz.

Innenminister Karl Nehammer verkündete am Dienstag bei einer Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Gusen den Ankauf zentraler Liegenschaften des ehemaligen Konzentrationslagers. Dabei handelt es sich um den Eingang zum Stollensystem Bergkristall in St.Georgen/Gusen sowie den Schotterbrecher, den Appellplatz und zwei SS-Verwaltungsbaracken in der Ortschaft Langenstein.

Die durch die Finanzprokuratur mit den Eigentümern geführten Verhandlungen konnten vor Kurzem positiv abgeschlossen werden. Das seien wichtige Schritte am Weg zu einem würdigen Gedenken vor Ort, so der Innenminister.

Podcast-Tipp:

Hören Sie in der fünfteiligen Podcast-Serie „Die vergessene Hölle“, warum das KZ Gusen in Vergessenheit geriet und vom schwierigen Verhältnis der Gusener Bevölkerung zu der dunklen Vergangenheit ihres Ortes.

Ausbau der Gedenkstätte

In weiterer Folge werden die Liegenschaften nun formell durch die Burghauptmannschaft (BHÖ) für die Republik erworben und dann dem Innenministerium zur Verfügung gestellt.

Die bisherige Gedenkstätte soll um die neu erworbenen Liegenschaften erweitert werden. Die Konzepte für eine weitere Gestaltung dieser Flächen sollen gemeinsam mit internationalen, nationalen und regionalen Stakeholdern unter der Federführung der Bundesanstalt Mauthausen Memorial ausgearbeitet werden.

„Jourhaus“ bleibt in Privatbesitz

Mit dem Eigentümer des ehemaligen Lagereingangs-Gebäudes, dem sogenannten „Jourhaus“, das heute als Wohnhaus genutzt wird, konnte man sich vorerst nicht auf einen Ankauf einigen. Man stehe aber weiterhin in Verhandlungen mit den Eigentümern, teilt das Innenministerium mit.

Vor einem Jahr, am 8. Mai 2020, hat sich die Bundesregierung in einem Ministerratsvortrag zum Ankauf verbliebener Flächen des ehemaligen Konzentrationslagers Gusen und zur Weiterentwicklung der bestehenden Gedenkstätte entschlossen. Internationale Opferverbände beklagen seit Jahren, dass die derzeitige KZ-Gedenkstätte den Opfern und der Dimension des ehemaligen Konzentrationslagers nicht gerecht werde.

Größtes KZ Österreichs

Mit mindestens 71.000 inhaftierten Personen aus über 30 Ländern war das KZ Gusen das größte Konzentrationslager in Österreich. Mehr als die Hälfte der Inhaftierten hat das Lager nicht überlebt. Im Unterschied zum KZ Mauthausen geriet Gusen nach 1945 innerhalb kurzer Zeit in Vergessenheit. Heute steht eine Wohnsiedlung auf dem ehemaligen Lagerareal.

Auf Initiative von Überlebenden und regionaler Gedenkinitiativen wurde dort später eine Gedenkstätte errichtet, die mittlerweile von der Bundesanstalt Mauthausen Memorial betreut wird.