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Späh-Software

"Amoralische Söldner": Apple verklagt NSO-Group wegen Spionagesoftware Pegasus

imago images/Westend61
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Apple reicht es und geht gerichtlich gegen die NSO-Group vor, die der iPhone-Konzern als „amoralische Söldner des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Mit dem Schritt erhofft sich Apple eine Signalwirkung an Mitbewerber.

Apple geht gerichtlich gegen das israelische Unternehmen hinter der Spionagesoftware Pegasus vor. Wie ein Sprecher gegenüber der New-York-Times erklärt, soll dieser Schritt auch als Signalwirkung für andere Unternehmen dienen. Apple versucht also Mitstreiter in dem gerichtlichen Feldzug zu finden. Der iPhone-Konzern hat die Samthandschuhe ausgezogen: In der eingereichten Klage wird die NSO-Group als „amoralische Söldner des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Es könne nicht sein, dass staatlich finanzierte Unternehmen in Millionenhöhe in Spionagesoftware und Überwachungstechnologie investieren, ohne dafür irgendwem Rechenschaft abzulegen, wird Apples Softwarechef Craig Federeghi zitiert.

Der US-Konzern will vor Gericht erreichen, dass der NSO Group die Nutzung jeglicher Geräte und Software von Apple verboten wird. In der am Dienstag veröffentlichten Klage wird auch eine nicht näher bezifferte "Wiedergutmachung" für das Ausspähen von Nutzern gefordert, weil dies gegen US-Recht verstoßen habe. NSO steht seit Monaten schwer in der Kritik.

Was ist die NSO-Group: Seit jeher geriert sich die NSO-Group als Unternehmen, das mit Hilfe ihrer Software Schwerverbrecher, Terroristen und Pädophile ausgeforscht werden können. Wie sich dann aber Mitte Juli herausstellte, war das nur die halbe Wahrheit: Wie ein internationales Journalistenkonsortium - zu dem etwa die „Washington Post“, „Süddeutsche Zeitung“ oder „Die Zeit“ zählen - aufdeckte, wurden mit Pegasus auch Regime-kritische Menschen und Aktivisten sowie Oppositionelle und Reporter ausgespäht. Auf Dutzenden Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, deren Familienangehörigen sowie Geschäftsleuten seien Spuren von Angriffen entdeckt worden. NSO entgegnete, Pegasus werde "ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste von geprüften Regierungen verkauft, mit dem alleinigen Ziel, durch Verhinderung von Verbrechen und Terrorakten Menschenleben zu retten".

Die Erläuterungen reichen vielen aber nicht aus. Anfang November setzte die US-Regierung NSO auf ihre Sanktionsliste. Es gebe Beweise, dass Spionagesoftware an Regierungen geliefert worden sei, die sie zur böswilligen Überwachung unter anderem von Regierungsbeamten, Journalisten und Wissenschaftern eingesetzt hätten.

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In Handys von Reportern und Aktivisten in Ungarn, Saudiarabien oder Frankreich wurde eingebrochen. Österreich setzt die dafür notwendige Software nach eigenen Angaben nicht ein.

Apple betonte, dass NSO eine inzwischen geschlossene Software-Schwachstelle ausgenutzt habe, um "eine geringe Anzahl" von Nutzern der Geräte des Konzerns anzugreifen. "Die NSO Group und ihre Kund:innen verwenden die immensen Ressourcen und das Potenzial von Nationalstaaten, um Cyberangriffe sehr gezielt durchzuführen, die ihnen Zugriff auf das Mikrofon, die Kamera und andere sensible Daten auf Apple- und Android-Geräten ermöglichen", hieß es.

Bereits seit Jahren läuft eine Klage von WhatsApp gegen NSO. Der zum Facebook-Konzern Meta gehörende Chatdienst wirft der Firma vor, unrechtmäßig seine Systeme ausgenutzt zu haben, um Nutzer zu überwachen.

(APA/bagre)