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Ukraine-Krieg

Das Spiel mit der „falschen Flagge“

Verteidigungsminister Sergej Schoigu
Verteidigungsminister Sergej SchoiguIMAGO/ITAR-TASS
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Die Regierungen in Kiew und Moskau werfen einander gegenseitig vor, Angriffe mit einer „schmutzigen Bombe“ und auf einen Staudamm zu planen. Nur Propaganda – oder mehr?

Die Ukraine hat keine Atombomben. Es gab zwar eine Zeit, da hortete sie das drittgrößte Nuklearwaffen-Arsenal der Welt. Aber 1994 willigte Kiew ein, die sowjetischen Bestände an Moskau zu übergeben. Dass die Ukraine heute noch Atomwaffen besitzt, behauptet nicht einmal Russland. Moskau unterstellt der Regierung in Kiew aber, den Einsatz „schmutziger Bomben“ zu planen. Dabei handelt es sich um konventionelle Sprengsätze, denen radioaktives Material beigesetzt ist. Ihre Detonation löst keine nukleare Kettenreaktion aus. Aber lokale Gebiete würden verseucht. Es wäre ein Tabubruch. Verteidigungsminister Sergej Schoigu telefonierte Amtskollegen im Westen durch, um sie vor den angeblichen Plänen der Ukrainer zu warnen, die unter falscher Flagge ausgeführt werden sollten. In London, Washington und Paris glaubten sie Schoigu zwar kein Wort.

Trotzdem reagierten sie alarmiert. Erst vor wenigen Tagen hatte der Kreml behauptet, dass Kiew den Karacho-Staudamm in Cherson in die Luft jagen wolle, was eine Flutwelle zur Folge hätte, die Dutzende Orte und die Energieversorgung der Südukraine verheeren würde. Jetzt reicht Moskau die Vorwürfe mit der schmutzigen Bombe nach. Und das in einer Zeit, in der Russland militärisch unter Druck ist. Die Außenminister der Atommächte Großbritannien, Frankreich und der USA sahen sich nach Schoigus Telefondiplomatie zu einer Erklärung veranlasst. „Die Welt würde jeden Versuch durchschauen, diese Behauptung als Vorwand für eine Eskalation zu nutzen“, schrieben sie über die „absolut falschen“ Anschuldigungen Schoigus. Und der Präsident in Kiew, Wolodymyr Selenskij, spottete über das „Telefonkarussell“: „Wenn dich Russland anruft und sagt, dass die Ukrainer irgendetwas vorbereiten, bedeutet es nur: Russland hat all das schon vorbereitet.“