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Kaczynski-Absturz: Angetrunkener General schuld?

RUSSIA POLAND PLANE CRASH
(c) EPA (Sergei Chirikov)
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"Unzureichende Vorbereitungen" der Piloten, ein Luftwaffenchef im Cockpit und die Angst vor einem "wütenden" Präsidenten: Eine russische Kommission will die Gründe für das Drama von Smolensk geklärt haben.

Neun Monate lang wurde über die Absturzursache spekuliert, nun soll ein russischer Untersuchungsbericht Licht ins Dunkel bringen. Die Verfasser erheben in dem Papier schwere Vorwürfe gegen die Piloten - und den zum Tatzeitpunkt angetrunkenen Luftwaffenchef General Andrzej Blasik. Auch die Anwesenheit von Präsident Lech Kaczynski spielte laut Russland eine Rolle.

Was spielte sich in den Minuten vor dem Todesdrama an Bord der Präsidentenmaschine ab? Wer ist schuld am Absturz der TU-154 M, der den polnischen Präsidenten und 95 weitere Passagiere das Leben kostete? Ein 20.000 Seiten starker Untersuchungsbericht soll diese Fragen klären. Am Mittwoch wurde das Konvolut des Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomittees (MAK) an Polen übergeben.

Für die Untersuchungsbehörde steht demnach fest, dass die Piloten "unzureichend vorbereitet" waren. "Die Gründe des Unfalls der Maschine TU-154M der Republik Polen sind auf deutliche Mängel bei der Organisation des Fluges und bei der Vorbereitung der Crewmitglieder zurückzuführen", sagte die russische MAK-Vorsitzende Tatjana Anodina am Mittwoch wörtlich in Moskau.

"Zur Landung gezwungen"

Zudem sei die Crew durch die Präsenz von Luftwaffenchef Andrzej Blasik und dem Protokollchef von Präsident Lech Kaczynski im Cockpit unter "psychologischem Druck" gestanden. General Brlasik habe die Piloten mit 0,6 Promille im Blut zur Landung gezwungen.

Die Piloten hätten sich auch vor der "zu erwartende negative Reaktion des Hauptpassagiers" Kaczynski gefürchtet. Aus einer Aufnahme des Flugschreibers gehe hervor, dass ein Pilot befürchtete, der Präsident würde "wütend" werden, wenn sie nicht wie geplant in Smolensk landen würden. Deshalb habe die Crew die Warnungen über "inadäquate Wetterbedingungen" am Zielort nicht beachtet. Diese Angaben stammten laut Anodina von den weißrussischen Fluglotsen, dem Flughafen in Smolensk selbst und einer kurz davor gelandeten polnischen Jak-40-(Jakowlew)-Maschine.

"Eine Landeerlaubnis für die Piloten des Flugzeugs hat es nicht gegeben", stellte Anodina klar, das Angebot eines Alternativ-Flughafens für die Landung sollen die Piloten aber ausgeschlagen haben.

Das Flugzeug-Unglück

Die Präsidentenmaschine mit Kaczynski und 95 weiteren ranghohen Passagieren war am 10. April 2010 abgestürzt. Niemand überlebte. Die Delegation, darunter Kaczynskis Frau, war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier im westrussischen Katyn, dem Ort eines sowjetischen Massakers an tausenden Polen im Frühjahr 1940.

(Ag./Red.)