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Goldverkauf: Schnelles Geld mit altem Schmuck

Symbolbild
(c) AP (Steven Senne)
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Wer sich vom steigenden Goldpreis zum Ausmisten alter Schmuckschatullen verführen lässt, sollte sich vorher gut informieren, um beim Verkauf nicht über den Tisch gezogen zu werden. Unseriöse Händler gibt es viele.

Wien. Nicht jeder hat in Krisenzeiten genug Geld beiseitegelegt, um im großen Stil in Gold zu investieren. Manch einer erwägt ganz im Gegenteil, seine Finanzen mit zu Hause unnütz herumliegendem Altgold etwas aufzupolieren. Um bei der heutigen Fülle von Ankaufstellen beim Goldverkauf nicht über den Tisch gezogen zu werden, sind jedoch einige Informationen vonnöten.

Der Wert von Altgold wird von mehreren Faktoren bestimmt. Neben dem Tageskurs von Bruchgold bestimmen das Gewicht und der Feingoldgehalt den Verkaufspreis.

Goldpreisschwankungen

Wenn man den Tageskurs von Gold in Erfahrung bringt, muss man sich dessen bewusst sein, dass es auch an einem einzigen Tag starke Kursschwankungen geben kann. Plant man den Gang zum Goldhändler, sollte man kurz davor noch einmal nachsehen, ob sich der Goldpreis wieder geändert hat. Eine gute Quelle dafür ist die Homepage der Österreichischen Gold- und Silberscheideanstalt Ögussa (www.oegussa.at). Unter „aktuelle Edelmetallpreise“ findet man unter „Ankauf“ den aktuellsten Kurs von 14 und 18 Karat Bruchgold. Es ist ratsam, beim Goldhändler noch einmal nachzufragen, nach welchem Kurs der Goldwert berechnet wird. Nicht alle Ankaufstellen aktualisieren den Goldpreis mehrmals täglich, vor allem dann nicht, wenn der Kurs gestiegen ist. Bei Ögussa ist man diesbezüglich auf der sicheren Seite.

 

Feingold-Rechenspiele

Was den zweiten Preisfaktor, den Feingoldgehalt betrifft, ist die Wertbestimmung für den Laien schwieriger. Der Materialwert eines Schmuckstückes kann jedoch annähernd berechnet werden, sofern eine handelsübliche Punzierung vorhanden ist. Die umrechenbaren Punzierungen sind 585 (14 Karat) und 750 (18 Karat). Generell gilt: Je größer die Zahl, desto höher der Feingoldgehalt und damit der Verkaufspreis. So kommt man zu einem Annäherungswert für den reinen

Materialpreis eines Schmuckstückes: Beim gestrigen, um elf Uhr ermittelten Tagesgoldkurs von 19.309 Euro/kg für 14 Karat Bruchgold bringt ein Gramm Gold 19,309 Euro. Ein Schmuckstück mit einem Gewicht von beispielsweise zehn Gramm hat demnach einen Materialwert von 193,09 Euro. Ein Ankaufangebot sollte den errechneten Wert um höchstens fünf Prozent unterschreiten. Generell ist bei Kleinhändlern, die nicht über eine eigene Scheideanstalt verfügen, Vorsicht geboten. Ihr Gewinn entsteht aus der Preisspanne zwischen Bruch- und Feingold. Je mehr Zwischenstationen auf dem Weg zum Feingold der Händler einschalten muss, desto weniger schaut unterm Strich für ihn heraus. Diverse Studien des Vereins für Konsumenteninformation und ein Lokalaugenschein der „Presse“ bewiesen: Viele Kleinhändler „irren“ sich zur Kompensation bei der Bestimmung des Feingoldgehaltes oder beim Abwiegen zu ihren Gunsten.

Einschmelzen ja oder nein?

Bevor man seinen Schmuck zum Einschmelzen freigibt, sollte man sich fragen, ob ein Weiterverkauf eine Option wäre. Denn bei der handelsüblichen „Strichprobe“ für Bruchgold, mit der der Materialwert bestimmt wird, wird der Schmuck beschädigt. Es wird an der Oberfläche geschabt, eventuell angefeilt, und Steine werden aus der Fassung gebrochen. Der Verkaufswert mindert sich dadurch erheblich.

Das Dorotheum ist die etablierteste Anlaufstelle, um den Gesamtwert von Schmuck schätzen zu lassen. Ein Prozent vom Schätzwert wird jedoch für die dortige Expertise als Werthonorar verrechnet. Für einen Weiterverkauf, eine Versteigerung oder Pfandoption sollte der Schmuck in gutem Zustand sein und eine Punzierung haben.

Was Sie beachten sollten bei... Bruchgold

Tipp1

Goldkurs. Ein hoher Goldkurs bedeutet bei Altgold nicht automatisch einen hohen Verkaufspreis. Der Tageskurs ist nur ein Faktor in der Wertbestimmung. Ebenfalls zu beachten: An einem Tag können starke Kursschwankungen auftreten. Viele Händler reagieren auf die Schwankungen nur, wenn der Kurs fällt, nicht, wenn er steigt.

Tipp2

Selbsteinschätzung. Es ist ratsam, vor dem Verkauf den ungefähren Wert des Schmuckes mittels Gewicht, Punzierung und Goldpreis zu berechnen. Bei stark abweichenden Angeboten sollte man mehrere Meinungen einholen. Eine genaue Bestimmung des Feingoldgehaltes ist jedoch nur dem Händler möglich. Er hat beim Preis das letzte Wort.

Tipp3

Verkäuflichkeit. Wer sein Schmuckstück unbeschädigt zurückerhalten will, sollte es nicht zum Bruchgoldhändler tragen. Hier wird geschabt, gefeilt und herausgebrochen. Um herauszufinden, ob der Schmuck verkäuflich ist und sein Wert über den reinen Materialwert hinausgeht, wendet man sich am besten an das Dorotheum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2011)