Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Fake News

TikTok, eine besorgniserregende Suchmaschine

Falschinformationen sind auf der Plattform keine Seltenheit.
Falschinformationen sind auf der Plattform keine Seltenheit.(c) Getty Images (Drew Angerer)
  • Drucken

Im Schnitt enthält jedes fünfte Video auf TikTok falsche oder zumindest irreführende Informationen. Besorgniserregend ist das vor allem, weil die junge Generation die App als Suchmaschine heranzieht.

Immer mehr junge Menschen verwenden das Videoschnipselportal TikTok auch als Suchmaschine oder generelle Nachrichtenquelle. Das „Wall Street Journal“ bezeichnete das soziale Netzwerk gar schon als das „neue Google“ und die „Suchmaschine der Generation Z“. Der Umstand ist insofern problematisch, als eine Studie von Newsguard (eine Organisation für Faktenchecks) kürzlich gezeigt hat, dass ein beträchtlicher Anteil der dort hochgeladenen Videos Fehlinformationen enthält - genauer gesagt knappe zwanzig Prozent. Oder: jedes fünfte Video.

Das Forschungsteam suchte hierzu nach Inhalten zu prominenten Nachrichtenthemen, etwa zu mRNA-Impfstoffen und Abtreibungen, aber auch zum Klimawandel sowie zur russischen Invasion in die Ukraine. Jeweils die obersten zwanzig Suchergebnisse 27 unterschiedlicher Anfragen wurden analysiert, insgesamt 540 Videos an der Zahl.

Belastete Suchvorschläge

Bereits beim Eintippen von Suchbegriffen zu kontroversen Themen liefert TikTok oftmals belastete Termini, so etwa beim Begriff „Klimawandel“. Die Video-Plattform schlägt hier „Klimawandellüge“ oder „Klimawandel gibt es nicht“ vor. Ähnlich verhält es sich bei der Informationssuche zum Covid-Impfstoff. Fünf der ersten zehn Suchergebnisse zu den Impfstoffen beinhalteten fehlerhafte Aussagen, etwa jene, dass der Covid-19-Impfstoff „dauerhafte Schäden an den wichtigen Organen von Kindern“ verursacht.

Auch der Suchbegriff „Abtreibung“ lieferte irreführendes, teils sogar potenziell gefährliches Material. Schon im Juli 2022 veröffentlichte Newsguard einen Bericht, aus dem hervorging, dass nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, mit der das verfassungsmäßige Recht auf Abtreibung abgeschafft wurde, TikTok voll mit Videos über unsichere und unbelegte Abtreibungstechniken war. Darunter das Trinken von Beifußtee oder die Einnahme hoher Dosen von Vitamin C. Ein Sprecher der Video-Plattform erklärte damals, dass das Werben für pflanzliche Abtreibungsmethoden gegen die Community-Richtlinien der Website verstoße und die Inhalte gelöscht würden. Allerdings fand Newsguard auch zwei Monate später noch leicht zugängliches Material dieser Art.

Ebenso fand man Videos, in welchen die Einnahme von Polei-Minze angepriesen wird. Während nicht alle auf TikTok verbreiteten Methoden lebensgefährlich sind, kann die Einnahme von Polei-Minze sehr wohl Schaden mit sich bringen.

TikTok verweist auf Löschungen

Beim Eintippen des Begriffs „Butscha“, lautete einer der ersten von TikTok vorgeschlagenen Suchtermini „Butscha nur gestellt“. Sechs der ersten zwanzig Ergebnisse beinhalteten fälschlicherweise, dass das Massaker an Zivilistinnen und Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha inszeniert sei. Und das, obwohl zahlreiche Berichte von Nachrichtenorganisationen und Menschenrechtsgruppen die Tötungen dokumentieren.

Erst letztes Jahr hat TikTok Google als beliebteste Website überholt. Strenge Richtlinien und vor allem deren Umsetzung sowie Kontrolle gewinnen damit an Bedeutung. Vonseiten des sozialen Netzwerks heißt es, die Richtlinien würden die Verbreitung von Desinformationen nicht zulassen, Videos dieser Art würden gelöscht. Man verweist dabei auf eine Zahl des ersten Quartals 2022, wonach etwa 100 Millionen Videos gelöscht wurden, weil sie gegen die Richtlinien der App verstoßen hätten. Allerdings wurde nur ein Prozent der Videos aufgrund fehlerhafter Informationen gelöscht, wie aus einem Report hervorgeht.

Besonders makaber erscheint unter diesen Umständen die im Sommer gestartete Kampagne der Plattform #TikTokTaughtMe, zu Deutsch „TikTok hat es mir beigebracht“. Das Motto der Kampagne: „Es gibt keine Grenzen für das Wissen, das auf TikTok entdeckt werden kann.“ Ob dieses auch der Wahrheit entspricht, sei offenbar dahingestellt.

(evdin)