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ALC-Wirtschaftsforum

Nachhaltiger aus der Krise?

Inwiefern hat die Coronakrise die Wirtschaft verändert? Das war das Hauptthema bei der ALC-Diskussionsrunde.

Ein Plädoyer für mehr Augenmaß. Mit dieser Kernbotschaft in der Keynote-Speech von Magna Europe and Asia-Chef Günther Apfalter begann das diesjährige ALC-Wirtschaftsforum. Die Gesellschaft neige zu stark dazu, Dinge zu dramatisieren, so Apfalter. Sowohl im negativen Sinne, als auch im positiven in Form von Hypes. Als Beispiel dafür nannte der Automanager die Elektromobilität und die Digitalisierung der Autos. „Die Elektrifizierung gibt es bereits seit den 1960er-Jahren. Und auch die Digitalisierung hat schon in den 1970ern begonnen.“ Bei den gegenwärtigen Entwicklungen handle es sich also bereits um einen Prozess, der schon seit Langem im Hintergrund laufe.
Inwiefern ein plötzliches Ereignis wie die Coronapandemie und die damit verbundene Wirtschaftskrise die heimischen Unternehmen und ihre Märkte sowie Kunden verändert hat, war in der Folge dann aber doch das Thema der Diskussion, die unter Leitung von „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak stattfand. Die erste Kernaussage, die sich dabei ergab, war leider nicht sonderlich erfreulich: Denn Europa hinkt in der wirtschaftlichen Erholung den USA und Asien hinterher, so der Befund fast aller Diskussionsteilnehmer.

FACC-CEO Robert Machtlinger meinte etwa: „Die Luftfahrtbranche hat eine Vollbremsung hingelegt. Wir waren in Bruchteilen von Sekunden von 100 auf null.“ Das sei auch ein großer Unterschied zu den Anschlägen vom 11. September oder der Finanzkrise gewesen. Damals habe es regionale Ausreißer beziehungsweise eine schnellere Erholung gegeben. „Diesmal ist jedoch alles gestanden“, so Machtlinger. Inzwischen habe sich das in Nordamerika und Asien aber geändert. „In China wird wieder gereist wie vor der Krise, und auch Nordamerika liegt bei etwa 85 Prozent. Europa hinkt hier noch hinterher.“

Ähnlich der Befund von Lenzing-Vorstand Robert van de Kerkhof. „In den USA sind die Textilmärkte bereits wieder stark zurückgekommen. Und auch das Retailgeschäft hat sich durch E-Commerce erholt. Auch China ist bereits wieder besser als vor der Krise.“ Nur Europa hänge hier ebenfalls hinterher.

Nach wie vor eine harte Zeit gebe es in der heimischen Tourismuswirtschaft, so Martha Schultz, Geschäftsführerin der Schultz Gruppe und Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich – auch wenn die Zeichen aufgrund der jüngsten Öffnungsschritte zunehmend auf Besserung stehen. Inzwischen sei die Buchungslage nämlich sehr gut, wenngleich auch fast ausschließlich kurzfristig gebucht werde. „Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wie stark der Tourismus mit der restlichen Wirtschaft verbunden ist“, sagt Schultz. Als Beispiel nennt sie das Tiroler Zillertal, in dem über den Winter 50.000 Gästebetten leer gestanden sind. „Die Landwirte beispielsweise haben nicht mehr gewusst, wo sie die Milch hingeben sollen.“

Boom bei Wohnbau

Vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist hingegen die Bauwirtschaft, erzählt Iris Ortner, Gesellschafterin und Geschäftsführerin von IGO Industries. „Der Wohnbau und kleinere Projekte boomen, da läuft es sehr gut. Bei größeren Projekten spüren wir jedoch bereits einen Rückgang.“ Außerdem wisse man etwa aus der Finanzkrise, dass der Abschwung bei Großprojekten erst mit drei bis vier Jahren Verzögerung komme. Denn wenn es einen Stopp gebe, dann erfolge dieser bereits in der Planungsphase. Jene Projekte, die schon in Bau sind, würden nun noch durchgezogen.

Doch inwiefern hat die Krise für Unternehmen sowie deren Märkte und Kunden eine Veränderung gebracht? „Der Konsument hat sich verändert in den vergangenen Monaten. Er ist bewusster geworden, möchte mehr darüber wissen, was er kauft“, sagt Lenzing-Vorstand van de Kerkhof. Das beinhalte bei dem Faserhersteller neben der nachhaltigen Holzproduktion auch die Einsparung von CO2-Emissionen bei der Fertigung.

Ein Thema, das naturgemäß auch die Flugzeug- und Autoindustrie betrifft. Und gerade Letztere hat nach dem Einbruch während der akuten Krise inzwischen einen Nachfrageschub erhalten, weil viele Menschen den Vorteil eines eigenen Autos sahen, so Magna-Chef Apfalter. Und das sei durchaus ein Problem. „Als Gesellschaft müssen wir die Individualmobilität in den Ballungszentren einschränken und auf öffentliche Mobilität umlenken. Sonst sollte man bei dem Thema aber technologieoffen sein.“

Dass Nachhaltigkeit nun wieder ein wichtigeres Thema werden wird, ist sich auch Ortner sicher. Allerdings plädiert hier auch sie für Augenmaß. „Ich halte nicht viel davon, in den Hochlohnländern die Daumenschrauben immer weiter anzuziehen, sodass Produktion nicht mehr möglich ist und es eine Abwanderung in andere Länder gibt. Damit exportiert man nur den Schmutz der Produktion.“