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Erotische Audio-Inhalte sprechen insbesondere Frauen an.
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Serie: Gefühlssache

Sex zum Hören: Wie Audio-Pornografie funktioniert

Intim, persönlich, individuell: Audio-Erotika lassen der eigenen Fantasie mehr Raum, das spricht insbesondere Frauen an. Über den Reiz des Hörens.

„Hey, schön, dass du hier bist und du dir Zeit für dich und deinen Körper nimmst!“, begrüßt eine sanfte Männerstimme namens Tom zum „Feel good Flow“, im Hintergrund beruhigende Musik. Was beginnt wie ein Yoga-Workout auf Youtube oder eine Einheit in der Meditationsapp, nimmt bald Fahrt auf. Tom lädt Zuhörende ein, sich selbst zu streicheln, an eine Person zu denken „von der man geküsst werden möchte“, und schließlich werden - unter Toms sicherer Anleitung  - Lustlippen und Klitoris mit der Hand erkundet.

Was wie eine Entspannungsübung beginnt und mit der Zeit sexuell explizit wird, ist Teil des erotischen Audio-Contents, mit dem das Start-Up Femtasy in den letzten Jahren bekannt geworden ist. Um 12 Euro monatlich kann man in der hauseigenen App oder über die Online-Plattform auf über 2000 erotische Tonaufnahmen zugreifen.

Obwohl es so etwas wie eine Hierarchie der Sinne beim Sex eigentlich nicht gibt - dazu seien Vorlieben und Bedürfnisse viel zu individuell - versteht auch Sexualberaterin Ursula Wilms-Hoffmann den Reiz des Auditiven: „Sexualität ist genitale Erregung in Verbindung mit einem Lustgefühl im Körper, bei einigen Menschen wird dies übers Hören sehr gut bedient. Ihnen gefällt, etwas ins Ohr geflüstert zu bekommen, oder Dirty Talk.“ Inhalte wie die von Tom geführte Masturbation fällt in die Content-Kategorie „Soul“. Sie richtet sich speziell an Frauen, „die sich lange nicht mit der eigenen Sexualität auseinandergesetzt haben, gar nicht wissen, was ihnen gefällt“, wie Gründerin Nina Julie Lepique im Gespräch mit der „Presse“ erklärt. Neben geführten Masturbationen wie jener Toms, gibt es hier Affirmationen und „Love Letters“: Harte Mainstreampornografie ist das nicht.

Was bitte ist sexuelle Wellness?

Beim Konkurrenten Cheex - einer Plattform, auf der Filme, Audio-Erotika, aufklärende Artikel und sogar Workshops angeboten werden, wird Angebot dieser Art unter dem Konzept „sexual wellness“ zusammengefasst. Der Zugang zur eigenen Sexualität wird da als dritte relevante Säule neben physischer und mentaler Gesundheit verstanden. „Das geht natürlich nur, wenn ich mich schambefreit und ohne negative Konsequenzen mit meiner Sexualität auseinandersetzen kann“, erklärt Charis Uster, Audio Director bei Cheex. „Und man braucht natürlich die Möglichkeit, sexuelle Unterhaltung konsumieren zu können, der nicht nur aus der Sicht weißer Heteromänner gestaltet ist, sondern einen etwas finden lässt, das wirklich zu einem passt.“ Die 27-jährige Film- und Audioproduzentin hat unter anderem bei der Indie-Pornografieproduzentin Erika Lust gelernt. Bei Cheex kostet das Monatsabo um die 15 Euro, dafür bekommt man Tutorials, visuelle und Audioinhalte, anders als bei Femtasy sind diese großteils auf Englisch.

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