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Massenleiden Cellulite: Hilft etwas?

(c) AP (JEROME DELAY)
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Die allermeisten Frauen sind von Cellulite betroffen. Bewegung und ausgewogene Ernährung sind die wichtigsten „Kampfmittel“ dagegen. Es gibt auch einige Neuheiten zu berichten.

Kein Trost für alle Frauen, die darunter leiden, aber Tatsache: Je nach Studie haben zwischen 80 und 98 Prozent der weiblichen Bevölkerung ab 20 Jahren in westlichen Ländern ebenfalls Cellulite, und zwar unabhängig vom Körpergewicht. Es trifft also auch die Schlanken.

Vorweg einige grundlegende Bemerkungen dazu: Es heißt nicht Cellulitis, denn -itis bedeutet im Medizinischen immer Entzündung, und das ist die Orangenhaut nun einmal nicht. Sie ist eine unliebsame Melange aus Bindegewebsschwäche, Fettzellen, Flüssigkeitsansammlung, dem spezifischen Aufbau der weiblichen Haut und deren Reaktion auf Östrogene. „Freilich kann die Lebensführung, etwa Übergewicht, Rauchen, Bewegungsmangel, die Entstehung von Cellulite fördern“, erwähnt Univ.-Prof. Daisy Kopera von der Grazer Universitätsklinik für Dermatologie.

Frauen geben Milliarden aus

Orangenhaut ist also weder krankhaft noch schmerzhaft, was Frauen so „schmerzt“, ist der noppige Schönheitsmakel. Männer stört der aber angeblich weniger. Apropos Männer: Die bekommen Cellulite aufgrund einer anderen Unterhautstruktur nur in Ausnahmefällen. Beispielsweise, wenn sie krank sind, vor allem schwere Leberschäden verursachen männliche Cellulite. Bei Frauen ist sie jedoch, wie erwähnt, ein Massenphänomen.

Und Massen lassen die Kassen klingeln. Zahlreiche Anbieter drängeln sich daher auf dem Markt der Cellulite-Bekämpfung und versprechen Abhilfe durch Cremes und Gele, Massagegeräte und Anti-Cellulite-Schuhe, Lipolyse und Fettabsaugung, Hormone und Wickel, Softlaser und Lichttherapie. Und kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht neue Produkte gegen den Matratzeneffekt entwickelt werden. Bislang ohne wirklich durchschlagenden Erfolg. Dennoch geben Frauen Schätzungen zufolge weltweit Jahr für Jahr rund sechs Milliarden US-Dollar im Kampf gegen die ungeliebten Dellen aus.

Neuer Wirkkomplex Quadrollol

Nun hat der deutsche Arzt Univ.-Prof. Heinrich Wieland von der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg mit seinem Team nach mehrjähriger Forschung eine neue Creme entwickelt, die auch den Wirkkomplex Quadrollol sowie Phytosterole enthält, die nach Wielands Aussagen gut durch die Haut resorbiert werden, bis in die gewünschte Hautschicht vordringen, die Kollagensynthese fördern und so die Basalmembran stärken. „Dadurch“, behauptet Wieland, „wird die Haut geglättet und gefestigt.“

Die Dermatologin Gerrit Schlippe vom Dermatest-Prüfinstitut in Münster hat Cellea getestet. Ihr Kommentar: „Nach zwölf Wochen hat sich die Hautelastizität um fast 20 Prozent verbessert, die vordringenden Fettgewebsläppchen haben sich um mehr als 37 Prozent verringert.“ 55 Prozent der Frauen beurteilten die Cellulite-Reduktion als gut bis sehr gut.

Nicht allzu viel vom Schmieren hält die Allgemeinmedizinerin und Akupunkturexpertin Dr. Karin Grün. „Ohne richtige Bewegung und Ernährung hilft kaum etwas“, sagt die Ärztin, die auch Shaolin-Qigong-Trainerin ist und im burgenländischen Hotel Larimar in Stegersbach immer wieder Gäste betreut. Effektive Bewegung sei jene, die jeden Muskel erfasst, und da gehört Qigong dazu.

Empfehlenswerte Anti-Cellulite-Sportarten, die Muskeln in den Problemzonen aufbauen, sind auch Radfahren, Nordic Walken, Pilates, Schwimmen, Wandern, Schnurspringen. „Man sollte das wenn möglich täglich machen“, empfiehlt Grün und rät, Auszugsmehle und weißen Zucker aus der Ernährung zu entfernen sowie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Kernspin-Impulse gegen Dellen

Heiß-/Kalt-Duschen, Handschuhmassagen und Lymphdrainagen sind auch Mosaiksteinchen im Kampf gegen die Orangenhaut. Wer allerdings Krampfadern oder Besenreiser hat, sollte bei durchblutungsfördernden Maßnahmen und Mittelchen Vorsicht walten lassen – eine Erweiterung der Blutgefäße könnte sich in solchen Fällen nachteilig auswirken.

„Aus meiner Sicht ist eine oberflächliche, milde Fettabsaugung die wirksamste und auch dauerhafteste Methode der Cellulite-Bekämpfung“, ist die Dermatologin Sibylle Wichlas von Woman & Health in Wien überzeugt. Helfen würde bis zu einem gewissen Grad auch die Lipomassage, eine computergestützte Bindegewebsmassage (es wird ein Vakuum erzeugt und das Gewebe in der Tiefe mit einem speziellen Gerät massiert). „Eine Behandlung kostet 80 Euro, für einen länger anhaltenden Effekt braucht man aber mehrere Behandlungen.“

Mit Kernspin-Impulsen, die in tiefste Hautregionen vordringen, will die MBST-SpinRepair Methode zum Feind von Orangenhaut und Gesichtsfalten werden. Zellversuche an der Fachhochschule Aachen-Jülich ergaben etwa, dass unter Einfluss der spezifischen Kernspin-Technologie die Kollagenproduktion angeregt wird. Die Kernspin-Impulse wirken auf atomarer und molekularer Ebene in den Zellen und können so regenerative und reparative Prozesse über den Stoffwechsel anregen, fand man im Ludwig-Boltzmann-Institut für Rehabilitation interner Erkrankungen in Saalfelden heraus.

„MBST-SpinRepair wirkt, es ernährt und stimuliert die Zellen. Auf diese Weise werden Zellen erneuert, und die Bindegewebsschwäche wird gebessert“, weiß Mag. Margit Fröhlich von Spa and Health Vienna. Mit SpinRepair habe sie nicht nur gute Erfolge bei der Behandlung von Cellulite, sondern auch bei Faltenbehandlung im Gesicht und Dekolleté erzielt.

Eine Cellulite-Studie zu SpinRepair läuft gerade in Leverkusen, die der Chemiker Eckart Voss leitet. „Ausgewertet wurden bislang erst die Ergebnisse von vier Probandinnen, aber die sind erstaunlich gut“, erwähnt Voss, der bereits eine Faltenstudie durchgeführt hat. „Sie ist fertig, 35 Testpersonen haben teilgenommen und insgesamt zehn Behandlungen erhalten. Danach pflegten sie ihr Gesicht über zwölf Wochen noch mit einer eigens dafür entwickelten Creme. Im Schnitt gab es im Gesicht eine Faltenreduktion von 25 Prozent.“

Überdruck und Vibrationen

Einer Studie des medizinischen PräventionsCentrums Hamburg an 20 übergewichtigen Frauen zufolge soll auch Hypoxi-Training (Training mit einem Hypoxi-Gerät mit wechselndem Über- und Unterdruck in den Zielregionen wie Hüftbereich und Oberschenkel) zu stärkeren Umfangverlusten führen als konventionelles Ausdauertraining. Die deutsche Fachklinik für Hautkrankheiten in Bad Mergentheim liefert zudem eine Studie mit 55 Frauen zur vibrierenden Power-Plate – wer regelmäßig damit trainiert, kann Cellulite ebenfalls effektiv reduzieren, heißt es.

Groß war die Probandenzahl jedenfalls in keiner der Studien. Es wird also wohl jede Frau für sich herausfinden müssen, was ihr hilft und was nicht. Nicht herumkommen wird Frau jedoch um regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.cellea.at

www.larimarhotel.at

www.womanandhealth.at

www.spa-vienna.at

www.spinrepair.de

www.hypoxi.com

www.powerplate.at

Auf einen Blick

80 bis 98 Prozent aller Frauen über 20 leiden in der westlichen Welt unter Cellulite.

Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen gehören Bewegungund ausgewogene Ernährung.

Zusätzlich gibt es einige Neuigkeiten im Kampf gegen Cellulite – vom Wirkstoff Quadrollol bis zu Kernspin-Impulsen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2011)