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Mitreden: Ist die Vier-Tage-Woche ein Modell für die Zukunft?

Die Vier-Tage-Woche ist in Österreich wieder im Gespräch. Und immer mehr Vollzeitarbeitskräfte wollen weniger arbeiten. Was muss sich beim Thema Arbeitszeit ändern? Diskutieren Sie mit!

30-Stunden-Woche, Zwölf-Stunden-Tag, Vier-Tage Woche ...: Viel wurde in den vergangenen Jahren über Arbeitszeitmodelle diskutiert. Und in vielen Branchen haben sich Anforderungen an Arbeitnehmer - und -geber verändert. Außerdem ist es kein Naturgesetz, dass wir 40 Stunden an fünf Tagen die Woche der Erwerbsarbeit nachgehen und das dann als „Vollzeitstelle“ gilt.

Das sehen vor allem viele Junge so: In einer aktuellen Umfrage sprechen sich 68 Prozent der Unter-30-Jährigen für eine Entscheidungsmöglichkeit zwischen einer Vier- und Fünftagewoche bei unveränderter Gesamtarbeitszeit aus. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 55 Prozent. Eine weiter Umfrage zeigt: Mehr als jede zweite heimische Vollzeitarbeitskraft will weniger als die derzeit vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden leisten.

Die Vier-Tage-Woche ist aber längst nicht mehr nur Wunschdenken von Arbeitnehmern, die lange Wochenenden herbeisehnen. Manche Firmen haben bereits seit Jahren umgestellt. Die SPÖ fordert ebenfalls (wieder einmal) eine Vier-Tage-Woche, allerdings mit einer Verkürzung der Gesamtarbeitszeit und mit teilweisem staatlichem Lohnausgleich.

Wird, ja, muss, sich bald etwas ändern? Dafür spricht, dass es eine große Nachfrage nach Mitarbeitern gibt, in vielen Branchen werden sie dringend gesucht, Arbeitgeber müssen also mit attraktiven Angeboten um sie werben. Jeannine Hierländer hat über diesen Wandel geschrieben. Ein Grund sei, dass Junge sich nicht mehr nach dem Motto „Ich arbeite, also bin ich“ definieren. AMS-Vorstand Johannes Kopf sieht darin ein „Wohlstandsphänomen“.

Wolfgang Mazal, Arbeits- und Familienforscher, sieht nicht allein den hohen Wohlstand als Grund für den Trend zu weniger Arbeit. Eine wesentliche Ursache sei die Beobachtung, dass überlange Arbeitszeiten zu großen Defiziten in anderen Beziehungen geführt hätten. Sprich: Die Jungen möchten die Fehler ihrer Eltern nicht mehr wiederholen. Und sie können es sich leisten. Mehr über die „Neue Macht der Arbeitnehmer“ lesen Sie auch hier.

Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn hat in seiner Kolumne noch eine These: „Der Staat verlangt bereits von Durchschnittsverdienern viel zu hohe Steuern und Sozialbeiträge. Nur in Deutschland und Belgien ist es noch schlimmer. Was wiederum dazu führt, dass zu wenige Lust verspüren, mehr zu arbeiten, weil es sich schlicht und ergreifend nicht rechnet.“ Dabei müsse man jetzt dringen überlegen, „wie mehr von jenem Geld erwirtschaftet werden kann, das die Politik so beherzt verteilt.“ Das, so meint Schellhorn, gehe nur, „wenn die leistungsbereiten Teile der Bevölkerung dazu bewegt werden können, mehr statt immer weniger zu arbeiten.“

(sk)

Diskutieren Sie mit: Welche Vor- und Nachteile bringt eine Vier-Tage-Woche? Ist es ein tragfähiges Modell für die Zukunft?