Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sanac: „Muslime haben die Märtyrer nicht erfunden“

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
  • Drucken

Fuat Sanac, neuer Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, will muslimische Vereine mehr ins kommunale Geschehen einbinden. Dafür will er sich bei der Kommentierung von Politik künftig zurückhalten.

Wien/Eko. „Es gibt überall Märtyrerstatuen“, sagt Fuat Sanac. „Muslime haben die Märtyrer nicht erfunden.“ Es ist die zuletzt wieder aufgeflammte Diskussion um ein islamisches Religionsbuch, die die Antrittspressekonferenz des neuen Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ein wenig überschattet. Vor allem deswegen, weil Nebi Uysal, der Autor des betreffenden Buchs „Islam in meinem Leben“, vergangenen Sonntag zu Sanacs Stellvertreter gewählt wurde.

Abgesehen von der aktuellen Diskussion, die Sanac für „dramatisiert“ hält, geht es bei der Veranstaltung am Donnerstagvormittag vor allem um die Pläne des neuen Präsidenten, die IGGiÖ zu modernisieren. Kernpunkt dabei soll eine Professionalisierung sein – statt ehrenamtlicher Mitarbeiter soll verstärkt fachlich ausgebildetes Personal eingesetzt werden. Auch bei der Infrastruktur soll künftig vermehrt investiert werden, etwa in einen neuen Standort für die IGGiÖ. Die Mittel dazu habe man bisher nicht gehabt, erst durch die Kultusumlage, die alle wahlberechtigten Mitglieder im Rahmen der jüngsten Wahl entrichten mussten, sei der finanzielle Spielraum nun vorhanden.

 

„Keine Verschwörungstheorien“

Inhaltlich will sich Sanac in der auf vier Jahre anberaumten Legislaturperiode für eine bessere Kooperation der muslimischen Vereine einsetzen und die Kommunikation nach außen intensivieren. Die Moscheen sollten sich demnach stärker in das kommunale Geschehen einbringen, um zu zeigen, dass man für ein friedliches Zusammenleben steht. „Statt uns in Verschwörungstheorien zu verlieren und uns zu beklagen, sollten wir uns dafür einsetzen, uns noch mehr zu beteiligen“, so Sanac.

Die neue Transparenz beinhaltet aber auch vermehrte Aufklärungsarbeit nach innen. Das soll zum einen über eine Modernisierung der Lehrpläne für den islamischen Religionsunterricht geschehen, zum anderen aber auch über die Schulung der Imame. Hier ist ein erklärtes Ziel, möglichst bald eine eigene islamisch-theologische Fakultät an der Universität einzurichten, um Imame selbst ausbilden zu können. Sanac sieht dabei vor allem die österreichischen Behörden gefordert: „Wir arbeiten seit 20 Jahren daran. Es liegt nicht an uns, sondern am Staat.“

Eine stärkere Rolle sollen in Zukunft auch die Frauen spielen. Die ehemalige IGGiÖ-Sprecherin Carla Amina Baghajati soll als neue Frauenreferentin verstärkte Akzente setzen. Sie sieht ihre Aufgabe vor allem darin, ein „Wirgefühl“ bei allen Frauen, unabhängig vom religiösen Bekenntnis, aufzubauen und die Außenwahrnehmung muslimischer Frauen stärker an deren Selbstbild heranzuführen. Bereits jetzt würden Baghajati bei der Arbeit an die 50 Helferinnen zur Seite stehen, in Zukunft sollen es noch mehr werden.

Langfristiges Ziel der verstärkten innermuslimischen Aufklärung und Arbeit müsse es sein, so Sanac, dass „unsere Jugendlichen mit Stolz sagen können, dass sie österreichische Muslime sind“.

 

Kein Kommentar zur Politik

Die verstärkte Beteiligung am Geschehen inkludiert allerdings nicht das politische Geschehen. Denn hier will Sanac deutlich zurückhaltender agieren. Außenpolitische Ereignisse und Parteipolitik wolle er in Zukunft nicht mehr kommentieren. Er wolle sich lieber „um das Leben in Österreich“ kümmern. Das beinhaltet auch, dass man es den wenigen Radikalen nicht einfach machen wolle – allerdings könne man nicht alle Muslime des Landes überwachen. „Wir sind keine Sicherheitsbehörde, wir haben keine Detektive“, so der neue IGGiÖ-Präsident. Man könne lediglich in den Vereinen aufklären und „unsere Leute vor Extremismus warnen“.

In Zusammenhang mit den jüngst unter Terrorverdacht geratenen jungen Muslimen verweist Sanac demnach auf die österreichischen Behörden, die im Fall einer Straftat einschreiten müssen: „Wir leben in einem Rechtsstaat.“

Zur Person

Fuat Sanac:Der neue Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich will, dass Muslime stolz auf Österreich sind. Das soll vor allem durch gezielte Öffnung der muslimischen Vereine nach außen geschehen. [Foto: Michaela Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2011)