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Staatsgäste: Elitär-diplomatischer Trauer-Reigen

Barack Obama & Südafrikanischer Präsident Zuma(c) REUTERS (HANDOUT)
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Barack Obama und drei Ex-US-Präsidenten gaben Nelson Mandela die letzte Ehre. Nur Österreich glänzte auf höchster Ebene durch eine peinliche Absenz.

Während des mehr als 16-stündigen Transatlantikflugs von Washington nach Johannesburg in der Air Force One blieb Barack Obama Muße für die eine oder andere Plauderstunde mit seinen VIP-Gästen. Zwanglos knüpfte der US-Präsident demnach Bande mit seinem Vorgänger, George W. Bush, dessen Frau, Laura, und seiner ehemaligen Kontrahentin und Außenministerin, Hillary Clinton. Und es blieb mehr als genug Zeit, an Bord der Präsidentenmaschine an seinem Nachruf für Nelson Mandela zu feilen.

In Erinnerung werden indessen nicht die berührenden Worte bleiben, die das Publikum von Barack Obama längst gewohnt ist, sondern eine Geste gegenüber einem Todfeind des Kalten Kriegs. Als Obama mit Verspätung die Ehrentribüne des Fußballstadions betrat, setzte es ein Küsschen für Brasiliens Staatschefin, Dilma Roussef, die der US-Geheimdienst NSA bis vor Kurzem noch abhören ließ. Und er schüttelte Raúl Castro die Hand und begrüßte somit als erster US-Präsident seit mehr als 50 Jahren einen kubanischen Machthaber. Bahnt sich in der Karibik eine Annäherung an wie unlängst gegenüber dem Iran?

 

Reinhard Todt kam zu spät

Trauerfeiern – und erst recht die für eine Ikone wie Nelson Mandela –, bei der Staats- und Regierungschefs aus 90 Ländern dem Toten ihre Reverenz erwiesen, bieten Politikern am Rande auch eine Bühne für diplomatischen Meinungsaustausch. Zelda la Grange, Mandelas langjährige Assistentin, brachte es auf den Punkt: „Er bewirkt im Tod, was er schon im Leben bewirkte: Er bringt Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen Ansichten, politischen Zielen und Religionen zusammen.“

In seiner Ansprache würdigte Obama – wie zugleich das Nobelpreiskomitee in Oslo – Mandela, um im gleichen Atemzug mit Despoten wie Zimbabwes Robert Mugabe ins Gericht zu gehen. Auf der Tribüne schäkerte Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mit Ex-Rivalen François Hollande, Bill Clinton scherzte mit George W. Bush. Währenddessen flirtete Obama – zum mäßigen Amüsement seiner Frau, Michelle – mit seiner Sitznachbarin, der dänischen Ministerpräsidentin, Helene Thorning-Schmid. Ihr Taschen-Faible trug ihr den Spitznamen Gucci-Helle ein. Nur Österreich war bei der vierstündigen Feier des Lebenswerks Nelson Mandelas nicht im Trauer-Reigen vertreten – zumindest nicht auf höchster Ebene. Wegen Terminproblemen – er hält am Mittwoch zum 100.Geburtstag Willy Brandts eine Festrede in Lübeck – und wegen allfälligen Einschaltens in die finale Phase der Regierungsverhandlungen verzichtete Präsident Heinz Fischer auf eine Teilnahme. Als Vertreter schickte er Bundesratspräsident Reinhard Todt, der indes erst am Mittwoch in Südafrika eintraf, weil er tags zuvor noch sein Äquivalent aus Marokko zu empfangen hatte. Eine provinzielle Posse, wie nicht allein die Grünen fanden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2013)