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Thalia Theater , Iphigenia
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Theater

Iphigenie, die unterschätzte griechische Heldin

Sie ist ein Opfer – ihres Vaters, des Krieges, der Umstände. Im Gegensatz zu Rächerinnen wie Medea oder Elektra wehrt sich diese edle Protagonistin in Dramen von Euripides, Racine und Goethe nicht. Was hat sie uns noch zu sagen?

Euripides, jüngster der drei großen attischen Tragiker, hat intensive Frauenrollen erfunden. Von 17 seiner erhaltenen Trauerspiele sind acht nach weiblichen Hauptfiguren benannt. Die spektakulärsten davon sind die der Rachedramen. Wer wird jemals Medea vergessen, die ihre Kinder tötet? Wen schaudert nicht vor Elektra, die Orest, ihrem Bruder, aktiv Beihilfe zum Mord an ihrer Mutter leistet? Diese wiederum, Klytaimnestra, meuchelte ihren Mann, Agamemnon – aus Rache dafür, dass der ihre Tochter Iphigenie nach angeblichem Willen der Göttin Artemis als Opfer akzeptierte und die Tat (scheinbar?) ausführte.

Bei den Salzburger Festspielen ist ab 18. August eine neue „Iphigenia“ geplant – ein Grund, die Vorbilder zu betrachten. Euripides hat nach dieser auf den ersten Blick passiven Frauengestalt aus alten Mythen gleich zwei Dramen benannt. In „Iphigenie in Aulis“ erfährt man die Vorgeschichte zum Trojanischen Krieg. Agamemnon soll seine älteste Tochter schlachten, damit er mit dem Heer der Griechen aufbrechen kann, um den Raub seiner Schwägerin Helena durch den Trojaner Paris zu rächen. Die Gründe für das Opfer sind hier dubios. Hat die Göttin der Jagd, Hüterin der Frauen und Kinder, tatsächlich erklärt, dass kein Wind aufkommen werde, mit dem die Griechen gegen Osten segeln können, ehe es getan sei? Oder war es die Perfidie des Sehers Kalchas? Eine wesentliche Frage noch: Wie fixiert auf Krieg und Ehre muss Mykenes Herrscher sein, dass er für den Aufwind alles gibt?