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Bildungspolitik

Polaschek plant Umstellung auf flexibleres Lehrplan-System

Martin Polaschek
Martin PolaschekIMAGO/SEPA.Media
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"In einer sich rasch und ständig verändernden Welt braucht es zukünftig dynamischere, flexiblere Prozesse", kündigt der Bildungsminister an.

Die Entwicklung der neuen Lehrpläne für Volks-, Mittelschulen und AHS-Unterstufen, die ab 2023/24 gelten sollen, hat fast fünf Jahre gebraucht. Bis sie flächendeckend ausgerollt sind, dauert es noch einmal so lang. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) will mehr Tempo in der Lehrplan-Weiterentwicklung. "In einer sich rasch und ständig verändernden Welt braucht es zukünftig dynamischere, flexiblere Prozesse", so Polaschek in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage.

Das Ziel müsse es sein, die Lehrpläne "flexibler anzupassen, um gesellschaftliche Entwicklungen rascher ins Bildungssystem zu bringen und verbindlich zu behandeln", heißt es in der Beantwortung der NEOS-Anfrage. Dafür wird unter anderem gemeinsam mit Expertinnen und Experten eine Umstellung auf Rahmenlehrpläne an den allgemeinbildenden Schulen (Volks-, Sonder-, Mittelschule, AHS) geprüft. "Vor allem durch die Gestaltung und ständige Entwicklung sowie Modernisierung von Rahmenlehrplänen ist es möglich, den permanenten Wandel und die kontinuierlichen Veränderungen in der Gesellschaft auch im schulisch-inhaltlichen Alltag abzubilden ohne die Lehrpläne zu kleinteilig auszuformulieren." Im berufsbildenden Bereich (BMHS, Berufsschule) habe man bereits positive Erfahrung mit dieser Art von Lehrplänen gemacht, die deutlich weniger Details vorgeben, hieß es aus dem Büro des Ministers.

25.700 Arbeitsstunden

Eine Umstellung auf ein flexibleres System ist laut Ministerium aber auch ohne Reform der Lehrplanstrukturen möglich. Lehrpläne werden in Österreich per Verordnung erlassen und können bereits jetzt jederzeit geändert werden. Statt im Rahmen eines großen Projekts alle paar Jahre umfangreich und dementsprechend langwierig die gesamten Lehrpläne zu ändern soll es künftig laufend Veränderungen und eine flexible Anpassungen in Teilbereichen geben, etwa bei Digitalisierung.

Bei der aktuellen Reform an Volks-, Mittelschulen und AHS-Unterstufen hat das Ministerium in einem umfangreichen Prozess gemeinsam mit Experten in geschätzten 25.700 Arbeitsstunden u.a. das allgemeine Bildungsziel, allgemeine didaktische Grundsätze, fächerübergreifende Kompetenzen und 47 Fachlehrpläne erarbeitet. Für externe Beratung, Studien, Fachveranstaltungen, Druck, Layout und Lektorat sind Kosten von rund 473.000 Euro angefallen.

Die neuen Lehrpläne für Volks-, Mittelschule und AHS-Unterstufe sollen laut Anfragebeantwortung "ehestmöglich" verordnet werden, für die AHS-Oberstufen sind für 2027/28 neue Lehrpläne angekündigt. Derzeit wird auch an der Weiterentwicklung der Lehrpläne an den BMHS gearbeitet.

Kritik an der Vorgangsweise am Ministerium kommt von den NEOS. Sie stören sich daran, dass acht Monate vor Inkrafttreten die Verordnung immer noch auf sich warten lässt. Das lasse befürchten, dass entweder die Umsetzung chaotisch wird oder die Lehrerinnen und Lehrer weiter wie bisher unterrichten, so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre in einer Stellungnahme. Wenn die Lehrpläne im September Wirkung zeigen sollen, müsste dafür eigentlich längst eine systematische Fortbildung der Lehrkräfte laufen. Es liege aber noch nicht einmal die finale Fassung vor, nach der sich Schulbuchverlage und Pädagogische Hochschulen richten sollen. "Dieses schwerfällige System braucht dringend Erneuerung, damit die Schülerinnen und Schüler zeitgemäße Bildung erfahren."

(APA)