Black Monday

Das beste und das schlimmste Börsenjahr

1995 war das beste Börsenjahr in 50 Jahren. Doch Apple, das unter der Konkurrenz durch Microsoft litt, erging es damals gar nicht gut.

Die Aktienbörsen sind verhalten ins neue Jahr gestartet. Doch war das nach den steilen Kursanstiegen im Vorjahr, als etwa der US-Aktienindex S&P 500 um 17 Prozent gestiegen ist, nicht zu erwarten? Ein Blick in die Langzeitstatistik zeigt: So herausragend war das Vorjahr auch wieder nicht. Börsenjahre mit Kursanstiegen im zweistelligen Prozentbereich stellten in den vergangenen 50 Jahren die absolute Mehrheit, jedenfalls beim S&P 500: 28 der 50 Jahre zwischen 1974 und 2023 brachten ein zweistelliges Plus, neun ein einstelliges, sieben ein zweistelliges Minus, sechs ein einstelliges.

2023 liegt im guten Mittelfeld. Die drei besten Jahre liegen lang zurück: Zwei davon fielen in die vom Aufbau der Internetblase geprägten 1990er-Jahre: 1995 ging es um 34 Prozent, 1997 um 31 Prozent nach oben. Das zweitbeste Jahr war 1975 mit einem Plus von 32 Prozent, als sich die Börsen vom Absturz nach dem Ölpreisschock erholten. Es folgen in der Rangliste das Jahr 2013, als die Börsen endlich die Finanzkrise überwunden hatten und das erste Rekordhoch seit sechs Jahren erzielten, und 2019.

Gleich drei der fünf schlechtesten Jahre fallen in die 2000er-Jahre, die vom Platzen der Internetblase und von der Finanzkrise geprägt waren: 2008, als die Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, gaben die Kurse um 38 Prozent nach. 2001 fielen sie um 13, 2002 um 23 Prozent. Das zweitschlechteste Jahr fand 1974 infolge der Ölkrise statt (minus 30 Prozent). Das viertschlechteste Jahr war 2022 mit Verlusten von 19 Prozent. Um diesen Rückschlag wettzumachen, hat auch das gute Vorjahr nicht gereicht.

»28 der 50 Jahre zwischen 1974 und 2023 brachten ein zweistelliges Plus, neun ein einstelliges Plus, sechs ein einstelliges Minus und sieben ein zweistelliges Minus.«

Statistisch spricht nichts dagegen, dass mehrere Jahre mit zweistelligen Kursanstiegen aufeinander folgen. So passierte das 2019 bis 2021, eine Phase, in die der Coronacrash fällt. So passierte es 2012 bis 2014, als die Kurse nach der Finanzkrise Potenzial hatten. Von 1995 bis 1999 stiegen die Kurse gar fünf Jahre in Folge zweistellig an. Zweifellos gibt es andere Faktoren, die auf eine mögliche Überhitzung an den Märkten hindeuten, etwa dass laut dem Angst-und-Gier-Indikator von CNN Money extreme Gier herrscht. Zu starke Kursanstiege gab es aber kaum.

Auch in schlechten Jahren gibt es Aktien, die steigen. 2008 führten Einzelhändler wie Dollar Tree und Walmart, Pharmafirmen wie Vertex und Amgen oder der Logistikkonzern Old Dominion Freight Line die Bestenliste an. 2001 konnte sich Old Dominion verdoppeln, auch der Agrar-Einzelhändler Tractor Supply, der Medizintechnikkonzern Boston Scientific oder Amazon stiegen stark. 2022 dominierten Ölkonzerne wie Occidental, Marathon oder Exxon die oberen Plätze. Das war der besonderen Situation geschuldet: Der Ukrainekrieg und die Nachwirkungen der Corona-Lockdowns ließen die Energiepreise hochschnellen.

Umgekehrt fiel im Rekordjahr 1995 der Red-Bull-Rivale Monster Beverage um zwei Drittel. Er sollte eine der besten Aktien der folgenden beiden Dekaden werden. Auch Old Dominion Freight Line hatte ein schlechtes Jahr. Die Anleger kauften lieber Internetwerte. Unter den zehn schwächsten Firmen des Jahres 1995 findet sich jedoch auch Apple, dessen Konkurrent Microsoft gerade das Betriebssystem Windows 95 präsentiert hatte und Apple den Rang abzulaufen drohte.

Das zeigt auch: Nicht nur Indizes erleben immer wieder schlechte Jahre, auch die besten Aktien tun das. Nur langfristig machen sie das dann mit sehr guten Jahren wieder wett.

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