Karl-Heinz Grassers Immobilienblase

KarlHeinz Grassers Immobilienblase
(c) APA/HDS (HDS)

Die Immobilienfirma GPS, vor eineinhalb Jahren gegründet, sollte Karl-Heinz Grassers „wesentliches Standbein“ werden. Die Geschäfte mit der Firma laufen eher zäh.

Die guten, alten Zeiten: Ob Karl-Heinz Grasser wehmütig an sie zurückdenkt? Nachdem er der Politik Anfang 2007 den Rücken gekehrt hatte, war die mediale Berichterstattung halt schon deutlich schmeichelhafter als heutzutage. Da musste sich der Ex-Finanzminister jedenfalls nicht über veröffentlichte Geheimdokumente oder Abhörprotokolle giften. Nein, die Medien befassten sich damals vor allem mit einer Frage: Was in aller Welt wird KHG beruflich machen?

Ein wirklich dankbares Thema, weil auch gar so abwechslungsreich: Zuerst gab sich Grasser supergeheimnisvoll – er sondiere zahlreiche Angebote aus der internationalen Hochfinanz, erzählte er monatelang. Daraus wurde dann leider doch nichts, dafür gründete er mit seinen Freunden Walter Meischberger und Peter Hochegger die „Valora Solutions Projektbegleitung GmbH“. Zwar weniger glamourös, aber bitte. Immerhin wollten die drei internationale Kontakte für Mergers und Acquisitions herstellen. Dann gab es das Intermezzo bei Grasser-Freund Julius Meinl, in der Managementgesellschaft der Meinl International Power (MIP). Zwischendurch gründete er die „SMW OG“ mit seinem Nennonkel Burckhard Graf.Wer es noch nicht weiß: Das ist jene Firma, die mittlerweile Grassers schmucke Wörthersee-Villa vermieten soll. Eine Firma ohne Telefonanschluss allerdings.

Schwamm drüber. Den unternehmerisch wirklich großen Coup landete Grasser ohnehin mit einer anderen Firma: Im Sommer 2009 stieg er mit viel Pomp und Trara ins Immobiliengeschäft ein. „KHG ist nach wie vor eine Marke“, tönte er damals. Gemeinsam mit Immobilien-Zampano Ernst Karl Plech und dem öffentlich weniger bekannten, aber nicht minder begabten Immobilienmanager Jürgen Schnabl gründete Grasser die GPS Immobilien GmbH – „G“ für Grasser, „P“ für Plech, „S“ für Schnabl.

Da war die Journalistenmeute dann zunächst vielleicht doch ein bisserl enttäuscht, doch dagegen hat Grasser gleich etwas unternommen: „Das wird keine kleine Maklerei“, beschwichtigte er sogleich. „Wir haben ehrgeizige Ziele. Ich führe derzeit Gespräche mit zwei großen Fonds in Deutschland, die hier investieren wollen.“ Das entsprach auch ganz dem Unternehmenskonzept: Grasser sollte seine hervorragenden Kontakte zur „Hochfinanz“ ins Spiel bringen, Plech jene zur Immobilienbranche und Schnabl sollte für das operative Geschäft verantwortlich zeichnen.

Und wer angesichts der zahlreichen Firmengründungen Grassers den Überblick ein wenig verloren hatte, bekam von KHG gleich auch ein wenig Orientierungshilfe: Die Immo-Firma sei als „wesentliches Standbein“ seiner beruflichen Aktivitäten zu sehen.

Und heute? Nicht, dass wir uns um das finanzielle Auskommen des ehemaligen Finanzministers Sorgen machen müssten. Aber das Standbein ist ziemlich fragil.

Das Timing war halt alles andere als glücklich. Ende Juni 2009 wurde die GPS gegründet, wenige Monate später platzte die Buwog-Bombe. Und mittlerweile werden Grasser und Plech von der Justiz als Beschuldigte geführt. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, aber geschäftsfördernd ist so etwas auch nicht gerade.

Die Frage ist halt, ob dies der ausschließliche Grund für die GPS-Flaute ist. In der Generali-Versicherung kursiert heute noch die Anekdote, wonach Grasser kurz nach der Firmengründung mit dem deutschen Immobilienprofi Ralph Winter unangemeldet in der Versicherungszentrale aufgekreuzt sei und dort kundgetan habe, dass er sich für Immobilien interessiere. Wenn's wahr ist, dann hat es jedenfalls herzlich wenig gebracht: In der Immobilienbranche, in der üblicherweise jeder weiß, was der andere gerade so treibt, löst die Frage nach den Aktivitäten der GPS reflexartiges Achselzucken aus. Projekte? „Ich kenne keine“, heißt es unisono.

Inaktivität ist jedenfalls nicht das Problem: Ein Immobilienmanager weiß, dass sich die GPS im vergangenen Jahr für ein Objekt auf der Wiener Mariahilfer Straße interessiert hatte. Ein anderer erzählt, dass GPS erst vor wenigen Wochen bei einer Innenstadt-Immobilie um rund zehn Millionen Euro mitgeboten habe. In beiden Fällen gab es keinen Zuschlag.

Eine Kontaktaufnahme mit Grasser und Plech via deren Anwälte war der „Presse“ leider nicht möglich. Erreichbar war hingegen Jürgen Schnabl. Doch der will über den Geschäftsverlauf der Firma keine Auskunft geben.

Was soll er auch groß sagen? Die Firma hat in eineinhalb Jahren gerade einmal ein Projekt auf die Beine gestellt. Es handelt sich um eine Wohnhausanlage im sechsten Bezirk, Gürtelnähe: Hornbostelgasse 16–18.

Dieses Projekt ist auch der Grund dafür, dass die GPS für das erste Jahr ihres Bestehens ein negatives Eigenkapital in Höhe von 26.412 Euro aufweist. Es liege aber keine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes vor, heißt es im Jahresabschluss, „weil eine positive Fortbestehensprognose erstellt wurde“.

Es heißt also: durchtauchen. Im Jahre 2012 soll das Projekt Hornbostelgasse fertig sein. Dann gibt's sicherlich wieder positivere Schlagzeilen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)