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Fragen und Antworten

Die nächste Variante: Was man über die Lambda-Mutante weiß

Auch auf einer peruanischen Inseln im Titicaca-See ist die Impfung (in dem Fall "Sinopharm" aus China) bereits angekommen. Hier ein Archivbild vom 7. Juli 2021.
Auch auf einer peruanischen Inseln im Titicaca-See ist die Impfung (in dem Fall "Sinopharm" aus China) bereits angekommen. Hier ein Archivbild vom 7. Juli 2021.APA/AFP/CARLOS MAMANI
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Das griechische Alphabet hat noch viele Buchstaben. In Südamerika gab es im Frühling eine Covid-Welle mit der neuen Mutante namens „Lambda“. Während manche Studien-Entwürfe eine höhere Ansteckungsgefahr orten, sind andere Wissenschaftler zurückhaltender. Ein Überblick.

Als die WHO Ende Mai erklärte, Corona-Mutationen künftig mit griechischen Buchstaben zu benennen, anstatt nach den Ländern, in denen sie entdeckt wurden, war die britische Variante (Beta) in Österreich noch vorherrschend und Indien wurde von einer heftigen Covid-Welle erfasst, für die schließlich die Delta-Mutante verantwortlich gemacht wurde. Mittlerweile ist die nachgewiesenermaßen ansteckendere Delta-Variante auch in Österreich vorherrschend. Und schon steht die nächste Viren-Weiterentwicklung am Start: konsequenterweise „Lambda“ genannt. Sie trägt die Fachbezeichnung C.37. Ansteckender? Gefährlicher? Das muss bei Mutanten nicht automatisch der Fall sein, das große Ziel eines Virus ist es lediglich zu überleben. Das kann sich auf unterschiedliche Arten auf die Bauplan-Veränderung von Sars-Cov-2 auswirken.

Wir fassen zusammen, was man bisher über die in Peru entdeckte Lambda-Variante weiß.

Wann wurde die Lambda-Variante entdeckt?

Die Variante wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert. In dem Land wurden bereits im April 81 Prozent aller analysierten Corona-Fälle Lambda zugeordnet. In Argentinien und Chile waren es in den vergangenen Monaten rund ein Drittel. Mitte Juni erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass sie die bis dahin vor allem in Lateinamerika auftretende Corona-Variante unter besondere Beobachtung stellt.

Corona-Varianten werden von der WHO und auch von der EU-Seuchenbehörde ECDC in zwei Kategorien einteilt: Varianten unter Beobachtung ("variants of interest"), die zu gehäuften Fällen führen oder in mehreren Ländern auftreten. Dazu gehört Lambda. Eine Stufe höher stehen die besorgniserregenden Varianten ("variants of concern"). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen. Darunter fällt etwa die Delta-Variante oder die brasilianische Variante (P.1, mittlerweile „Gamma“ genannt“).

Ist Lambda ansteckender als Delta?

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Erste Studien im sogenannten Preprint (also ohne Prüfung durch andere Wissenschaftler) deuten in diese Richtung, anerkannte Wissenschaftler beruhigen hingegen. Was als erwiesen gilt: Lambda weist sieben Mutationen am Spike-Protein auf, das sind die Pilz-förmigen „Stacheln“ auf der Hülle des Virus, die dabei helfen, an unseren Zellen anzudocken. Diese Mutationen könnten es dem Virus leichter machen, in die Zellen einzudringen und wiederum unseren Antikörpern die Neutralisationsarbeit erschweren.

Außerdem setzen auch die Impfungen am Spike-Protein an. Mutationen dort könnten also die Wirkung mindern. Es bleibt vorerst aber beim Konjunktiv. Eine japanische Studie (im Preprint) erklärte Lambda allerdings für „ansteckender“, da sie aufgrund einiger Mutationen „für das Entkommen von Antikörpern verantwortlich ist“. Dies sei auch der Grund, warum sich in Südamerika eine derart große Infektionswelle aufbauen konnte.

>> Die japanische Studie im Preprint

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, hat am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur allerdings erklärt: Den Begriff Immunresistenz im Titel der japanischen Studie hält er „bezogen auf die gezeigten Daten schlicht falsch“. Diese zeigten lediglich, dass Lambda in Laborversuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante, die in Österreich und vielen anderen Ländern derzeit vorherrschend ist.

Viele Studien im Labor stützen sich auf die Entwicklung und Wirkung von Antikörpern. Im menschlichen Körper spielen aber auch die T-Zellen eine große Rolle bei der Virenabwehr.

Hat das Lambda-Virus Auswirkungen auf den Impfschutz?

Auch hier gibt es noch keine eindeutige Antwort. Man kann vorerst ebenfalls nur auf ein Studien-Preprint verweisen, diesmal von der New York University Grossman School of Medicine, jedoch mit ermutigenderem Ergebnis.

Das Virus mit der Lambda-Spike-Variante wies demnach eine höhere Infektiosität auf, wurde aber durch den Impfstoff von Biontech/Pfizer sowie Moderna durch impfstoffinduzierte Antikörper neutralisiert, wobei der Titer im Durchschnitt nur relativ geringfügig um das 2,3-3,3-fache abnahm. Die Ergebnisse deuten also darauf hin, dass die derzeit verwendeten Impfstoffe weiterhin gegen die Lambda-Variante schützen und dass auch die monoklonale Antikörpertherapie weiterhin wirksam ist.

>> Die New Yorker Studie im Preprint

Man muss aber noch einmal betonen: Alle diese Studien müssen erst von der Wissenschafts-Community überprüft werden, bevor sie schließlich veröffentlicht werden.

Wie ist die Lage aktuell in Peru?

Auch hier gibt es gute Nachrichten. Die Lambda-Variante breitet sich nach Angaben der WHO nicht mehr besonders stark aus. Die WHO betrachte unter anderem immer, wie stark sich eine Variante nach der Entdeckung verbreite, sagte Covid-Expertin Maria van Kerkhove am Mittwoch der Deutschen Presseagentur. "Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde", sagte van Kerkhove.

Für Peru gibt es aber eine schlechte Nachricht: Nach Angaben aus Peru werde die Lambda-Variante dort von der Gamma-Variante (P.1, vormals „brasilianische“ Variante) verdrängt. Van Kerkhove räumte außerdem ein, dass die Mutationen in einem Spike-Protein der Lambda-Variante durchaus besorgniserregend seien.

In wie vielen Ländern wurde Lambda schon nachgewiesen?

Lambda wurde nach Angaben der WHO in 40 Ländern nachgewiesen. Mit April 2021 wurde die Ages vom Gesundheitsministerium
beauftragt, ein Überwachungssystem (Sentinel-System) für neu
auftretende und bereits existierende Mutationen von SARS-CoV-2
einzuführen. Mit diesem Überwachungssystem wird ein Überblick über
die derzeit in Österreich auftretenden Mutationen beziehungsweise
Varianten gewonnen. Die Lambda-Variante ist vorerst in Österreich noch nicht aufgetaucht.

Wird es weitere Mutationen geben?

Das Coronavirus wird sich weiter verändern, die Frage ist, in welchem Tempo und mit welcher Konsequenz? Der Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, geht im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur davon aus, dass die Zahl der Varianten "überschaubar" bleibt. Man könne jedoch noch nicht sicher sagen, ob noch relevante Mutationen folgen.

Wie gefährlich zukünftige Mutationen sind, ist Klaus Überla vom Virologischen Institut am Universitätsklinikum Erlangen zufolge nicht vorhersagbar. "Der wesentliche Selektionsdruck ist die Übertragbarkeit", erklärt er. "Eine bessere Übertragbarkeit kann mit harmloseren oder schweren Krankheitsverläufen einhergehen." Bartenschlager sagt immerhin: "Je besser sich Viren an den Wirt anpassen, desto geringer ist in der Regel der Schaden für den Wirt." Die Regel gelte aber auch nicht immer, betont der Fachmann.

Die nächste Mutante ist schon da

Und es gibt auch schon eine neue Variante, die zuerst in Kolumbien entdeckt wurde: B.1.621. Sie hat noch keinen griechischen Buchstaben zugeordnet bekommen, wurde in Österreich aber bereits nachgewiesen - im Abwasser der Kläranlage Wörthersee West.

Aufgrund der Analyse-Ergebnisse wird davon ausgegangen, dass es sich um mehrere Fälle im Einzugsgebiet der Kläranlage handeln muss, hieß es in einer Aussendung des Landespressedienstes Kärnten.

B.1.621 gilt wie Lambda vorerst als „Variant of Interest“ und wird weltweit beobachtet, da auch bei ihr der Verdacht auf eine erhöhte Übertragbarkeit besteht. Doch das Europäische Seuchenkontrollzentrum ECDC betont auch, dass noch viele Fragen offen sind und die Datenlage dünn.

Im Süden Floridas verzeichnen die Behörden aber bereits eine Zunahme an Fällen mit B.1.621. Auch dort ist vorerst aber Delta weiterhin mit großem Abstand die vorherrschende Variante von Sars-Cov-2.

(klepa/Ag.)