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Oberndorfer: "Ich hatte immer mit großen Summen zu tun"

hatte immer grossen Summen
(c) APA HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Martha Oberndorfer ist als Chefin der Bundesfinanzierungsagentur Wächterin der österreichischen Staatsschulden. Der "Presse" erklärt sie, was es bedeutet, täglich Millionen zu bewegen.

Die Presse: Wissen Sie, wie hoch der Schuldenstand der Republik ist?

Martha Oberndorfer: Die Finanzschuld des Bundes liegt bei 189Mrd Euro.

Macht Ihnen das Sorgen?

Der Stand ist sogar niedriger, als in den Budgets vorgesehen. Österreich steht mit seiner Schuldenquote im internationalen Vergleich gut da. Wenngleich ich es als Schuldenmanagerin für wichtig halte, dass das von der Regierung verabschiedete Konsolidierungsprogramm auch umgesetzt wird, damit die Solidität der Finanzen gewährleistet bleibt.

Sie schauen ja streng auf die Konditionen, die Österreich auf dem Markt zahlen muss. Ärgern Sie sich manchmal, dass die Republik mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt?

Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen. Ich bin sozusagen nur die Marktfrau, die auf dem Kapitalmarkt umsetzt, was im Parlament beschlossen wird.

Müssen Sie manchmal mehr Schulden aufnehmen, als geplant?

Ich bin seit Anfang 2008 hier, in meiner Zeit ist das noch nicht vorgekommen. Die Budgets haben sich durchwegs besser entwickelt, als im Bundesvoranschlag ausgewiesen, daher waren auch weniger Mittelaufnahmen notwendig.

Wäre es nicht verlockend, in Zeiten niedriger Zinsen mehr Geld aufzunehmen, weil der Staat dann auch weniger an seine Gläubiger zurückzahlen muss?

Diese Frage stellt sich nicht, weil es mir nicht zusteht, willkürlich Schulden aufzunehmen. Täten wir das, würde sich die Schuldenquote der Republik unnötig erhöhen und die Bonität in Gefahr bringen. Wir operieren auf Basis gesetzlicher Rahmenbedingungen, die festlegen, wie viele Mittel aufgenommen werden dürfen.

Letztes Jahr hat Österreich rund 27Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt aufgenommen. Wie fühlt es sich an, mit solchen Summen zu hantieren?

Ich bin über 25 Jahre im Geschäft und habe immer mit großen Summen zu tun gehabt. Was bei dieser Tätigkeit wichtig ist, ist das Bewusstsein um die Verantwortung, dass es um das Geld anderer Leute geht. Alle Bürger sind von dem betroffen, was wir hier machen. Ich überlege mir bei jeder Transaktion, die ich mache, ob ich das auch verantworten kann.

 

Setzen Sie diese Summen, mit denen Sie täglich zu tun haben, noch in Bezug, zum Beispiel zu Ihren persönlichen Finanzen? Oder sehen Sie das alles sehr abstrakt?

Die Größenordnung ist natürlich besonders. Ich werde oft als Frau mit den meisten Schulden in Österreich bezeichnet. Es ist aber eine Aufgabe, bei der man leicht den Sinn erkennen kann. Bei einem Schuldenstand von 189Mrd. Euro macht nur ein Basispunkt, also 0,01 Prozent Differenz in den vereinbarten Zinskonditionen, einen Unterschied von 18,9 Millionen Euro in der Zinsbelastung pro Jahr aus.

Macht es einen Unterschied, ob man Geld als Guthaben oder als Schulden verwaltet?

Das ist egal. Beides erfordert Sachkenntnis, Professionalität, Sorgfalt und Integrität. Es ist auch nicht so, dass ich im luftleeren Raum operiere. Wir haben eine große Fülle an Richtlinien und Regeln, an die wir uns halten müssen. Außerdem gibt es ein umfangreiches Berichtswesen.

Das Bundesland Salzburg hat es damit offenbar nicht so genau genommen, sonst könnten derart hohe Summen doch nicht einfach verschwinden...

Es ist bekannt, dass der Bund ein strenges und umfangreiches Regelwerk hat, das vor einigen Jahren auf den neuesten Stand gebracht worden ist. Es gibt viele Ambitionen, dass diese Konzepte auch auf die Bundesländer umgelegt werden.

Die Bundesfinanzierungsagentur veranlagt ihre Mittel ja recht konservativ. Hat Spekulation im öffentlichen Bereich überhaupt nichts zu suchen?

Weil die Steuertermine meistens zur Monatsmitte sind, haben wir so um den 20. eines jeden Monats viel Geld in der Kasse, das wir veranlagen müssen. Die Veranlagung dieser Kassamittel muss konservativ sein. Wir disponieren täglich mehrere Milliarden Euro und haben kaum ein Ticket unter zweihundert Millionen Euro. Es geht also um große Beträge. Nachdem wir immer nur kurzfristig zwischenveranlagen, sind hier viele Instrumente von vornherein ausgeschlossen. Wir beschränken uns auf Geldmarktinstrumente.

Das heißt?

Das können Einlagen oder kurzfristige Schatzanweisungen sein.

Ist es schwieriger geworden, Geld sicher zu parken?

Die Bonitäten der Marktteilnehmer haben sich natürlich verändert: Wenn man kurzfristig bei einem guten Schuldner veranlagt, muss man Negativzinsen in Kauf nehmen. Es ist sicher anspruchsvoll geworden.

Als Sie den Job angetreten haben, war die Schuldenkrise noch kein großes Thema. Hätten Sie sich gedacht, dass Ihre Arbeit einmal so aufregend wird?

Ich habe gewusst, dass diese Aufgabe eine der spannendsten Kapitalmarkttätigkeiten ist, die man in Österreich wahrnehmen kann. Dass es so spannend wird, habe ich nicht erwartet. Aber es stimmt, die öffentlichen Schuldenmanager sind auch international viel wichtiger geworden. Nicht nur, weil die Schulden in manchen Staaten ins Blickfeld gerückt sind, sondern auch, weil die Expertise der Schuldenmanager genutzt wird, um internationale Anti-Krisenmechanismen zu entwickeln.

Würden Sie den Job auch in Spanien machen?

Also ich weiß, dass ich von vielen Kollegen in anderen Ländern derzeit sehr beneidet werde.

Aber Sie beneiden die anderen nicht?

Die Aufgabe, das Treasury eines Staates zu leiten, ist eine sehr interessante. Aber es ist natürlich für mich in Österreich sehr angenehm, dass meine Arbeit von guten Wirtschaftsdaten und einer soliden Budgetpolitik begleitet wird.

Was hat Sie in die Welt des Geldes gezogen?

Für Geld habe ich mich schon als Kind interessiert. Laut Erzählungen habe ich bereits als Vierjährige registriert, dass Scheine besser sind als die klimpernden Münzen.

Besitzen Sie privat österreichische Staatsanleihen?

Ja. Ich bin davon überzeugt, dass österreichische Staatsanleihen in keinem Portfolio fehlen sollten.

Aber die Inflation schlägt man damit nicht. Haben Sie auch Aktien?

Ja, privat habe ich auch Aktien.

Steht für Sie privat Sicherheit oder Rendite im Vordergrund?

Jeder Einzelne muss die für ihn richtige Kombination finden. Das heißt aber auch, dass jeder ein gewisses Basiswissen braucht und die Verantwortung für seine Finanzen übernimmt.

Wie ist es eigentlich als Frau in der eher männlichen Finanzwelt?

Ich war lange Zeit einer der ersten weiblichen Fondsmanager in Österreich. Das ist ein Feld, wo die Leistung und die Performance gut sichtbar werden. Man kann sich also ein gutes Standing erwerben, ohne viel Eigenmarketing oder zielorientiertes Networking betreiben zu müssen. Die Zahlen sprechen für einen.

Zur Person

Martha Oberndorfer (50) ist seit 2008 Chefin der österreichischen Bundesfinanzierungsagentur und dort für das Schuldenmanagement der Republik verantwortlich. Oberndorfer ist studierte Betriebswirtin und Wirtschaftspädagogin. Sie war sowohl im Vorstand der Bundespensionskasse als auch bei der Bank Gutmann und der Kommunalkredit tätig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2013)