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Regierung

Kuba dreht Demonstranten das Internet ab

imago images/Agencia EFE
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In Kuba wird seit Tagen gegen die kommunistische Regierung des Landes demonstriert. Während einer Liveschaltung mit einem spanischen Sender wurde eine Kritikerin und Youtuberin von Sicherheitskräften festgenommen.

Spätestens seit dem Arabischen Frühling wissen Regierungen, welch eine Rolle das Internet bei der Mobilisierung von Bürgern spielt. Sie vernetzen, organisieren sich und machen eine Verfolgung schwer. Wenn es kritisch wird, drehen sie am Schalter und schneiden die Bevölkerung davon ab. So auch aktuell in Kuba, das sich mit den größten Anti-Regierungsprotesten seit Jahrzehnten konfrontiert sieht. Nun wurde der Zugang zu WhatsApp, Facebook und Instagram eingeschränkt. Und während eines Live-Interviews für einen spanischen Sender wurde die Youtuberin Dina Stars von Sicherheitskräften aus ihrer Wohnung geholt.

„Wir brauchen Hilfe. Hier werden die Leute umgebracht.“ Die Menschen hätten nichts mehr zu verlieren, betonte sie. „Die Leute in Kuba sterben - entweder verhungern sie oder sie werden krank, weil es keine Medikamente gibt, oder sie werden in einer Demonstration umgebracht.“

Mitten in der Sendung "Todo es Mentira" des spanischen Senders Cuatro am Dienstag unterbrach die junge Frau dann plötzlich: „Die Sicherheitskräfte sind da draußen." Die Kubanerin ging an die Wohnungstür, trat kurz darauf wieder vor die Kamera und erklärte, sie werde mitgenommen. "Ich mache die Regierung dafür verantwortlich, was auch immer mit mir passiert", sagte sie. Und dann war sie weg.

Erster Todesfall bei Demonstrationen

Seit Montag ist das Internet teilweise blockiert, berichtet NetBlocks, eine Internet-Beobachtungsfirma mit Sitz in London am Dienstag. Die kubanische Regierung war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch von Telegram und Facebook gab es zunächst keinen Kommentar. Twitter erklärte, keine Störungen festgestellt zu haben.

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Der Iran sperrt nach Protest das Internet − technisch einfach.

Am Sonntag hatten sich Tausende Menschen an den landesweiten Protesten beteiligt. Sie entzündeten sich an der Wirtschaftskrise und dem Umgang mit der Corona-Pandemie. Viele Demonstranten riefen aber auch zum Ende des Kommunismus auf und forderten in Sprechchören Freiheit. Die Proteste haben auch schon ein erstes Todesopfer gefordert. Ein 36-jähriger Mann sei am Montag bei einer Demonstration am Stadtrand von Havanna gestorben, teilte das kubanische Innenministerium am Dienstag mit. Die Behörden des Karibikstaats gehen nach Aussagen von Aktivisten brutal gegen die Demonstranten vor. 144 Menschen wurden laut der Protestbewegung San Isidro festgenommen oder gelten als vermisst. Unter ihnen seien Demonstranten, prominente Aktivisten sowie Journalisten, teilte die Menschenrechtsgruppe Cubalex zum Montagabend mit. Spaniens Außenminister Jose Manuel Albares und Ministerpräsident Pedro Sanchez forderten am Dienstag die Freilassung der Journalistin Camila Acosta, die für die spanische Zeitung "ABC" schreibt.

 

(bagre/APA/DPA)