Verdächtige Moschee: "Kein Platz für Radikale"

(c) Teresa Zötl

Der Betreiber der Moschee, in der vier Terrorverdächtige verkehrt haben sollen, will mit Extremismus nichts zu tun haben. Inzwischen wurden drei Verdächtige auf freien Fuß gesetzt - Ermittlungen gehen weiter.

Wien. „Diese Leute kamen sporadisch zu uns“, sagt Muhammad Ismail Suk. Wirklich gekannt habe er sie aber nicht, jene vier Personen, die am Mittwochnachmittag wegen Terrorverdachts von den Behörden aufgegriffen wurden. Der Betreiber der Baitul-Muhtadin-Moschee in Wien Favoriten zeigt sich überrascht, dass seine Moschee plötzlich als vermeintlicher Unterschlupf für radikale Muslime zu Medienehren kam.

„Ich bin schockiert“, sagt der Mann mit dem markanten Bart. Seit zehn Jahren betreibt Suk in der Gudrunstraße in Wien Favoriten einen Kindergarten für rund 300Kinder. Daran angeschlossen findet sich auch ein Gebetsraum. Am Freitagnachmittag finden hier an die hundert Muslime Platz beim Gebet. Gepredigt werde auf Deutsch, auch im Kindergarten werde Deutsch gesprochen.

 

„Als Ungläubiger beschimpft“

Dass sich Extremisten in diesem Umfeld wohl fühlen konnten, kann sich Suk nicht erklären. „Wir haben eine Linie. Und wer sich davon nicht angesprochen fühlt, der soll gehen. Dazu stehe ich.“ Schon einige Male habe er Besucher aus der Moschee geworfen. Er sei sogar von einigen als Ungläubiger beschimpft worden, „weil ich auch mit Nichtmuslimen kooperiere“.

Tatsächlich wurde Suks Kindergarten schon öfter als vorbildhaft beschrieben. Trat er in den Medien auf, dann als moderater Muslim, der mit Terrorismus nichts am Hut hat. Der allerdings eine nicht gerade typische Biografie aufweist. 1949 in Wien in einer katholischen Familie geboren, arbeitete er in der Gastronomie, betrieb ein Restaurant und eine Disco. Anfang der Neunzigerjahre suchte er schließlich nach einem Neubeginn – und fand ihn ihm Islam. Im Rahmen seiner Suche lebte er von 1996 bis 1999 mit seiner Familie auch selbst in Pakistan, nahm in Lahore bei einem Bekannten Islamunterricht.

Wieder zurück in Österreich, richtete er schließlich einen Kindergarten ein. „Der ist muslimisch ausgerichtet“, sagt er. „Aber das hat mit Abschottung oder Parallelgesellschaft nichts zu tun.“ Es gehe darum, den Kindern der muslimischen Zuwanderer die österreichische Kultur nahezubringen – parallel zur islamischen. „Die Kinder haben ein enormes Defizit. Sie können sich hier ja nicht benehmen wie im hintersten Anatolien.“

 

Umstrittene Aussagen

Unumstritten ist Suk dennoch nicht. So wurden Aussagen kolportiert, in denen er vor Schülern bestritt, dass die Anschläge vom 11.September 2001 von Muslimen durchgeführt wurden. Ein Missverständnis, wie er meint. „Praktizierende Muslime, wie ich sie sehe, lehnen Gewalt ab.“ Daher spreche er den Attentätern ab, dass sie echte Muslime seien.

Auch, dass der umstrittene salafistische Prediger Pierre Vogel beste Kontakte zu ihm pflege, wie zuletzt zu lesen war, bestreitet er. „Vogel ist zu hart. Aber Religion kann nie hart sein, denn sie kommt von Gott.“ Der deutsche Prediger war vor ein paar Jahren zu einem Vortrag in Wien und wollte danach den Kindergarten besuchen. „Da habe ich ihn natürlich herumgeführt“, meint er, „so wie jeden anderen Gast auch.“ Würden die Terrorverdächtigen allerdings wieder auftauchen, „dürften sie hier nicht einmal mehr einen Fuß reinsetzen“, sagt Suk. Diese Leute hätten ihm nur Schwierigkeiten bereitet.

 

Drei Verdächtige auf freiem Fuß

Einer der Tatverdächtigen sitzt in Untersuchungshaft, drei der vier Tatverdächtigen sind mittlerweile allerdings wieder auf freiem Fuß. „Es wird ermittelt in Richtung Ausbildung für terroristische Zwecke“, sagt Thomas Vecsey, Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft. Es liege ein Tatverdacht vor, aber: „Es gibt keinen dringenden Tatverdacht, und daher auch keinen Antrag auf U-Haft.“ Unklar ist vor allem, wie das erst im Herbst 2010 beschlossene Gesetz, das den Besuch von Terrorcamps unter Strafe stellt, in diesem Fall angewendet werden soll. Knackpunkt ist, ob das versuchte Besteigen eines Flugzeugs nach Pakistan schon den Tatbestand erfüllt. „Ob es für eine Anklageerhebung reicht“, so Vecsey, „das wissen wir noch nicht.“

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner will die Gelegenheit gleich nützen, um neue Maßnahmen gegen den Terrorismus zu initiieren. So will sie etwa schon das Gutheißen von und die Aufforderung zum Terrorismus unter Strafe stellen (siehe Interview unten). Und gleichzeitig die Islamische Glaubensgemeinschaft stärker in die Pflicht nehmen. Die Muslim-Vertreter wiederum meinen, dass sie ohnehin alles gegen Extremismus tun, was in ihrer Macht steht. „Wenn wir etwas wissen“, sagt der Integrationsbeauftragte Omar Al-Rawi, „würden wir keine Sekunde zögern, das selbst zu melden.“

Auf einen Blick

Terrorverdacht: Am Mittwoch wurden drei Personen am Flughafen Schwechat angehalten, die im Verdacht stehen, ein Terrorcamp in Pakistan besuchen zu wollen – sie sind mittlerweile auf freiem Fuß. Gleichzeitig wurde ein Mann festgenommen, der die Reise mit-organisiert haben soll. In einer Wiener Moschee sollen die vier verkehrt haben. Deren Betreiber will davon nichts gewusst haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2011)