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Klitschko: "Janukowitsch steht mit Rücken zur Wand"

UKRAINE EU PROTEST
Vitali KlitschkoAPA/EPA/ZURAB KURTSIKIDZE
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Der Oppositionspolitiker kritisiert das Verhalten des ukrainischen Staatschefs, den er "noch völlig gesund erlebt" habe. Er fliege nun "mit einem mulmigen Gefühl" zur Münchner Sicherheitskonferenz.

Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hat vor seinem Besuch bei der Sicherheitskonferenz in München erneut vor einem Ausnahmezustand in seiner Heimat gewarnt. "Wenn ich heute ins Flugzeug zur Sicherheitskonferenz nach München steige, dann tue ich das mit einem mulmigen Gefühl", schreibt Klitschko in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung (Freitag-Ausgabe).

Die Situation in Kiew habe sich alles andere als beruhigt. "Gestern ließ sich der Präsident (Viktor Janukowitsch) mit angeblichem Fieber ins Krankenhaus einweisen, in der Nacht vorher hatte ich ihn noch völlig gesund und in einer aggressiven Stimmung im Parlament erlebt. Ich denke, die Gefahr war noch nie so groß, dass er den Ausnahmezustand wirklich verhängt. Janukowitsch steht mit dem Rücken zur Wand - und ihm ist wirklich alles zuzutrauen."

Ex-Premier Asaraow in Wien

Einer seiner Getreuen hat sich laut einem Online-Bericht der "Kronen Zeitung" unterdessen nach Wien "abgesetzt". Der am Dienstag zurückgetretene Regierungschef der Mykola Asarow mit seinem Privatjet nach Wien geflogen sein, wo er seinen Sohn besuchen wollte. Er lebt in Wien und besitzt hier auch ein Haus. Die ukrainische Botschaft in Wien wollte den Bericht jedoch nicht bestätigen. bestätigen. "Wir haben dazu offiziell keine Informationen", erklärte eine Sprecherin. Laut "Krone" hat Asarow angeblich vor, "für eine Weile in Wien unterzutauchen".

Wie das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, besitzt der Sohn des zurückgetretenen ukrainischen Premiers, Oleksej Asarow, eine Villa in Wien-Währing (Pötzleinsdorf). Zudem soll er an diversen Firmengeschäfte beteiligt sein. Wien soll als "Angelpunkt millionenschwerer Finanz- und Immobilien-Deals" für Asarow und Präsident Viktor Janukowitsch dienen, so das "Format".

Appell Kllitschkos: "Bitte helft uns!"

Klitschko hingegen will bei der Sicherheitskonferenz "wichtigen und einflussreichen Politikern aus aller Welt in München sagen: Bitte helft uns, helft den Menschen vom Maidan, die bei mittlerweile minus 25 Grad in ihren Zelten frieren und trotzdem weiter gegen die Diktatur und das Regime Janukowitsch und für Freiheit und Demokratie kämpfen."

Wie Klitschko warnte auch das Militär in der Ukraine vor einer weiteren Eskalation. Die Besetzung staatlicher Gebäude durch Demonstranten sei unzumutbar.

Die Opposition beklagt derweil, dass etwa 30 Aktivisten verschleppt worden seien, angeblich von angeheuerten Schlägerbanden. Acht Tage nach seinem Verschwinden wurde ein entführter Regierungsgegner schwer misshandelt gefunden. Seine Peiniger hätten ihn massiv gefoltert und einen Teil seines Ohrs abgeschnitten, berichtete der Aktivist Dmitri Burlatow.

"Sie haben mich gekreuzigt"

"Sie haben mich gekreuzigt. Sie haben meine Hände durchstoßen", so Burlatow im Fernsehen. Er zeigte dabei die Wunden an seinen Handrücken. "Sie haben mein Ohr abgeschnitten, mein Gesicht zerschnitten. Es gibt keine einzige heile Stelle an meinem Körper. Aber Gott sei Dank bin ich am Leben." Oppositionsführer Vitali Klitschko bezeichnete die Folter des Demonstranten nach einem Besuch als Versuch, alle Aktivisten einzuschüchtern.

Bulatow wurde seit dem 23. Jänner vermisst. Er hatte sich an mehreren Autokorsos beteiligt, die zu den Wohnsitzen der ukrainischen Spitzenpolitikern führten. Nach Auskunft eines Freundes wurde er von seinen Peinigern im Wald ausgesetzt und habe sich aus eigener Kraft in ein Dorf gerettet. Inzwischen wird er in einem Krankenhaus behandelt.

Angriffe gegen Ärzte und Journalisten

Menschenrechtler kritisierten auch, dass Polizeieinheiten während der Straßenschlachten mit radikalen Regierungsgegnern absichtlich auch Journalisten und Ärzte angegriffen hätten. Die Polizei hat ihr Vorgehen gegen die Teilnehmer der Autokorsos zuletzt verschärft und Oppositionsgruppen zufolge inzwischen etwa 20 Menschen festgenommen. Die UNO forderte am Freitag eine unabhängige Untersuchung der Berichte über Entführungen und Folter in der Ukraine.

(APA/dpa)