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Zinserhöhung durch EZB steht bevor

(c) AP (MICHAEL PROBST)
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Sobald die Finanzierung für Griechenland gesichert ist, werden die Zinsen auf zwei, nächstes Jahr auf drei Prozent erhöht werden. Mit konkreten Aussagen hält sich die Notenbank aber bedeckt.

Berlin/Wien/Apa/Red. Dass die im April erfolgte Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 Prozent nicht die letzte in diesem Jahr war, ist kein Geheimnis. Die meisten Experten rechnen mit zwei oder drei weiteren Zinsschritten noch in diesem Jahr, sodass der Leitzinssatz zum Jahresende bei 1,75 bis zwei Prozent liegen sollte.

Mit konkreten Aussagen hält sich die Notenbank zwar bedeckt, es häufen sich jedoch die Aussagen einzelner Mitglieder, die darauf hindeuten, dass der nächste Zinsschritt unmittelbar bevorsteht, sobald die Finanzierung für Griechenland gesichert ist.

Diesmal war es EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der am Wochenende mit dem Satz aufhorchen ließ: „Wir schauen sehr genau auf die aktuelle Entwicklung der Preise und der Risiken für die Preisstabilität.“ Und weiter: „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um unser Mandat zu erfüllen.“ Mit höheren Zinsen will die Zentralbank den Preisauftrieb bekämpfen. Im April betrug die Inflationsrate in der Eurozone im Jahresvergleich 2,8 Prozent, das liegt deutlich über dem von der EZB angepeilten Wert von zwei Prozent. Das Problem: Während Länder wie Deutschland, Österreich oder Frankreich höhere Zinsen gut vertragen würden, könnte sich die Situation für schuldengeplagte Länder wie Griechenland, Irland oder Portugal verschlimmern.

 

Warnung vor Lohn-Preis-Spirale

Stark meinte jedoch, die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in den Mitgliedstaaten sei kein Hemmnis. „Wir haben es mit einer höheren Inflationsrate zu tun. Und wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn die Inflationsrate in die Lohnabschlüsse einfließen sollte.“ Denn höhere Löhne führen häufig zu noch höheren Preisen (weil die Unternehmen die gestiegenen Lohnkosten an ihre Kunden weitergeben).

Was die EZB momentan zögern lässt, ist die unklare Situation in Griechenland. Höhere Zinsen würden bedeuten, dass das an der Zahlungsunfähigkeit schrammende Land noch größere Schwierigkeiten hätte, eine Finanzierung zu bekommen. Sobald diese Frage geklärt ist, dürfte der Weg für weitere Zinsanhebungen frei sein. Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter ging kürzlich im Interview mit der „Presse“ davon aus, dass der Leitzinssatz zum Jahresende bei zwei und Ende des nächsten Jahres bei 2,5 bis drei Prozent liegen dürfte.

Der Drei-Monats-Euribor, an dem sich die meisten Kredite orientieren (in der Regel zahlt man einen fixen Aufschlag auf den Euribor), liegt normalerweise knapp darüber. Auf mehr als 3,7 bis vier Prozent sollte er aber nicht steigen, meint Hofstätter. Dann werde der Konjunkturzyklus wieder drehen.

Stark wehrte sich indes gegen den Vorwurf, die EZB sei zu einer Art „Bad Bank“ geworden, weil sie viele riskante Wertpapiere in ihre Bilanz aufgenommen habe. Man sei lediglich beherrschbare Risiken eingegangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2011)