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Vorarlberg: Dreijähriger Bub zu Tode geprügelt

Vorarlberg: Dreijähriger Bub zu Tode geprügelt
Vorarlberg: Dreijähriger Bub zu Tode geprügeltSymbolbild Rettung (c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Lebensgefährte der Mutter, Milosav M., gilt als tatverdächtig und ist flüchtig. Er soll das Kleinkind heftig geschlagen und dadurch getötet haben. Der arbeitslose Serbe war mehrfach gewalttätig aufgefallen.

Wien. Bekannte der jungen Familie aus dem Bregenzer Stadtteil Vorkloster hatten schon länger geahnt, dass beim neuen Freund der Mutter die Hand manchmal locker saß. Vergangenes Wochenende wurden die vagen Vermutungen harte Realität: Der Lebensgefährte der zweifachen Mutter schlug den jüngeren der beiden Söhne derart, dass dieser am frühen Samstagabend in den Armen eines eilig herbeigerufenen Sanitäters starb.

Polizei und Staatsanwaltschaft sind sich sicher: Dringend tatverdächtig ist der 25-jährige Serbe Milosav M. Er befindet sich auf der Flucht und ist europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Für die Ermittler sind die Indizien so dicht, dass sein Foto an die Öffentlichkeit gegeben wurde.

Jugendamt wusste von nichts

Es ist Samstagabend, 19.20 Uhr, als plötzlich ein Notruf in der Landesleitzentrale der Vorarlberger Rettung eingeht. Am Telefon ist ein junger Mann – wie sich später herausstellt, handelt es sich um den mutmaßlichen Täter. Er spricht davon, dass ein Kind leblos auf dem Boden liege.  Als Grund nannte er laut "Vorarlberger Nachrichten" einen Treppensturz des Kleinen. Die Einsatzkräfte rücken aus, am Tatort entdecken sie einen auf dem Boden liegenden Dreijährigen. Sofort beginnen die Rettungssanitäter mit der Arbeit. Es ist zu spät, das Kind ist tot. Währenddessen flüchtet der Täter aus dem Nebenzimmer. Die Polizei trifft erst wenige Augenblicke später ein.

„Der Täter hat sein Opfer massiv geschlagen – und das nicht nur einmal“, sagt Chefermittler Norbert Schwendinger vom Landeskriminalamt Vorarlberg zur „Presse“. Darauf würden mehrere alte Verletzungen hinweisen. Auch der sechsjährige Bruder des Opfers, der während des tödlichen Gewaltexzesses ebenfalls in der Wohnung war, soll schon mehrfach schwer misshandelt worden sein. „Warum er dieses Mal verschont blieb, wissen wir nicht.“

Die Mutter der beiden Buben war zum Tatzeitpunkt außer Haus. Sie arbeitet im Gastgewerbe. Ihr Lebensgefährte, mit dem sie seit etwa einem halben Jahr zusammenlebt, sollte an diesem Abend auf die Kinder schauen.

Der als arbeitslos gemeldete Milosav M. ist bei der Polizei kein Unbekannter. Den Behörden sind mehrere Anzeigen wegen verschiedener, zum Teil schwerwiegender Gewaltdelikte bekannt. Übergriffe gegen Kinder waren bisher jedoch nicht dabei. Sowohl der Exekutive als auch dem zuständigen Jugendamt sei diesbezüglich nichts bekannt, hieß es am Sonntagabend.

Ob die Mutter die Gewalt gegen ihre Kinder tolerierte oder möglicherweise selbst Opfer des Tatverdächtigen war, darüber herrscht noch Unklarheit. Die Ermittler wollten diesbezüglich jedoch nichts ausschließen. Laut Vorarlbergs Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch könne es mehrere Gründe geben, warum sich eine Mutter in einem solchen Fall nicht gleich an die Behörden wendet. Demnach hätten Frauen häufig Angst vor ihren Partnern.

Am Wochenende wurden Mutter und Sohn von einem Kriseninterventionsteam medizinisch und psychologisch betreut.

Milosav M. ist seit Samstagabend auf der Flucht. Er wird in ganz Europa per Haftbefehl gesucht. Sein Foto ist zur Fahndung ausgeschrieben. Zuletzt gab es Hinweise, dass sich der 25-Jährige in der benachbarten Schweiz aufhalten könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2011)