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SPÖ schüttelt über Häupl den Kopf

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Während Burgenlands Landeshauptmann, Hans Niessl, von einem misslungenen Scherz spricht, fragen sich rote Gewerkschafter, ob Häupl noch der Richtige für die Wiener SPÖ ist.

Wien. Innerhalb der SPÖ ist Michael Häupls Einschätzung über den Arbeitseifer österreichischer Lehrer eher nicht mehrheitsfähig. Er halte die Aussagen des Wiener Bürgermeisters „für einen Scherz“, sagte der burgenländische Landeshauptmann, Hans Niessl, am Mittwoch zur „Presse“. Für einen „nicht gelungenen Scherz“, wohlgemerkt.

Aus eigener Erfahrung weiß der frühere Lehrer und Schuldirektor Hans Niessl, „dass Pädagogen nicht zwanzig Stunden pro Woche im Einsatz sind, sondern mindestens vierzig“. Zumal man auch die Vor- und Nachbereitungszeit für den Unterricht dazurechnen müsse.

Häupl hatte am Dienstag bei der 70-Jahr-Feier der SPÖ im Wiener Rathaus gemeint, dass er Dienstagmittag fertig wäre, würde er– wie die Lehrer – nur 22 Stunden pro Woche arbeiten. Das gefiel auch dem Präsidenten des Gewerkschaftsbunds nicht. Erich Foglar hätte sich „mehr Sensibilität“ gewünscht, wie er dem ORF-Radio sagte. „Ich denke, dass der Bürgermeister diesen Satz so nicht mehr sprechen würde.“

In der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, der Dachorganisation der Lehrergewerkschaft, teilt man diese Einschätzung nicht – dort gehen auch die SPÖ-Funktionäre hart mit Häupl ins Gericht. Er sei zwar Niederösterreicher, sagte der Vizevorsitzende der Beamtengewerkschaft, Peter Korecky, zur „Presse“. „Aber wenn ich in der Wiener Partei wäre, würde ich mir überlegen, ob ich mit so einem Spitzenkandidaten in die Wahl gehe.“

Korecky erinnerte daran, dass Häupl vor der Wien-Wahl 2010 der SPÖ einen Schwenk in Richtung Berufsheer verordnet hatte. Die Geschichte ging nicht gut aus: Bei der Volksbefragung gab es eine Mehrheit für die Wehrpflicht und gegen das SPÖ-Modell. „Wir kennen das schon“, klagte der Beamtengewerkschafter, um in der Lehrerdebatte noch einmal nachzulegen.

Offenbar sei in Wien bereits „ein intellektueller Probelauf“ für eine rot-blaue Koalition im Gange. Anders sei Häupls Vorgehen nämlich nicht zu erklären. Um bei der Wahl am 11.Oktober bestehen zu können, scheue der Bürgermeister auch vor Populismus nicht zurück.

Enttäuscht zeigte sich inzwischen der Sozialdemokratische Lehrerverein. Häupls Äußerung sei nicht witzig gewesen und stoße alle Lehrer vor den Kopf, so SLÖ-Vorsitzender Patrick Wolf. Die Wiener Fachgruppen der AHS- und BMHS-Lehrer im Bund Sozialdemokratischer Akademiker verlangten mehr Wertschätzung im Ton.

 

Häupl sieht Missverständnis

Doch Häupl wollte am Mittwoch nichts zurücknehmen, er fühlte sich missverstanden. Er habe „die vielen engagierten Pädagogen“ keineswegs beleidigen wollen, sondern Kritik an der Lehrergewerkschaft geübt, von der er seit Jahrzehnten nichts als „Nein“ höre. So würden sich zum Beispiel die Gespräche zur Schulverwaltungsreform schon „ewig lang“ hinziehen.

Im Vergleich zur Diktion der Gewerkschaft seien seine „Witzchen“ völlig harmlos, meinte der Bürgermeister. „Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll, ich habe keine Berufsgruppe beleidigt. Ich habe mich kritisch mit der Politik der Lehrergewerkschaft auseinandergesetzt. Und da lasse ich mir nicht den Mund verbieten.“ Wenn die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer erhöht wird, werde man natürlich auch über eine Besoldungsreform reden müssen. Aber von vorneherein schon zu sagen, das gehe nicht, sei nicht sinnvoll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2015)