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Grätzeltour: Toni's Inselgrill an der Neuen Donau

Sitzt man bei Toni's Inselgrill an den Neuen Donau, kommt fast schon Urlaubsstimmung auf. Kein Bezirk weist so viel Wasser und Grünflächen auf wie die Donaustadt.

Donau so blau, so schön und blau. Durch Tal und Au wogst ruhig du hin (...) fröhliche Herzen schlagen an deinem schönen Strand.“ Einer, der  diese Zeilen aus Johann Strauß' bekanntestem Walzer ohne zu zögern unterschreiben würde, ist Toni Chapral – trotz der nicht immer positiven Veränderungen, die die Donauinsel in jüngerer Zeit erfahren hat. Er ist der Toni, der hinter Toni's Inselgrill steckt. Seit 1985 betreibt der sympathische Gastronom das nach ihm benannte Lokal an der Raffineriestraße. Damals, er war Anfang dreißig, lief das Geschäft noch richtig gut, „aber es ist härter geworden”, sagt Chrapal. Das mag man so gar nicht glauben, wenn man bei einem Kaffee unter einem der Strohschirme sitzt und auf das ruhig dahinfließende Wasser schaut. Das fühlt sich fast wie in Kroatien an.

Donaustadt statt Stadt

Doch Toni macht trotzdem weiter. Dass Leben und Arbeit am Wasser nun mal das Seine sind, merkt man spätestens dann, wenn er anfängt, von seinem liebsten Hobby zu erzählen: dem Surfen. Schon in seiner Jugend zog es den heute 62-Jährigen regelmäßig an den Wiener Strand. Und noch heute sieht man ihm an, dass er in den 80er-Jahren Surf-Landesmeister war: die trainierte Figur, der gebräunte Teint. Ein echter Insulaner eben. Seit 15 Jahren lebt Chrapal mit seiner Familie in einem Haus quasi ums Eck vom Inselgrill, in Eßling. Die Immobilie hat er über einen Makler gefunden: “Die Suche war nicht schwierig, das Haus allerdings ziemlich alt.” Kein Problem für Chrapal, Renovieren ist seine Leidenschaft. Auch die etwas weiter stromabwärts gelegene Safari Lodge hat er 1989 komplett neu errichtet. In Eigenregie. Wie er es schon beim Inselgrill getan hatte – „das Umbauen war immer meins.” Das Umziehen weniger. Zwei Mal in seinem Leben hat er den Wohnort gewechselt. Beide Male innerhalb des Bezirks. Einmal von Groß-Enzersdorf nach Aspern. Ein zweites Mal von Aspern nach Essling.

Fragt man Toni nach seinen liebsten Plätzen in der Donaustadt, kommt die Antwort prompt: Die Lobau, wo er Rad fährt. Die Donauinsel, wo er mit seinen Inlineskates unterwegs ist. Der Eissalon Trento in Kaisermühlen, zu dem er schon als junger Bursch mit dem Moped gefahren ist. In die Stadt fährt er selten: „Für mich ist die Stadt nicht interessant. Und Stadt ist alles, das von hier aus jenseits der Donau liegt.” Im Bezirk aufgewachsen, hatte er nie das Bedürfnis, diesen zu verlassen. Warum auch – hat er hier doch alles, was er braucht. Und das ist vor allem eines: die Donau. „Der 22. Bezirk ist meine Heimat. Hier gibt es so viel Grün, so viel Wasser.”

Tatsächlich entfallen fast 60 Prozent des Bezirks auf Grünflächen – Wiesen wie Wälder. Lobau, Donauinsel, Donaupark – nur wenige U-Bahn- bzw. Fahrradminuten von der Innenstadt entfernt ist der stressgeplagte Städter im Grünen. Für entsprechendes Feeling sorgen neben Toni's Inselgrill auch neuere Betriebe – wie der Wakeboardlift oder der Vienna City Beach Club, beide ein Stück „stadteinwärts”, nahe der U2-Station Donaustadtbrücke gelegen.

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Großprojekt Aspern

Seit 2010 verläuft die Linienführung der U2 bis in den 22. Bezirk, was vor allem dem Großprojekt Seestadt Aspern geschuldet ist, wo in den nächsten 15 Jahren tausende neue Wohnungen entstehen. Und auch die Donau-City wächst und wächst. Grundsätzlich findet man im 22. Bezirk alles: von Einfamilien- und Reihenhäusern – vornehmlich in Aspern und Essling – bis hin zu Genossenschaftswohnungen und Gemeindebauten in Kagran und Kaisermühlen.

Doch zurück zu Toni. Sein Telefon klingelt. Ein Freund aus Australien. „Der kommt jedes Jahr für drei Monate zu mir, hilft mir mit Arbeiten am Haus – und surft.” Wien als Surf-Eldorado für Australier? Eine bis dato doch eher unbekannte Seite der Hauptstadt. . .

Info

In der Donaustadt entstehen derzeit zahlreiche neue Wohnprojekte. Eines der größten ist die Seestadt Aspern. Bis 2030 sollen hier mehr als 10.000 Wohneinheiten geschaffen werden. Die Wohnpreise im Bezirk steigen an: Der Quadratmeterpreis neuer Eigentumswohnungen liegt aktuell bei rund 3300 Euro, bei gebrauchten im Schnitt bei 2346 Euro – ein Anstieg von elf Prozent gegenüber 2013. Die Mieten liegen zwischen acht und neun Euro/m22. (Quelle: Immobilienpreisspiegel, WKO).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2014)