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"Das macht fassungslos": Eine Schulklasse und zwei Babys unter den Opfern

(c) REUTERS (KIRSTEN NEUMANN)
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Die meisten Passagiere im abgestürzten Flieger waren Deutsche. Merkel will zum Unglücksort reisen. Der Absturz des Airbus A320 ist wohl der schwerste Unfall in der Geschichte der deutschen Fluggesellschaft.

Berlin/Düsseldorf. Die Zeile auf dem Bildschirm ist leer geblieben. Auf dem Düsseldorfer Flughafen wurde die Ankunft des Fluges 4U 9525 aus Barcelona, betrieben von der Fluglinie Germanwings, noch mit 11.55 angegeben, aber weitere Informationen waren für die Angehörigen nicht zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt war in einzelnen Medien bereits von einem Absturz in Südfrankreich aus unbekannter Ursache zu lesen. Ein Krisenteam suchte am Düsseldorfer Flughafen die Wartenden auf – sie wurden später in einen separaten, abgeschirmten Raum gebracht. Germanwings, eine Lufthansa-Tochter, teilte um die Mittagszeit per Twitter mit, dass das Unternehmen selbst erst die Nachricht von einem möglichen Absturz bekommen habe – und dass keine gesicherten Informationen vorlägen.

Eine Stunde später dann die schreckliche Gewissheit: Das Flugzeug ist in den französischen Alpen abgestürzt. Der französische Präsident, François Hollande, gab an, dass wohl kaum mit Überlebenden zu rechnen ist: „Ein Schock, der uns in tiefe Trauer stürzt.“ 144 Passagiere sowie sechs Crew-Mitglieder befanden sich an Bord des Fluges von Barcelona nach Düsseldorf. Die meisten Fluggäste – 67 an der Zahl – waren ersten Informationen zufolge Deutsche, weitere 45 waren aus Spanien, auch zwei Babys befanden sich im Flieger. Germanwings-Flüge aus Düsseldorf – unter anderem nach Wien – starteten nach dem Unglück mit Verspätungen, mindestens ein Flug wurde abgesagt.

 

Flaggen auf Halbmast

Am Nachmittag kam aus der westfälischen Stadt Haltern die Nachricht, dass 16 Austauschschüler sowie zwei Lehrer an Bord waren; sie hatten eine Woche in Llinars del Vallès verbracht, zuvor hatten spanische Schüler Haltern besucht. Dem WDR sagte die nordrhein-westfälische Schulministerin, Sylvia Löhrman: „Das ist eine Austauschreise eines Spanischkurses, die jetzt auf dem Rückflug waren, nachdem sie wahrscheinlich eine schöne Zeit in Spanien hatten.“ Und: „Das macht fassungslos.“ Nachdem die Nachricht vom Unglück das Joseph-König-Gymnasium erreicht hatte, wurde eine Notfallseelsorge eingerichtet, ehe der Schulbetrieb geschlossen wurde. Eltern, Schüler und Anrainer haben Blumen vor die Schule gelegt. Als Zeichen der Trauer werden am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen an offiziellen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast sein.

Offenbar waren an Bord auch Mallorca-Urlauber aus Deutschland, die in Barcelona umgestiegen sind. Eine für Dienstag angekündigte Wahlkampfveranstaltung in Palma de Mallorca wurde von der Partido Popular Medienberichten zufolge abgesagt. Unterdessen warteten, wie auch in Düsseldorf, auf dem Flughafen in Barcelona die verzweifelten Angehörigen auf weitere Informationen zum Flug, die zunächst nur bruchstückhaft durchsickerten. Das Krisenteam brachte sie in einen von der Polizei geschützten Raum.

 

Gauck bricht Mittelamerika-Reise ab

Der Absturz des Airbus A320 ist wohl der schwerste Unfall in der Geschichte der deutschen Fluggesellschaft – ein „schwarzer Tag für die Lufthansa“, sagte Konzernleiter Carsten Spohr. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einer Stellungnahme „tief erschüttert“ und gab an, heute, Mittwoch, gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft, zum Unglücksort zu reisen. „Das Leid ihrer Familien ist jetzt unermesslich“, so Merkel, „wir setzen alles daran, dass sie die Hilfe und den Beistand finden, die es in solchen Stunden geben kann.“ Bundespräsident Joachim Gauck, der auf Staatsbesuch in Peru weilte, zeigte sich ebenfalls tief betroffen: „Meine Gedanken sind bei den Familienangehörigen und Freunden der vielen Opfer.“ Er wird seine Mittelamerika-Reise abbrechen und nicht, wie geplant, nach Uruguay weiterreisen.

Hollande hat Merkel Hilfe bei der Aufklärung des Unglücks zugesichert. Um eine enge Absprache mit den französischen Behörden zu sichern, reisten am Dienstag der deutsche Außenminister, Frank-Walter Steinmeier (SPD), sowie der Verkehrsminister, Alexander Dobrindt (CSU), zur Unglücksstelle. (duö)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2015)