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Die Gute Presse

Die "Gute Presse am Sonntag" versucht zu beweisen, dass man auch eine Zeitung mit guten Nachrichten machen kann.

Es gibt Rituale, die nicht leicht abzulegen sind: Immer wenn ich am letzten Urlaubstag – auf dem Flughafen oder beim Abschiedskaffee – gefragt werde: „Und, war doch schön?“, sage ich sofort: „Noch ist der Urlaub nicht vorbei.“

Notorische Skepsis hat viele Gründe (z.B. Routine bei Spitalsaufenthalten in fremden Ländern). Sie kann auch Berufskrankheit sein. Beobachten Sie Journalisten bei einem Event, man erkennt sie leicht: Sie klatschen nicht. Wenn man sie fragt, ob sie etwas gut finden, machen sie erst einmal eine lange Pause. Und wenn sie loben, klingt das wie Oliver Pink in seiner schlauen Reflexion zur Beziehung zwischen Journalismus und Politik (S.3): „So schlecht sind sie dann auch wieder nicht.“ All das ist nicht verkehrt. Den Finger auf die Wunde legen, das Haar in der Suppe suchen, „immer kritisch“ sein, das gehört zum Job. So sehr, dass einem Loben unheimlich ist. Weil dann die inneren Warnlichter angehen: Bin ich blind, naiv oder, schlimmer, ein PR-Büttel? Ob uns das manchmal zu Angstbeißern macht? Vermutlich. Führt es dazu, dass ein (schöner) Teil der Welt in der Zeitung zu kurz kommt? Sicher.

Mit der „Guten Presse am Sonntag“ versuchen wir, Ihnen und uns zu beweisen, dass beides geht. Dass man eine Zeitung nur mit guten Nachrichten machen kann, ohne den Realitätssinn auszublenden (dafür sorgten am Samstag u.a. die Chefs vom Dienst dieser Sonntagszeitung, Anna-Maria Wallnerund Georg Renner, und, sicher ist sicher, ein XL-Nachrichtenüberblick). Was ist unser „best-of good news“? Außenpolitik-Kollegen Jutta Sommerbauer, Susanna Bastaroli und Wolfgang Böhmschildern z.B., „warum die Welt ein wenig (immerhin!) besser geworden ist“, Karin Schuh beleuchtet, wie es für Kinder nach der Scheidung gut weitergehen kann, Matthias Auer, wie aus einem Wirbelbruch ein Geschäftserfolg wurde, und Bettina Steiner untersucht die Magie des Happy Ends. Denn das wünschen wir uns alle. Ganz ironiefrei.

ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2013)