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„Großes Interesse an Essl-Bildern“

ARCHIVBILD: ESSL-SAMMLUNG: HASELSTEINER KAUFT KUNSTSAMMLUNG UeBER STIFTUNG: ESSL MUSEUM
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER
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Am 13. Oktober werden 44 Werke aus der Sammlung Essl in London versteigert. Sie sollen bis zu 76 Mio. Euro einbringen. Der Erlös dient der Finanzierung der Baumax-Kette.

Wien. Am 13. Oktober kommen 44 Werke aus der Sammlung Essl unter den Hammer: 44 Werke international renommierter Künstler, die zusammen zwischen 40 Mio. und 60 Mio. britische Pfund (51 bis 76 Mio. Euro) einspielen sollen. In dieser Preisspanne wurde der Schätzwert für die Werke anberaumt. Ein Rekord: Nie zuvor wurde in London eine Privatsammlung zeitgenössischer Kunst mit einem so hohen Schätzwert versteigert.

„Man hofft natürlich immer, dass der Schätzwert noch übertroffen wird. Davon auszugehen wäre aber größenwahnsinnig“, sagt Angela Baillou, Chefin des Österreich-Ablegers von Christie's. Das renommierte Auktionshaus ist für die Versteigerung der 44 Werke aus der Sammlung des Baumax-Gründers, Karlheinz Essls, und seiner Frau Agnes verantwortlich und hat die Bilder – vorwiegend von deutschen Malern – auch ausgesucht. Der Erlös trägt zur Rettung der angeschlagenen Baumarktkette bei.

 

Teuerstes Bild: Ein Richter

Der Auktionstermin ist nicht zufällig gewählt: Am 13. Oktober startet in London die Frieze, eine der renommiertesten Messen für zeitgenössische Kunst. Das Who's who der Sammlerszene ist also praktischerweise schon vor Ort, wenn die Essl-Bilder feilgeboten werden.

Bei Christie's ist man derzeit intensiv mit den Vorbereitungen für die Auktion beschäftigt: Mögliche Käufer auf der ganzen Welt werden kontaktiert, die internationale Marketingmaschinerie läuft auf Hochtouren. Potenzielle Kunden in Wien, Moskau, Hongkong, Dubai, London oder New York werden über die Bilder informiert, die sie interessieren könnten, wollen Zustandsberichte sehen, die Werke vorab begutachten. „Sobald wir einem Kunden vorschlagen, ein Bild zu verkaufen, überlegen wir schon, wem wir es verkaufen können“, sagt Baillou. Und, dass es „großes Interesse“ an den Essl-Bildern gebe – sowohl in Österreich als auch international.

Das teuerste Bild, das aus der Sammlung zum Verkauf steht, stammt von Gerhard Richter, dem bestbezahlten Gegenwartskünstler. Richters „Netz“ geht mit einem Schätzwert von sieben bis zehn Mio. Pfund an den Start.

Auffallend ist, dass sich unter den 44 Werken nur zwei von österreichischen Künstlern finden – nimmt doch die österreichische Kunst eine bedeutende Rolle in der 7000 Werke umfassenden Sammlung ein. Ursprünglich waren in der Auswahl überhaupt keine Österreicher vorgesehen. Karlheinz Essl persönlich habe darauf bestanden, die Bilder als „Botschafter“ zu schicken, heißt es bei Christie's. Maria Lassnigs „Zwei Maler, drei Leinwände“ liegt bei einem Schätzwert zwischen 120.000 und 180.000 Pfund, Hundertwassers „Der Siebente Bezirk“ bei 150.000 bis 200.000 Pfund. Die Idee sei auch gewesen, die Sammlung österreichischer Kunst im Hause Essl intakt zu halten. Oder fürchtete man gar, die Österreicher kämen auf dem internationalen Parkett nicht so gut an? Zur Auswahl sagt Christie's-Österreich-Chefin Angela Baillou lediglich, diese sei „nach kommerziellen Gesichtspunkten“ getroffen worden. Die 44 Werke werden ab 23. September knapp drei Wochen in London ausgestellt und am 13.Oktober in einer gesonderten Abendauktion versteigert.

 

Erlös tilgt die Kreditmittel

Die Versteigerung der Bilder war Teil des Deals mit den Banken, die den Verkauf der Sammlung Essl finanzierten. Gekauft wurde sie von der neu gegründeten SE-Sammlung Essl GmbH. Diese gehört zu 60 Prozent der Familien-Privatstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner und zu 40 Prozent den beiden Privatstiftungen der Familie Essl. Der Kaufpreis betrug über 100Mio. Euro und wurde komplett kreditfinanziert. Der Auktionserlös dient der Rückführung dieser Kredite. Laut Haselsteiner dürften noch mehr Bilder verkauft werden.

Anfang September wurde bekannt, dass Haselsteiner die Mehrheit der Sammlung Essl übernimmt – eine der bedeutendsten privaten Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Der Kaufpreis dient komplett der Rekapitalisierung der Baumax-Kette. Die Leitung bleibt bei den Essls, die Bilder werden weiter im Essl-Museum in Klosterneuburg ausgestellt. Nur eben um 44 weniger.

AUF EINEN BLICK

Die Versteigerung von 44 Werken aus der Sammlung Essl findet am 13.Oktober in London statt und soll umgerechnet bis zu 76 Millionen Euro einbringen. Der Erlös trägt zur Rettung der von Karlheinz Essl gegründeten Baumax-Kette bei. Die Sammlung Essl gehört mittlerweile zu 60 Prozent dem Industriellen Hans Peter Haselsteiner.

Organisiert wird die Versteigerung vom Londoner Auktionshaus Christie's. Seit 50 Jahren hat Christie's auch eine Dependance in Wien. Zu diesem Anlass zeigt das Auktionshaus an diesem Wochenende eine Jubiläumsausstellung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2014)