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So wird das neue Museum auf dem Karlsplatz nach seiner Fertigstellung aussehen.
Hausgeschichte

Neues Kleid fürs Haerdtl-Haus

Das 1959 erbaute Wien-Museum wird vergrößert und umgestaltet. Das Architektenteam rund um Roland Winkler setzt auf eine offene Kommunikationsplattform.

Das Wien-Museum – 1959 nach Plänen von Oswald Haerdtl – bekommt ein neues Gesicht und vor allem mehr Platz. Aus dem international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb, an dem 274 Architekturbüros aus 26 Ländern teilnahmen, ging ein österreichisches Team als Sieger hervor: Winkler+Ruck (Klagenfurt) und Ferdinand Certov (Graz). „Wir haben uns sehr intensiv mit dem Projekt auseinandergesetzt und uns letztlich dazu entschlossen, die Erweiterung – den Neubau – auf das Dach zu setzen“, erläutert Roland Winkler, der ausführende Architekt.

Den Architekten geht es aber nicht nur um den Neubau an sich, sie wollen „das Wien-Museum auch wieder auf den Karlsplatz zurückbringen“. Zur Zeit der Erbauung habe der Karlsplatz völlig anders ausgeschaut und das Wien-Museum dabei eine zentrale Rolle gespielt. Durch die vielen Umbauten der vergangenen Jahrzehnte sei es zu einer Randbebauung geworden und habe sein städtebauliches Gesicht verloren. „Das wollten wir wieder zurückbringen“, präzisiert Winkler.

 

Kommunikationsplätze

Auch der respektvolle Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebäude war und ist dem Architektenteam wichtig. „Wir haben sozusagen das Haus von Haerdtl weitergebaut, sind in seinen Proportionen geblieben. Es war uns wichtig, die Qualität des Handwerks hervorzuheben und ein neues Kleid nachzuschneidern“, sagt Winkler. Erster Schritt war die Umgestaltung des Eingangsbereichs: Dieser wird einen großzügigen Pavillon bekommen, mit einem Café und einer Plaza davor, die sich zum Karlsplatz hin öffnet und dem Gebäude wieder eine lokale Präsenz geben wird.

Der besondere Clou aber, der die Jury vollends überzeugt hat, ist nicht nur die Lösung der Erweiterung mit einem Dachaufbau, sondern das Zwischengeschoß, die „Fuge“, die eine gelungene Verbindung zwischen Alt und Neu schafft. „Dieses Geschoß trennt und verbindet das ursprüngliche Gebäude mit unserem neuen Aufbau. Es soll in jeder Beziehung der Kommunikation dienen: als Infostelle, als Veranstaltungsort, als öffentlich zugänglicher Platz mit einem Restaurant und einer umlaufenden Terrasse, die auf Augenhöhe mit den benachbarten Gebäuden liegt“, erklärt der Architekt.

Der neue Aufbau wird, wie das alte Gebäude, eine Stahlbetonkonstruktion und „von oben bis unten mit Brettern ausgelegt, die von Hand geschnitten sind und einen gewissen Abstand voneinander haben, sodass der Aufbau wie eine Bleistiftschraffur wirkt“. Er soll aber keinesfalls in Konkurrenz zum bestehenden Gebäude treten, „sondern wie ein Schlussstein auf dem Dach wirken“.

Auch rein statisch haben die beiden Gebäude keinerlei Berührungspunkte: „Der Dachausbau wird von vier Zugelementen nach unten abgehängt, wobei jeder Träger 160 Tonnen wiegt, rund 40 bis 50 Meter lang und sechs Meter hoch ist. Die Träger wurden in Kärnten gefertigt, und der Transport nach Wien war ein kleines Abenteuer. Wir mussten über Slowenien nach Wien fahren, da die meisten Brücken das Gewicht nicht ausgehalten hätten, und dann mit dem größten Kran, den wir in Wien auftreiben konnten, arbeiten“, erinnert sich Winkler mit leisem Schaudern. Rund acht Zentimeter beträgt dabei der Abstand zum ursprünglichen Haus, „vor allem aus erdbebentechnischen Gründen“, wie der Architekt erklärt.

 

Nachhaltiges Energiesystem

Auch der alte Bau bekommt ein neues Gesicht: Eine neue, in Grau gehaltene Steinfassade wird die ursprüngliche, schon in die Jahre gekommene ersetzen. Und selbstverständlich wird alles auf den neuesten Stand der Technik gebracht. „Temperatur, Heizung und Kühlung sind in einem Museumsgebäude besonders sensibel“, betont Winkler. „Daher ist Betonkernaktivierung angesagt, hochatmende Materialien werden verwendet, wie etwa Lehmputze, überdies wurden 30 Sonden jeweils 150 Meter in die Tiefe getrieben, sodass Kühlung und Heizung künftig komplett über Geothermie erfolgen. Und auf das Dach kommen Fotovoltaikelemente.“ Und nicht zuletzt bekommen die Museumsgestalter fast doppelt so viel Platz: 12.000 Quadratmeter statt der bisherigen 6900.

ZUM OBJEKT, ZUM ORT

Das Wien-Museum wurde Ende der 1950er-Jahre nach den Plänen des Architekten Oswald Haerdtl errichtet. 2015 wurde für eine Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Gebäudes ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den das Team von Winkler+Ruck Architekten und Certov gewann. Das Projekt sieht unter anderem einen Dachaufbau aus Stahlbeton vor.

Eigentumswohnungen in der Inneren Stadt kosten im Erstbezug rund 19.800 €/m2. [ Quelle: Wiener Wohnungsmarktbericht 2021]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2022)

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