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Dissertation: Hahn "sehr gelassen", aber: "Nobody is perfect"

Dissertation Hahn sehr gelassen
EPA/OLIVIER HOSLET
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"Presse"-Interview: Der EU-Kommissar erwartet, dass das Zweitgutachten zu seiner Arbeit ebenfalls keinen Plagiatsvorwurf bringt.

Die Presse: Ihre Dissertation steht erneut auf dem Prüfstand. Sind Sie nervös?

Johannes Hahn: Ich stehe dem sehr gelassen gegenüber. Da wird das Gleiche herauskommen wie beim Gutachten 2007. Die Arbeit hat sich seither ja nicht geändert.

Sie sehen also auch rückblickend keine Schwächen in Ihrer Arbeit oder etwas, von dem Sie sagen: „Das hätte ich besser machen können“?

Erst einmal: Nobody is perfect. Ich habe die Arbeit vor einem Vierteljahrhundert geschrieben, und in diesem Kontext ist meine Arbeit auch zu bewerten. Und ich gebe zu, wenn ich damals gewusst hätte, dass wir uns 2011 über das richtige Setzen von Anführungszeichen so intensiv auseinandersetzen, hätte ich das umfassend antizipiert und nicht nur die über 440 Quellen angegeben. Ich kann nur jeden Studenten aufmerksam machen, sich genau zu überlegen, wie das in 25 Jahren sein wird.

Macht das die Arbeit weniger angreifbar?

Nein. Aber ich werde im Atemzug mit anderen genannt. Wir diskutieren eine Arbeit, die im Vor-Internet-Zeitalter entstanden ist.

Sie betonen also, dass Sie anders als Guttenberg nicht aus dem Internet zitieren hätten können?

Ich hatte auch nicht die Absicht. Ich versuche das nur in den Zeitkontext zu stellen: Manchmal entsteht der Eindruck, ich hätte die Arbeit gestern geschrieben, ich habe sie aber als normaler Student, nicht als Minister und nicht als Kommissar geschrieben.

Ein ungerechtfertigter Hype nach Guttenberg?

Ja. Und wenn das der Preis ist, den man zahlen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht, verstehe ich all jene, die sagen: Unter diesen Aspekten . . .

. . . geht man lieber nicht in die Politik?

Genau.

Glauben Sie, dass Politikerkollegen Sie zu Fall bringen wollen?

Es gibt offenbar genügend Neider.

Sie haben das frühere Gutachten zu Ihrer Arbeit von der Uni Zürich erwähnt. Dem Gutachter unterstellen Kritiker ja eine besondere ÖVP- und Wien-Nähe. Würden Sie die abstreiten?

Ich kenne den Herrn bis heute nicht, habe das Gutachten auch nicht in Auftrag gegeben. Das war die Uni Wien beziehungsweise ihr Rektor. Das war, wie ich meine, sehr klug, es außerhalb Österreichs, wo es keinen Kontext gibt, in Auftrag zu geben.

Allerdings hat es auch geheißen, die Uni Wien habe einen Gutachter gesucht, der die Sache positiv durchwinkt. Immerhin ging es um Sie als den damaligen Wissenschaftsminister, der auch das Geld an die Unis verteilt hat.

Man kann alles finden. Ich sage auch nicht, dass Stefan Weber (der Hahns Arbeit nun erneut untersucht, Anm.), der vom Grünen Pilz bezahlt wird, kein ordentliches Gutachten liefern wird.

Ministerin Karl stellt jetzt strengere Regeln gegen Plagiate zur Diskussion. Befürworten Sie das?

Ja. Das ist eine Diskussion über zukünftige Qualitätsstandards, die in keinem Zusammenhang steht mit den Standards, die vor 25 Jahren gegolten haben.

Das heißt, man sollte Ihren Fall ruhen lassen?

Irgendwann muss Schluss sein.

Sollte dennoch ein zweiter, dritter, vierter Gutachter zu dem Schluss kommen, es sei Plagiat: Würden Sie dann einen Rücktritt erwägen?

Wir haben in Österreich klare Regeln. Es ist klar, dass die Universität Wien in dem Fall die entscheidende Instanz ist. Das Ergebnis der Universität ist von allen zu respektieren.

Und käme die Uni Wien zu dem Ergebnis, dass es Plagiat ist: Würden Sie dann zurücktreten?

Ich bin nicht der Hättiwari. Noch einmal: Ich gehe davon aus, dass das neue Gutachten zum selben Ergebnis kommt wie das alte. Warum soll ich mich mit Hypothesen herumschlagen?

("Die Presse" Printausgabe vom 8.3.2011)